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Homo oeconomicus Ein unbegrenzter Verlustrücktrag brächte mehr Investitionen

Wenn der Staat in guten Zeiten unbegrenzt von den Gewinnen partizipiert, gibt es für die begrenzte Verlustbeteiligung keine Rechtfertigung. Die Unternehmen brauchen das Geld.
17.08.2020 - 10:00 Uhr Kommentieren
Coronakrise: Ökonomen streiten sich weniger als Virologen Quelle: SVR
Der Autor

Peter Bofinger ist Ökonomieprofessor an der Universität Würzburg und war Mitglied des Sachverständigenrats.

(Foto: SVR)

Die Coronakrise bringt immer mehr größere und große Unternehmen an ihre finanziellen Grenzen. Als Hilfe stehen bisher Mittel aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) zur Verfügung. Bei Liquiditätsproblemen können diese in Form von Krediten gewährt werden, bei Solvenzproblemen in  Form von staatlichen Beteiligungen.

Wie das Beispiel der Lufthansa gezeigt hat, ist der Staatseinstieg bei privaten Unternehmen nicht unproblematisch. Benötigt werden deshalb Formen der Rekapitalisierung, die ordnungspolitisch weniger bedenklich sind.

Eine einfache und schnelle Hilfe ist der Verlustrücktrag, er ermöglicht es Unternehmen, Verluste mit Gewinnen aus dem Vorjahr zu verrechnen. Mit dem Corona-Steuerhilfegesetz hat die Bundesregierung diese Möglichkeit ausgeweitet. Der steuerliche Verlustrücktrag wurde für 2020 und 2021 auf maximal fünf Millionen Euro (zehn Millionen Euro bei Zusammenveranlagung) erweitert.

Als nächster Schritt sollte diese Obergrenze gestrichen werden, um auch größeren und großen Unternehmen diese Unterstützung zu gewähren. Aus ordnungspolitischer Sicht spricht wenig dagegen.

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    Wenn der Staat in guten Jahren unbegrenzt an den Unternehmensgewinnen partizipiert, gibt es keinen Grund, warum er sich in schlechten Jahren nur begrenzt an den Verlusten beteiligt. Aus dieser Logik heraus ließe sich auch ein Verlustrücktrag über einen längeren Zeitraum als ein Jahr rechtfertigen, wie das in Deutschland bis 1999 praktiziert wurde.

    In den Vereinigten Staaten ist durch den 2020 CARES Act ein Rücktrag auf bis zu fünf Jahre möglich, im Vereinigten Königreich sind es 36 Monate. Gegen allzu lange Fristen spricht allerdings, dass damit Unternehmen am Leben gehalten werden, die kein erfolgreiches Geschäftsmodell mehr aufweisen.

    Stärkung der Investitionstätigkeit

    Mit dieser Lösung wird nicht allen Unternehmen die Inanspruchnahme des Wirtschaftsstabilisierungsfonds erspart werden können. Sie bedeutet auch weitere finanzielle Belastungen für den Fiskus. Dafür vermeidet sie die komplexen Probleme, die sich bei einer wachsenden Zahl von Staatsbeteiligungen an Unternehmen stellen würden.

    Mit einem unbegrenzten Verlustrücktrag könnte man zudem einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Investitionstätigkeit leisten, die derzeit immer mehr unter Druck zu geraten droht.

    Mit der Wiedereinführung der degressiven Afa hat die Bundesregierung bereits einen wichtigen Schritt getan: In Anbetracht der enormen technologischen Transformationsaufgabe, die sich derzeit der deutschen Industrie stellt, wäre jedoch zu prüfen, ob für bestimmte Investitionen nicht sogar eine Sofortabschreibung ermöglicht werden sollte. Bei einer derzeitigen Rendite für zehnjährige Bundesanleihen von minus 0,5 Prozent wäre diese Lösung im Vergleich zu einer Abschreibung über zehn Jahre sogar noch gewinnbringend.

    Der Corona-Schock hat Deutschland in einer für seine Industrie ohnehin kritischen Phase getroffen. Es wäre fatal, wenn akute Finanzprobleme die Investitionen verhinderten, die zur  Bewältigung des Strukturwandels nötig sind.  

    Mehr: Der Geier kreist: Warum vielen deutschen Unternehmen die Pleite droht.

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