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Homo Oeconomicus Dem Klima zuliebe sollte die EZB keine Unternehmensanleihen mehr kaufen

Die Europäische Zentralbank kann zwar keine eigene Klimapolitik betreiben. Jedoch stützt die Bank mit ihren Käufen klimaschädliche Geschäftsmodelle, moniert Jörg Krämer.
18.03.2021 - 11:08 Uhr Kommentieren
Die EZB stützte mit ihren Käufen klimaschädliche Geschäftsmodelle und begünstige Großunternehmen gegenüber den kleineren. Quelle: dpa
Europäische Zentralbank

Die EZB stützte mit ihren Käufen klimaschädliche Geschäftsmodelle und begünstige Großunternehmen gegenüber den kleineren.

(Foto: dpa)

Anders als die Wirtschaftspolitiker mit ihren CO2-Steuern oder Verschmutzungszertifikaten verfügt die Europäische Zentralbank (EZB) über kein effizientes Instrument, um die Unternehmen zu einem klimafreundlichen Verhalten zu bewegen. Die EZB kann keine eigene Klimapolitik betreiben. Aber sie sollte die Klimapolitik der EU zumindest nicht konterkarieren.

Genau das tut die Notenbank jedoch, wenn sie Unternehmensanleihen kauft. Die EZB verteilt ihre Mittel auf die einzelnen Unternehmen entsprechend ihren Anteilen am gesamten Anleihemarkt. Sie kauft umso mehr Anleihen eines Unternehmens, je stärker es sich am Anleihemarkt verschuldet hat.

Damit bevorzugt sie Unternehmen aus Sektoren wie Bergbau, Energieerzeugung, Chemie, Metallgewinnung und Verkehr, die einen hohen Kapitalbedarf haben und sich in großem Umfang am Anleihemarkt finanzieren.

Das Problem aus Sicht der Klimapolitik besteht nun darin, dass Unternehmen aus solchen Branchen in der Regel überdurchschnittlich viel Treibhausgas freisetzen. Die EZB subventioniert also Unternehmen mit hohen CO2-Emissionen und benachteiligt solche etwa aus dem Dienstleistungssektor, die verhältnismäßig wenig Treibhausgase ausstoßen. Umweltverbände wie Greenpeace beklagen diese Verzerrungen zu Recht.

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    Die EZB hat das Problem mittlerweile erkannt und denkt über Lösungen nach, die in ihren neuen geldpolitischen Strategierahmen einfließen. Eine Möglichkeit wäre, Unternehmen mit hohen Emissionen vom EZB-Kaufprogramm auszuschließen. Aber es könnte sein, dass solche Unternehmen Mittel vom Anleihemarkt brauchen, um ihren klimagerechten Umbau zu finanzieren.

    Jörg Krämer ist Chefvolkswirt bei der Commerzbank. Quelle: Commerzbank
    Der Autor

    Jörg Krämer ist Chefvolkswirt bei der Commerzbank.

    (Foto: Commerzbank)

    Deshalb schlagen andere Volkswirte vor, den Kaufschlüssel, der sich mit Blick auf die ausstehenden Anleiheschulden ergibt, um die Klimaeffizienz eines Unternehmens zu korrigieren. Die EZB würde den Anteil eines Unternehmens in ihrem Portfolio umso stärker reduzieren, je mehr sein CO2-Ausstoß pro Umsatz über dem Durchschnitt aller Unternehmen liegt. Andere schlagen vor, dass die EZB nur noch Anleihen solcher Unternehmen kaufen soll, die einen für ihre Branche formulierten CO2-Abbaupfad erreichen.

    All diese Lösungsansätze haben eines gemeinsam: Sie sind kompliziert und lösen das Problem der Klimaverzerrungen im EZB-Kaufprogramm nur näherungsweise. Viel einfacher und vor allem vollständig ließe es sich vermeiden, wenn die EZB einfach keine Unternehmensanleihen mehr kauft und das entsprechende Programm einstellt.

    Ein weiterer Vorteil dieser Lösung wäre, dass sie auch eine andere Verzerrung vermeiden würde, nämlich die Benachteiligung kleiner und mittlerer Firmen, die anders als große Unternehmen in der Regel kein Geld am Anleihemarkt aufnehmen können.

    Der geldpolitische Handlungsspielraum der EZB würde durch einen solchen Schritt kaum verringert, weil Unternehmensanleihen nur sieben Prozent aller von ihr gekauften Anleihen ausmachen.

    Mehr: Lesen Sie hier, warum ein Gleitschirmflieger auf dem Dach der EZB landete.

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