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Homo oeconomicus Ein Mindestlohn von zwölf Euro würde Produktivität und Wachstum erhöhen

Die Lohnuntergrenze hat bisher mehr positive als negative Wirkungen gezeigt. Forschungsergebnisse legen nahe, dass das auch bei einer deutlichen Erhöhung der Fall wäre.
13.01.2021 - 09:36 Uhr Kommentieren
Tom Krebs ist Professor für Makroökonomie an der Universität Mannheim. Quelle: Alex Kraus/Kapix
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Tom Krebs ist Professor für Makroökonomie an der Universität Mannheim.

(Foto: Alex Kraus/Kapix)

Was ist ein gerechter Lohn? Diese alte Frage hat in der Coronakrise wieder an Brisanz gewonnen. Denn es ist in den Augen vieler Menschen nicht gerecht, wenn die Verkäuferin im Supermarkt und die Reinigungskraft im Krankenhaus zwar systemrelevant sind, ihr Lohn jedoch kaum zum Leben reicht.

Eine Anhebung des Mindestlohns von aktuell 9,50 Euro auf zwölf Euro wäre ein wichtiges politisches Signal dafür, dass jede Erwerbsarbeit ein Mindestmaß an gesellschaftlicher Wertschätzung verdient. Deshalb ist die Frage eines angemessenen Mindestlohns auch eine Frage des Respekts und der Gerechtigkeit.

Häufig ist aus Ökonomenkreisen das Argument zu hören, dass ein Mindestlohn Arbeitsplätze kostet und Arbeitslosigkeit erzeugt. Dieser Einwand greift jedoch aus zwei Gründen zu kurz. Erstens ist der Gesamteffekt des Mindestlohns auf die Arbeitslosigkeit theoretisch nicht eindeutig bestimmt.

Einerseits führt eine Anhebung des Mindestlohns zu einem Rückgang der Arbeitsnachfrage der Unternehmen im Niedriglohnbereich, weil einige Jobs durch den Mindestlohn unprofitabel werden. Andererseits wird das Arbeitsangebot der Erwerbspersonen gesteigert, denn ein höherer Lohn steigert die Motivation der Erwerbstätigen und den Suchanreiz der Arbeitslosen.

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    Die empirische Evidenz zeigt, dass die Einführung des Mindestlohns von 8,50 Euro im Jahr 2015 keinen signifikanten Effekt auf die Arbeitslosigkeit gehabt hat. Darüber hinaus hat der Mindestlohn die gesamtwirtschaftliche Produktion erhöht, indem er die Beschäftigung verlagert hat – weg von weniger produktiven Arbeitsplätzen, hin zu solchen mit höherer Produktivität.

    Niemand kann mit Sicherheit die Folgen eines Mindestlohns von zwölf Euro vorhersagen

    Die sogenannte „Produktivitätspeitsche“ hat gewirkt. Die Einführung des Mindestlohns im Jahr 2015 war also ein ökonomischer Erfolg. Natürlich kann die Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro nicht gleichgesetzt werden mit der Einführung auf dem niedrigen Niveau von 8,50 Euro.

    Doch aktuelle Forschungsergebnisse legen nahe, dass ein Mindestlohn von zwölf Euro einen vernachlässigbar kleinen Effekt auf die Arbeitslosigkeit und einen starken, positiven Effekt auf Produktivität und Wachstum haben würde. In diesem Sinne ist ein Mindestlohn von zwölf Euro ökonomisch sinnvoll.

    Die aktuelle Forschung hat zudem die Hypothese bestätigt, dass der Arbeitsmarkt eine gewisse Zeit zur Anpassung braucht. Dies spricht für eine schrittweise Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro. Die bereits geplante Erhöhung auf 10,45 Euro könnte zeitlich vorgezogen werden und dann in zwei weiteren Schritten die Anhebung auf zwölf Euro erfolgen.

    Dies alles sind keine unumstößlichen Wahrheiten. Niemand kann mit Sicherheit die Folgen eines Mindestlohns von zwölf Euro vorhersagen, so wie auch niemand die Auswirkungen eines Lockdowns auf die Anzahl der Neuinfektionen exakt vorhersagen kann.

    Trotzdem muss die Politik Entscheidungen treffen, und das Nichtstun ist auch eine Entscheidung. Bleibt zu hoffen, dass beim Mindestlohn die ökonomische Vernunft und der Respekt vor dem Wert der Arbeit letztlich siegen werden.

    Mehr: Heil kündigt Vorschläge für schnellere Anhebung des Mindestlohns an.

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