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Homo oeconomicus Claudia Kemfert: Der CO2-Preis auf Heiz- und Kraftstoffe ist viel zu niedrig

Die Einbeziehung der Heiz- und Kraftstoffe in den Emissionshandel reicht nicht aus. Wirkungsvoller wäre es, die Verursacher des Klimawandels an dessen Kosten zu beteiligen.
11.01.2021 - 12:55 Uhr 5 Kommentare
Claudia Kemfert leitet die Abteilung „Energie, Verkehr, Umwelt“ des DIW und ist Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit an der Hertie School of Governance. Quelle: Roland Horn/ DWI Berlin
Die Autorin

Claudia Kemfert leitet die Abteilung „Energie, Verkehr, Umwelt“ des DIW und ist Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit an der Hertie School of Governance.

(Foto: Roland Horn/ DWI Berlin)

Die Einführung eines CO2-Preises in Deutschland gibt zwar tatsächlich Anlass zur Empörung, aber anders als viele denken. Fakt ist: Heiz- und Kraftstoffe waren immer schon sehr viel teurer, als es schien. Bezahlt haben den Preis auch die, die kaum von der „fossilen Freiheit“ profitieren und am wenigsten zum Klimaschaden beitragen: Menschen mit geringem Einkommen, egal ob Pflegekraft, Friseur oder Rentnerin, verbrauchen wenig Ressourcen und haben daher einen kleinen CO2-Fußabdruck.

Trotzdem zahlen sie, ohne es zu wissen, auch für die Emissionen der anderen. Denn die Schäden der fossilen Freiheit Einzelner werden – versteckt – von der Gemeinschaft bezahlt.

Und wer profitiert? Die Besserverdienenden mit großzügig bemessenem Einfamilienhaus, mit Erst- und Zweitwagen und mit Dienst- und Urlaubsreisen in ferne Länder. Ausgerechnet sie, die als Gruppe einen klimaschädlichen Lebensstil pflegen, werden durch den Fiskus auch noch bevorzugt – durch direkte und indirekte Subventionen für fossile Energien, Infrastruktur und emissionsstarke Verhaltensweisen. Dabei ist ein Gebot der Fairness, dass Menschen den Schaden vollständig bezahlen, den sie anrichten.

Fair und wirkungsvoll wäre es, man würde Klimaschädlinge wie Kerosin, Diesel, Benzin und Gas realistisch an den verursachten Klimawandel-Folgekosten beteiligen. Richtig fair wäre, man würde den Menschen das Geld, das ihnen jahrzehntelang heimlich aus den Taschen gezogen wurde, zurückzugeben. Als „Klimabonus“ oder „Klimaprämie“ könnten die Einnahmen einer CO2-Steuer an die privaten Haushalte zurückgezahlt werden.

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    Der positive Lenkungseffekt wäre offensichtlich: Je weniger fossile Energien ich verbrauche, desto mehr Geld kann ich behalten. Und Haushalte mit niedrigen Einkommen würden – wie in einer Studie mit meiner Beteiligung nachgewiesen – meist mehr Geld bekommen, als sie qua Verbrauch bezahlen.

    Viel zu niedriger Festpreis

    Der jetzt eingeführte CO2-Preis ist weder fair noch wirkungsvoll. Man hat einen komplizierten und kostspieligen nationalen Emissionsrechtehandel eingerichtet. Was nach freiem Markt klingen soll, ist in Wahrheit per (viel zu niedrigem) Festpreis geregelt: Statt des nach Schätzung des Umweltbundesamts notwendigen Preises von 195 Euro pro CO2-Tonne ist der fossile Spaß zum Schnäppchenpreis von anfangs 25 Euro und später 60 Euro zu haben.

    Besonders absurd: Mit der gleichzeitigen Erhöhung der Pendlerpauschale wird ausgerechnet das Fahren von emissionsstarken Verbrennern belohnt. Die angestrebte Emissionsminderung wird so höchstens zu einem Drittel erreicht.

    Die parallele Vereinbarung zur Senkung des Strompreises ist gut und wichtig, belohnt aber leider fossile wie erneuerbare Energien gleichermaßen.

    Trotzdem: Die Einführung eines CO2-Preises ist ein Schritt in die richtige Richtung. Wir brauchen Kostenwahrheit und soziale Gerechtigkeit. Kluger Klimaschutz schafft beides.

