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Homo oeconomicus Die Wasserstoffstrategie sollte nicht auf Märkte setzen

Gewinne für Investoren sind nicht der richtige Maßstab für die Klimapolitik. Entscheidend ist das Verhältnis von Energieeinsatz und Energieausbeute.
05.01.2021 - 11:29 Uhr 2 Kommentare
June Sekera ist Gastwissenschaftlerin an der New School for Social Research und Senior Research Fellow am University College London. Quelle: North County Headshots
Die Autorin

June Sekera ist Gastwissenschaftlerin an der New School for Social Research und Senior Research Fellow am University College London.

(Foto: North County Headshots)

Seit Jahren arbeitet die Bundesregierung an der Dekarbonisierung, um den Klimawandel zu bremsen. In jüngster Zeit hat die Hinwendung zur Wasserstoffenergie als Teil dieses Plans eine Debatte darüber entfacht, ob Deutschland die Entwicklung von „grünem Wasserstoff“ oder „blauem Wasserstoff“ unterstützen sollte.

Grüner Wasserstoff wird mithilfe erneuerbarer Energiequellen aus der Elektrolyse von Wasser hergestellt. Blauer Wasserstoff ist die schönfärbende Bezeichnung für Wasserstoff aus fossilen Brennstoffen – vor allem Methan, bei dem das durch den Umwandlungsprozess emittierte CO2 angeblich durch die sogenannte „Kohlenstoffabscheidung und -speicherung“ (CCS) entsorgt wird. Doch neuere Studien haben gezeigt, dass der Gesamtprozess oft mehr CO2 emittiert, als er entfernt.

Jenseits der Frage der CO2-Emissionen steht die thermodynamische Grundfrage, ob der Wasserstoffproduktionsprozess mehr Nutzenergie verbraucht, als er liefert. Das wird gemessen mit der „Energierendite auf investierte Energie“ oder „EROI“. Das Verhältnis muss positiv sein, damit der Prozess biophysikalisch sinnvoll ist.

Für die fossilen Brennstoffe, die für den Lebensstandard sorgen, an den wir uns seit der industriellen Revolution gewöhnt haben, war dieses Verhältnis sehr positiv: In der Blütezeit der fossilen Brennstoffe im 20. Jahrhundert lag der EROI zwischen 20 zu 1 und 80 zu 1. Das bedeutet, dass für jede Energieeinheit, die zu ihrer Herstellung verwendet wurde, 20 bis 80 Energieeinheiten für den gesellschaftlichen Gebrauch erzeugt wurden.

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    Die Schätzungen des EROI für Windkraft liegen bei etwa 18 zu 1; für Solarenergie bei 2 zu 1 bis 9 zu 1 ohne Berücksichtigung der Batteriespeicherung. Offenbar steht eine vollständige EROI-Analyse der Wasserstoffproduktion noch aus, aber Wissenschaftler, die Schätzungen vorgenommen haben, sagen mir, dass der EROI für grünen Wasserstoff möglicherweise und für blauen Wasserstoff mit ziemlicher Sicherheit negativ ist. In diesem Fall ist die Förderung von blauem Wasserstoff thermodynamisch irrational.

    Deutschland setzt auf grünen Wasserstoff

    Die USA und einige andere Nationen setzen dennoch auf blauen Wasserstoff. Angesichts der gewaltigen technologischen, politischen und gesellschaftlichen Schwierigkeiten, einen wissenschaftlich fundierten Weg einzuschlagen, ist dies der einfachere Weg.

    Deutschland hat vor Kurzem beschlossen, den Weg des grünen Wasserstoffs zu beschreiten – in der Hoffnung, einen nachfragegesteuerten Markt für Wasserstoff zu wettbewerbsfähigen Preisen zu schaffen.

    Abgesehen von der Frage der enormen Menge an erneuerbarer Energie, die für den Ausbau benötigt wird, scheint dies der bessere Weg zu sein. Anders sieht es mit der Entscheidung aus, sich auf Marktakteure zu verlassen, um mit der Dekarbonisierung ein öffentliches Gut bereitzustellen, dessen Auszahlung eher an der Biophysik als an den Gewinnen für die Investoren gemessen werden muss.

    Das macht es fraglich, ob diese Strategie Ergebnisse erzielen wird, die den kollektiven Bedürfnissen entsprechen. Kurz gesagt, wir müssen von einer marktorientierten zu einer biozentrischen Sichtweise übergehen.

    Mehr: Lesen Sie hier, aus welchen Ländern Deutschland künftig Wasserstoff beziehen könnte.

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    2 Kommentare zu "Homo oeconomicus: Die Wasserstoffstrategie sollte nicht auf Märkte setzen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Man muss Hoffnung und Praxis trennen. Es gibt viele Probleme, die versuchen, lineare Prozesse der Stromerzeugung zu nutzen, um die Bedürfnisse des exponentiellen Stromverbrauchs mathematisch zu erfüllen. Es summiert sich einfach nicht!

    • Guter Ansatz aber falsch bewertet. Wetterabhängige Umgebungsenergieerzeugung kann keinen EROI von18:1 etc. haben, da muß ein falscher Ansatz vorliegen der die Volatilität dieser Energieerzeugung nicht berücksichtigt. Eine Energiespeicherung in der erforderlichen Größenordnung ist auf absehbare Zeit nicht möglich. Die Umwandlungsverluste von "grünem" Strom in Wasserstoff sind katastrophal selbst bei aller Schönfärberei. Fazit: Wer hat die Dame für ihren Artikel bezahlt?

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