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Homo oeconomicus Die Energiewende braucht den Austausch von Strom über Ländergrenzen hinweg

Kolumnist Jarass kritisiert, dass die Leitungen aus Nord- nach Süddeutschland vor allem dem Export von Stromspitzen dienen. Doch die Ausfuhr ist ein wichtiger Baustein der Energiewende.
12.08.2020 - 10:51 Uhr Kommentieren
Werner Götz ist Geschäftsführer der TransnetBW, die das Stromnetz im Südwesten  betreibt und an den Gleichstromvorhaben SuedLink und Ultranet beteiligt ist. Quelle: Transnet BW / Jan Potente
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Werner Götz ist Geschäftsführer der TransnetBW, die das Stromnetz im Südwesten  betreibt und an den Gleichstromvorhaben SuedLink und Ultranet beteiligt ist.

(Foto: Transnet BW / Jan Potente)

In seiner Querdenker-Kolumne, die Mitte Juli erschien, kritisiert Lorenz Jarass den Netzausbau und behauptet, dieser diene dem Export. Als Alternative schlägt er vor, überschüssige Energie zur Wasserstoffherstellung zu nutzen.

Wenn Export den Transport von Windstrom aus den Erzeugungszentren in den nördlichen Bundesländern in die Verbrauchszentren in den südlichen Bundesländern meint – ja, dann exportieren Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt über die geplanten Gleichstromleitungen tatsächlich nach Bayern und Baden-Württemberg.

Doch Export – auch in Nachbarstaaten – ist ein wichtiger Baustein der Energiewende, die wir nicht national, sondern europäisch und global denken müssen. 2030 sollen die Erneuerbaren 65 Prozent des Stromverbrauchs decken; europäische Importe und Exporte spielen dabei eine zentrale Rolle. Die Energiewende braucht Europa und den Austausch von Strom über Ländergrenzen hinweg.

Vor allem die wirtschaftlich starken Länder Bayern und Baden-Württemberg sehen sich mit einem wachsenden Importbedarf konfrontiert – aus Deutschland und von unseren europäischen Nachbarn.

Denn dort steht dem Rückgang konventioneller Kapazitäten kein ausreichender Aufbau regionaler, erneuerbarer Kapazitäten gegenüber. Die industriellen Zentren lassen sich nicht allein regional versorgen.

Wer sich den Netzentwicklungsplan (NEP) für das Jahr 2035 anschaut, erkennt beispielsweise: In Schleswig-Holstein stehen dann nur an Land Windräder mit einer Kapazität von mehr als zwölf Gigawatt (GW) – und das Nachfrageband zeigt in der Spitze rund drei GW. Das ist ein großer Überschuss für eine mögliche Elektrolyse. Also besser Wasserstoff als Stromleitungen?

1,2 Milliarden Euro für Engpassmanagement

Richtig ist, dass die Industrie im Süden und Westen Wasserstoff benötigen wird. Doch im hohen Norden Windstrom in Wasserstoff umzuwandeln, per Gasleitung zu transportieren und wieder in Strom umzuwandeln – klingt das effizient? Nein.

Denn für jede Kilowattstunde (kWh) Strom, die im Süden in Gasturbinen aus Wasserstoff erzeugt werden könnte, müssten im Norden in den Windanlagen bis zu vier kWh erzeugt werden.

Auch das Kostenargument wird angeführt. Der Netzentwicklungsplan weist Investitionskosten von mehr als 60 Milliarden Euro für das mittlere Ausbauszenario bis 2030 aus. Das sind sinnvolle Investitionen in moderne Infrastruktur und für die Integration der erneuerbaren Energien. Denn die Leitungen beheben Netzengpässe und verringern so teure Markt- und Netzeingriffe.

Allein 2019 fielen für das Engpassmanagement 1,2 Milliarden Euro an. Kosten, die die Stromkunden über die Netzentgelte bezahlen. Das ist der ökonomische Effekt. Dazu kommt der ökologisch negative Effekt: 2019 konnten mehr als sechs Gigawattstunden Strom aus Erneuerbaren-Anlagen nicht transportiert werden und mussten deshalb abgeregelt werden.

Es ist klar: Deutschland braucht jede gute Idee, die die Energiewende voranbringt. Also auch die effiziente Nutzung aller Technologien. Damit ist Wasserstoff gesetzt. Aber in jedem Fall auch der Netzausbau.

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