    Mehr: Im Dezember 2019 stellte die EU-Kommission den europäischen Green Deal vor. Das Ziel: klimaneutrales Wirtschaften bis 2050. Wie es seitdem weitergegangen ist. Eine Übersicht.

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    5 Kommentare zu "Homo oeconomicus: Claudia Kemfert: Der CO2-Preis auf Heiz- und Kraftstoffe ist viel zu niedrig"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Frau Kempf hat vollkommen recht, wenn Sie fordert das jeder Bürger für den Schaden aufkommt den er verursacht. Dies ist ein zutiefst Demokratisches Konzept und wird eigentlich in jedem Lebensbereich als selbstverständlich akzeptiert.
      Bei der Verbrennung von fossilen Energieträgern war zunächst die Schädigung nicht bewusst, dann konnte sie über Jahrzehnte verdrängt werden. Heute kann sich jeder Mensch zum Beispiel beim IPCC wissenschaftlich fundiert über die Schädigung informieren und da sollte es in einem Rechtsstaat selbstverständlich sein, dass jeder seiner Haftpflicht nach kommt.
      Es ist auch falsch zu sagen, ein realistischer CO2-Preis würde den Wohlstand reduzieren. Es ist nicht der CO2-Preis der den Wohlstand reduziert, sondern die folgen des Klimawandels. Der CO2-Preis macht diese Wohlstandreduzierung nur für jeden Sichtbar.
      Zuletzt ist anzumerken dass es eine Vielzahl wissenschaftlicher Studien gibt wie Deutschland autark und erneuerbar mit Energie versorgt werden kann und die Transportnetzbetreiber bereiten sich auf diese Szenarien vor. Sicherlich bringt diese Form der Energieversorgung viele neue Herausforderungen mit sich, aber wenn der Klimawandel erst mal als Fakt akzeptiert ist, wird klar, dass ein weiterso keine Option ist.

    • Über solche Bericht kann ich nur mit Ungläubigkeit meinen Kopf schütteln und frage mich, woher nimmt diese Frau die Dreistigkeit derartigen Unsinn von sich zu geben? Ich würde gerne einmal von Ihr erfahren wo denn die CO2 Steuer landet? Die landet wie die Ökosteuer einfach wie alle Steuern ohne direkten Zweck in der Staatskasse und kein Cent geht an den 'kleinen Bürger'. Der 'kleine Bürger' wird seit Jahren alleine durch den Minuszins enteignet und nun kommt Covid19 dazu und wird den 'kleinen Bürger' auch noch den Job sowie das letzte Hemd aus der Hand nehmen. Nun kommt auch die Neiddebatte um die Hausbesitzer, derer es in Deutschland ohnehin nicht viele im EU Vergleich gibt und ob jemand nun ein 80-120m2 Reihenhaus oder eine 80-120m2 Mietwohnung hat spielt kaum eine Rolle bei der CO2 Steuer, da beide gleichermaßen vom Staat nun zusätzlich belastet werden. Die CO2 Steuer verringert zu 100% kein CO2 und stellt namentlich lediglich eine zusätzlich Einnahmequelle des Staates dar, aus welcher auch das Gehalt von Frau Kemfert bezahlt wird.

      Wir verbrauchen ca. 620 TWh an Energie in Form von Strom der zu 50% aus fossilen Brennstoffen besteht.
      Unsere Fahrzeuge verbrauchen zur Zeit ca. 634 TWh an Energie in Form von Benzin/Diesel.

      In den letzten 30 Jahren haben wir ca. 30.000 Windräder aufgebaut haben, die ca. 134 TWh an Strom produzieren und wollen in den nächsten Jahren alle Kohle-/als auch Kernkraftwerke ca. 300 TWh an Energie abstellen.

      1) Wer baut in den nächsten 10 Jahren ca. 130.000 Windkraftanlagen auf, um die 300 TWh für die E-Fahrzeuge und die 300 TWh für die abgeschalteten Kohle-/und Kernkraftwerke zu kompensieren und ist es uns  möglich ca. 13.000 Windkraftanlagen pro Jahr zu produzieren sowie den Platz zu finden diese aufzubauen?
      2) Wann wollen wir mit der Produktion dieser alternativen Energie beginnen, vor oder nach dem Abstellen der Kohle- und Kernkraftwerke
      3) Was machen wir mit den 116.000 TWh an fossilien Brennstoffen (96% Heizöl) zum Heizen der Häuser?

