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Homo oeconomicus „Footfall“: Wie soziale Medien Protestbewegungen beeinflussen

Erfolgreiches Marketing auf Sozialen Medien kann großen Einfluss auf den Zulauf einer Demonstration haben. Doch lassen sich Bürger dadurch einfach manipulieren?
02.10.2020 - 15:28 Uhr Kommentieren
Vorständin des Instituts für Wirtschaftsinformatik & Gesellschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien Quelle: Spiekermann / David Payr
Sarah Spiekermann

Vorständin des Instituts für Wirtschaftsinformatik & Gesellschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien

(Foto: Spiekermann / David Payr )

Im Jahr 2011 mischten die sozialen Medien erstmals bei einem Regimesturz mit. Alle dachten, dass es die politisch engagierten Facebook-Nutzer wären, die sich in Ägypten untereinander koordinierten und motivierten, für eine bessere Welt auf die Straße zu gehen. Man erkannte damals noch nicht, dass soziale Medien von politischen Kräften manipuliert und im Hintergrund gesteuert werden; mehr denke ich, als von ehrlichen Nutzern selbst.

Selbst von den Betreibern der sozialen Netzwerke wurde verdrängt, dass Informationen über Hunderte Millionen Fake Accounts automatisch ‚geboostet‘ werden können. Im Mai 2019 löschte Facebook über zwei Milliarden von diesen Accounts.

Fake Accounts, die ohne anständige Authentifizierung der Nutzer ständig weiter aus dem Boden sprießen, erlauben nicht nur Fake News zu versenden, sondern auch Einladungen zu öffentlichen Protesten. Ist das der Grund, warum Demonstrationen, die früher 500 Teilnehmer hatten, heute von 50.000 besucht werden? Fake News und Fake Accounts sind nur ein Teil des größeren Problems politischer Mobilmachung online. Auch Werbung erscheint im Sichtfeld der Nutzer.

Die Nutzer erhalten Nachrichten, die von jedem zahlenden Kunden online automatisch ersteigert und platziert werden können; inklusive eines individuellen Targeting, welches die Psychosozialprofile derer heraussucht, die eine Nachricht sehen sollen.

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    Gesteuerte „Footfalls“?

    Ich denke, das Ausmaß dieses Targeting wird unterschätzt: Die Zahlen, die der Wiener Aktivist Wolfie Christl in seinem Bericht über den Überwachungskapitalismus präsentiert, deuten darauf hin, dass jeder normale Mensch der westlichen Welt heute mit Zehntausenden von Datenpunkten durchanalysiert wird. Dadurch sollen die Informationen, die man ihm oder ihr online oder am Smartphone anzeigt, mehr Aufmerksamkeit bekommen.

    Vor diesem Hintergrund frage ich mich: Mit was haben wir es eigentlich zu tun, wenn wir Megaproteste auf unseren Straßen sehen: mit einer tief greifenden politischen Transformation? Einer neuen Generation kritischer Bürger? Oder mit dem, was das Marketing „Footfall“ nennt?

    „Footfall“ ist definiert als die Anzahl der Personen, die nach dem Empfang einer Werbenachricht, die gewünschte Handlung ausführen. Zum Beispiel eine Packung Persil kaufen. Footfall kann aber auch bedeuten, dass man auf eine Demo geht.

    Man mag mehr oder weniger sympathisieren mit Greta Thunberg, den Gelbwesten, der Black-Lives-Matter-Bewegung, Trump, Brexit, Coronapolitik, etc. Die Liste ist lang und für manche bin ich dankbar; für andere weniger. Aber, egal was das Objekt der Proteste ist: Die Frage, die ich mir stelle ist, ob all die protestierenden Bürger tatsächlich den genuinen, selbstbestimmten Wunsch haben, sich öffentlich zu äußern oder ob sie letztlich unwissentlich nichts anderes mehr sind als gesteuerter „Footfall“?

    Mehr: Das soziale Netzwerk kämpft mit mehr problematischen Inhalten und weniger Personal, um diese zu löschen. Facebook-Chef Zuckerberg setzt deshalb auf KI – aber nicht nur.

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