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Homo Oeconomicus China nimmt die Preisbestimmung von Online-Plattformen ins Visier

Online-Plattformen stehen im Verdacht, nach Kaufkraft oder Zahlungsbereitschaft der Kunden differenzierte Preise zu setzen. China will diese digitale Überwachung nun stoppen.
07.01.2021 - 13:19 Uhr Kommentieren
Cory Doctorow ist Science-Fiction-Autor und Journalist. 2019 erschien von ihm „Wie man einen Toaster überlistet“. Quelle: imago/Christian Mang
Cory Doctorow

Cory Doctorow ist Science-Fiction-Autor und Journalist. 2019 erschien von ihm „Wie man einen Toaster überlistet“.

(Foto: imago/Christian Mang)

China hat eine andere Beziehung zu seinen Tech-Monopolisten als die USA, dank einer Kombination aus Staatseigentum, staatlichen Investitionen und personellen Verflechtungen von Partei und Armee und der Führung der Big-Tech-Firmen.

Beide Länder nutzen ihre dominierenden IT-Firmen, um Soft Power in die Welt zu projizieren. Doch gleich ob die Einbeziehung in den militärisch-industriellen Komplex offen ist wie in China – oder stillschweigend wie in den USA: Überbordende Macht von Großunternehmen schadet der Bevölkerung und gefährdet letztlich die Vormacht des Staates.

Deshalb hat die chinesische Staatsverwaltung für Marktaufsicht einen Entwurf für „Neue Anti-Monopol-Richtlinien für die Plattform-Ökonomie“ veröffentlicht, der ehrgeizige Beschränkungen für die chinesischen IT-Monopolisten vorsieht. Kernstück ist das Verbot der Nutzung digitaler Überwachung dafür, den Preis von Waren dynamisch von der Zahlungsbereitschaft der Kunden abhängig zu machen.

Solche Preisdiskriminierung, bei der loyale Kunden mit höheren Preisen belastet werden, ist schwer zu erkennen. Aber 88 Prozent der chinesischen Internetnutzer glauben, dass sie geschieht, und 57 Prozent meinen, dass sie schon einmal Opfer davon waren.

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    Viele Ökonomen, vor allem der vorherrschenden neoklassischen Sekte, halten Preisdiskriminierung für „optimal“. Sie argumentieren, dass Volkswirtschaften mit weit verbreiteter Preisdiskriminierung bei der Verteilung von Ressourcen besser seien. Aber die Menschen hassen Preisdiskriminierung. Sie wird reflexhaft als unfair angesehen. Deshalb ist sie ein perfektes Thema, um Unterstützung der Bevölkerung für das sonst so sperrige Thema Wettbewerbspolitik gegen Monopolmacht zu gewinnen.

    Unterstützung von verärgerten Kunden

    Regierungen, die ihre Macht gegenüber Konzernen verteidigen wollen, können sich so eine Schar verärgerter Kunden sichern, die sie bei ihrem Unterfangen unterstützen.

    Die vorgeschlagenen neuen chinesischen Regeln legen die Faktoren fest, die zur Feststellung einer „diskriminierenden Behandlung“ führen können. Sie geben den Regulierungsbehörden einen Entscheidungsspielraum, Datenauswertung zu bestrafen, die dazu dient, Kaufkraft, Online-Aktivitäten oder Vorlieben eines potenziellen Käufers zu ermitteln.

    Sie schaffen auch einige abgesicherte Formen der Preisdiskriminierung für Plattformen wie Werbeaktionen, um neue Kunden anzulocken, und laut Shen Weiwei die Verwendung von Kredithistorien für Preisdiskriminierung. Das wäre ein großes Schlupfloch.

    Interessanterweise erlaubt die Regel den Regulierungsbehörden, auf Data-Mining basierende Preisdiskriminierung in Betracht zu ziehen, wenn sie Vorwürfe der Abzocke untersuchen, verpflichtet sie aber nicht dazu.

    Die Aufsichtsbehörden sollen also die Freiheit haben, Nachsicht zu üben, wenn es um Verhaltensweisen geht, die sie nicht als verwerflich ansehen, und selektiv gegen diejenigen vorzugehen, die sie als die schlimmsten Übeltäter einschätzen.

    Mehr: Zahlungsgigant Ant könnte zerschlagen werden.

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