    • An dem Beitrag von Frau Kemfert stört mich zweierlei:
      1. Die typisch deutsche (linke) Neiddebatte. Das gibt es die bösen Besserverdienenden, die von der "fossilen Freiheit" mehr profitieren, als die guten Sozialschwachen, die aber die "Party" der Reichen über Energie- und Verbrauchssteuern mitfinanzieren. Über einen maßlos hohen CO2-Preise will Frau Kemfert dann von "oben" nach "unten" umverteilen. Dass der von ihr vorgeschlagene Preis von 195 Euro/Tonne CO2 die Wettbewerbsfähigkeit vieler deutscher Unternehmen ruinieren und zu Arbeitsplatzabbau führen würde, ignoriert die Ökonomin.
      2. Frau Kemfert kritisiert den politisch administrierten nationalen CO2-Preis, ohne uns zu verraten wie sie denn ihren fast 10 mal höheren CO2-Preis einführen will. Doch sicher auch per Dekret, oder?
      Dabei gibt es mit dem europäischen CO2-Handelssystem (ETS) und funktionierendes Instrument. Statt wieder einmal nationale Alleingänge zu befördern, wäre es deutlich intelligenter und der Mühe wert, weitere Sektoren in das ETS einzubeziehen. Den Rest besorgt das europäische Emissionsreduktionsziel, der Wettbewerb und die menschliche Erfindungskraft.


    • den Artikel von Frau Professor Kemfert verstehe ich nicht, denn Windräder als auch Solaran-lagen sind wenig effektiv und deshalb nicht zielführend. (von 8400 Std möglich, nur
      effektive Lz ca. 2400 Std, Fundament Eisenbeton 40mx40x5m, Windräder schwer abbaubar, Vögeltötungsmaschine, im Waldgebiet muessen 10000qm gerodet werden,
      Veränderungen der Luftbewegungen, durch Reibung der Windräder wird im Umfeld der
      Windräder die Temperatur höher und trockener, Lärmbelästigung; Solar -keine Sonne, Dunkelheit, schwer Abbaubar.
      Auch könnte mir Prof. Kemfert die Frage beantworten, wenn unser Co2-Anteil in Deutschland bei 1% liegt, wie sich das Klima verändert? Welche Auswirkungen hat der geringere Co2 Anteil auf den Pflanzenwuchs hat; und, und. Bitte wissenschaftlich beweisen oder läuft Frau Prof. Kemfert einer Utopie nach, Frau Dr. Merkel hat gesagt????

    • @ Frau Kemfert
      Im Prinzip ist ihre Argumentation richtig und macht Sinn. Allerdings bildet sie nur einen kleinen Teil eines viel größeren Gesamtspiels ab. Ein höherer CO2 Preis hätte zwar eine höhere Lenkfunktion und auch über die Verteilung lässt sich streiten. Aber es ist nicht zu leugnen, dass sich diese Reform wohlstandsmindernd auf das Gemeinwohl auswirkt.

      Ein höherer CO2 Preis bewirkt, dass die Bevölkerung weniger Geld zum konsumieren, investieren oder zum sparen hat. Dies wiederum hat zur Folge, das die gesamten Steuereinnahmen sinken.. und hier beginnt auch schon der Teufelskreis. Denn wenn der Staat weniger Steuern einnimmt, so kann er irgendwann das Sozialsystem oder den Klimawandel nicht mehr finanzieren.

      Außerdem ist zu berücksichtigen, dass dieses Jahr - Corona- & Kurzarbeit bedingt - ein Großteil der Bevölkerung Einkommenseinbußen hat. Wäre der CO2 Preis um ein vielfaches höher, so wäre die Situation für Selbstständige sowie KMU´s kaum zu tragen.

      Eine schrittweise Erhöhung des CO2 Preises, unter gleichzeitiger Förderung grüner Technologie, ist in meinen Augen der richtige Weg. Ein überstürztes Handeln hat selten zum Erfolg geführt.

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