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Homo oeconomicus Chinas Problem liegt auf der Nachfrageseite

China braucht in der Coronakrise eine Politik, die die Nachfrage ankurbelt. Peking hat bisher jedoch mehr auf Impulse auf der Angebotsseite gesetzt.
14.07.2020 - 18:10 Uhr Kommentieren
Chinesische Haushalte reagierten auf den Covid-19-Schock, indem sie Schulden tilgten und die Sparquote erhöhten.
Michael Pettis ist Professor für Ökonomie an der Universität Peking

Chinesische Haushalte reagierten auf den Covid-19-Schock, indem sie Schulden tilgten und die Sparquote erhöhten.

Am Donnerstag legt China seine Wirtschaftsdaten für das zweite Quartal vor. Den meisten Analysten blüht dabei eine Überraschung, weil die wirtschaftliche Erholung stärker als erwartet ausfallen dürfte. Allerdings beziehen sich die Daten meist auf die Angebotsseite, also auf die Produktion. Die Erholung auf der Nachfrageseite wird viel schwächer ausfallen, dabei ist diese letztlich sowohl für das globale Wachstum als auch für Chinas langfristiges Wachstum entscheidend.

Covid-19 hat China, wie den Rest der Welt, zwar teilweise auf der Angebotsseite getroffen. So wurden etwa einige Fabriken geschlossen, weil die Arbeitskräfte fehlten. Doch die Pandemie hatte bei Weitem die größten Auswirkungen auf der Nachfrageseite. Vor allem der Konsum wurde stark gedämpft.

Der starke Anstieg der Arbeitslosigkeit hatte nicht nur einen sehr negativen Einfluss auf das Haushaltseinkommen aus. Chinesische Haushalte reagierten – ähnlich wie Haushalte anderer betroffener Länder auch – auf den Covid-19-Schock, indem sie Schulden tilgten und die Sparquote erhöhten.

China braucht vor allem eine Politik, die die Nachfrage ankurbelt, um sich von Covid-19 zu erholen. Das Problem ist, dass Peking sich besonders auf angebotsseitige Impulse konzentriert hat – so wie die meisten Länder, die stark von Exporten und Haushaltsüberschüssen abhängig sind, um Wachstum zu generieren. So setzte die Regierung etwa auf die Senkung der Unternehmensteuern und die Erhöhung der Infrastrukturausgaben. Banken wurden gezwungen, Unternehmen billige Kredite zu gewähren, und der Bau zusätzlicher Produktionskapazitäten wurde mit Subventionen gefördert.

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    Aber in einer Wirtschaft mit einem niedrigen Gesamtkonsum verschärft eine solche angebotslastige Politik das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage sogar noch. Es gibt nur drei Möglichkeiten, dieses Ungleichgewicht zu lösen. Der naheliegendste Weg ist eine Drosselung der Produktion, aber dies würde einen starken Anstieg der Arbeitslosigkeit bedeuten, und Peking ist bestrebt, diese schnellstmöglich zu senken.

    Investitionen in öffentlichen Sektor notwendig

    Der zweite Weg besteht darin, eine starke Ausweitung des Handelsüberschusses zuzulassen. Dies ist bereits geschehen. Aber da die weltweiten Exporte stark schrumpfen, wird es für die Welt sehr schwierig sein, große chinesische Überschüsse zu absorbieren, und dies wird mit ziemlicher Sicherheit noch größere Handelskonflikte auslösen.

    Der einzige andere Weg, um die tiefen Ungleichgewichte aufzufangen, ist die Steigerung der Binnennachfrage. Doch angesichts des stark rückläufigen Konsums und der nur wenig besseren Unternehmensinvestitionen kann dies nur durch eine substanzielle Erhöhung der chinesischen Investitionen des öffentlichen Sektors erreicht werden.

    Unglücklicherweise muss Peking seit fast einem Jahrzehnt feststellen, dass viele dieser Investitionen – wenn nicht gar die meisten – für die Wirtschaft nicht mehr produktiv sind. Zugleich sorgen die steigenden Infrastrukturausgaben dafür, dass die Schuldenlast des Landes so schnell wächst wie nie zuvor in der Geschichte.

    Während dieser dritte Weg das Ungleichgewicht bei der Nachfrage also kurzfristig beheben kann, verschlimmert er die Schuldenlast des Landes und macht die Anpassung auf lange Sicht noch schwieriger. Nun ist entscheidend, wie Peking auf die Covid-19-Krise reagiert. Dabei müssen auch die längerfristigen Folgen für China und die Welt bedacht werden.

    Mehr: Zunehmend verschreiben sich Unternehmen plötzlich der Klimaneutralität. Als symbolische Maßnahme nützt dies der ökologischen Zukunft jedoch wenig.

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