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Homo oeconomicus Beschäftigte in Kitas und Schulen müssen wirksamer geschützt werden

Daten der Krankenkassen zeigen eine hohe Zahl an Krankmeldungen von Lehr- und Betreuungskräften. Die Schutzkonzepte müssen sich stärker am Infektionsrisiko orientieren, meint Anke Hassel.
22.02.2021 - 12:48 Uhr 1 Kommentar
Anke Hassel ist Professorin of Public Policy an der Hertie School Berlin. Quelle: Vincent Mosch
Die Autorin

Anke Hassel ist Professorin of Public Policy an der Hertie School Berlin.

(Foto: Vincent Mosch)

Was wissen wir über Infektionsrisiken am Arbeitsplatz? Vom Robert Koch-Institut nichts. Modellrechnungen von Physikern der TU Berlin orientieren sich an statistischen Größen wie Emissionsraten, Aerosolkonzentration und Aufenthaltsdauer und berechnen hohe Risiken in Schulen. Die besten Daten findet man jedoch in den Statistiken der Krankenkassen.

Die sprechen eine deutliche Sprache: Die AOK meldet, dass im Zeitraum von März bis Oktober 2020 die Berufe in der Betreuung und Erziehung von Kindern am stärksten von Krankschreibungen im Zusammenhang mit Covid-19 betroffen waren. Ihre Krankmeldungen betrugen mehr als das 2,2-Fache des Durchschnittswerts.

Und auch Zahlen des BKK-Dachverbands zeigen, dass Krankmeldungen aus Kindergärten und Vorschulen aufgrund von Covid-19 mehr als doppelt so hoch waren wie im Durchschnitt. Dicht darauf folgten Gesundheitsberufe und Altenpflege.

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) meldet, dass die Zahl der Anzeigen auf Verdacht einer Berufskrankheit 2020 deutlich gestiegen ist, insbesondere im öffentlichen Dienst. Die DGUV geht davon aus, dass Beschäftigte in Gesundheitsberufen und Wohlfahrtspflege sich eine Covid-19-Infektion als Berufskrankheit anerkennen lassen könnten.

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    Aus den Zahlen wird ein Dilemma deutlich: Einerseits geht der enge Umgang mit Menschen am Arbeitsplatz mit einem deutlich höheren Infektionsrisiko einher. Andererseits sind diese Berufe in Kitas und Heimen für die Gesellschaft gerade jetzt von besonderer Bedeutung. Ihr Schutz müsste eigentlich an erster Stelle stehen. Leider ist das bei den Kitas nicht so.

    Flache Corona-Lernkurve

    Der Schutzstandard Kindertagesbetreuung der DGUV beinhaltet nichts anderes als die Maßnahmen der Arbeitsschutzverordnung vom Januar. Im Kern sind es Masken, Homeoffice, Lüften und Abstand.

    Es gibt jedoch andere Beispiele. In der Filmwirtschaft wurde mit der Berufsgenossenschaft ein Konzept mit Schutzstufen erarbeitet. Es beinhaltet regelmäßige Tests, und zwar zweimal wöchentlich. Im Profifußball ist das sowieso die Praxis.

    Trotz Dauerdebatten in Talkshows und Beratungen mit Experten ist unsere Lernkurve in Sachen Corona sehr flach.

    Heute sind wir nicht in der Lage, Beschäftigte in Kitas und Schulen wirksam zu schützen. Teststrategien in Schulen und Kitas sind in den Ländern unterschiedlich, oftmals freiwillig und nicht systematisch. Und erst nach großem öffentlichem Druck ist Gesundheitsminister Jens Spahn bereit, die Erzieher und Lehrer in der Impfverordnung nach vorne zu ziehen.

    Schutzkonzepte am Arbeitsplatz müssen sich am Infektionsrisiko orientieren. Dafür brauchen wir zeitnahe Daten über Infektionsinzidenz. Diese hätte man schon seit Langem gemeinsam mit den Krankenkassen anonymisiert erheben können.

    Das Infektionsrisiko muss in die Gefährdungsanalysen im Arbeitsschutz einfließen. Derzeit laufen wir dem Infektionsgeschehen weiter hinterher und jetzt mit der Öffnung der Schulen ohne Impfung und ausreichenden Schutz direkt in eine dritte Welle hinein, ohne dass wir aus der zweiten rausgekommen sind.

    Mehr: Immun im Büro: So wollen die Dax-Konzerne die Impfungen organisieren.

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    1 Kommentar zu "Homo oeconomicus : Beschäftigte in Kitas und Schulen müssen wirksamer geschützt werden"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Generell muss man wohl leider sagen, dass die Erzieher keine starke Lobby haben. Außer dem Verband für Erziehung, der auch Lehrer vertritt, fällt mir jetzt auf Anhieb keine Interessenvertretung durch eine DGB Gewerkschaft ein. Vielleicht gibt es sie ja, aber man hört von ihr nichts. Warum die Entwicklung von Human Intelligenz im Vgl. zu KI so unterbewertet wird, ist mir schleierhaft,

      Da nun Corona Spätfolgen eine Berufskrankheit sind, sollten die AG auch eine BUV/BUZ abschließen. Aber wer soll das fordern, solange die Gewerkschaft schläft.

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