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Homo oeconomicus Gabriel Felbermayr: Freihandel braucht kein ebenes Spielfeld

Die Forderung der EU-Kommission, ein Freihandelsabkommen mit Großbritannien von Mindeststandards in der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik abhängig zu machen, ist verfehlt.
02.11.2020 - 09:10 Uhr 1 Kommentar
Felbermayr ist Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft.
Gabriel Felbermayr

Felbermayr ist Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft.

Nur wenn der Handel zwischen der EU und ihren Partnerländern auf einem „ebenen Spielfeld“ erfolge, sei Freihandel „fair“. So lautet ein populäres Mantra. Die Analogie aus dem Sport mag intuitiv sein, hilfreich ist sie aber nicht immer.

In den Brexit-Verhandlungen beharrt die EU-Kommission auf dem „level playing field“ und harten Durchsetzungsrechten des EuGH. Die Briten halten dies für übergriffig und sehen die angestrebte Selbstbestimmung gefährdet. An dem Dissens scheitert möglicherweise selbst ein dünnes Freihandelsabkommen.

Aber ist freier Handel wirklich nur dann erstrebenswert, wenn die handeltreibenden Länder wenigstens äquivalente Regeln in der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik, im Steuerrecht, im Umweltbereich, bei Subventionen oder Standards haben?

Nein! Unterschiedliche Institutionen gehören wie die Qualität und Quantität der verfügbaren Produktionsfaktoren oder die technologischen Möglichkeiten zu den Bestimmungsfaktoren der komparativen Vorteile der Länder.

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    Wenn etwa die Bevölkerung eines Landes besonders risikoavers ist und daher einen strengen Kündigungsschutz auf dem Arbeitsmarkt hat, dann ist es sinnvoll, dass sich das Land auf die Produktion von Gütern spezialisiert, deren Nachfrage über den Konjunkturverlauf wenig schwankt, und die weniger risikoaversen Handelspartner die Güter mit der schwankenden Nachfrage herstellen.

    So stellen sich beide Länder besser, als wenn sie beide Güterkategorien selbst herstellten. Und die wirtschaftlichen Vorteile sind umso größer, je höher das potenzielle Handelsvolumen ist. Gerade weil England groß und nahe ist, ist ein Einebnen der institutionellen Rahmenbedingungen wenig sinnvoll.

    Die EU beharrt gerne, vor allem gegenüber den USA, auf dem Recht auf Selbstregulierung. Gegenüber kleineren Partnern ist das Denken hingegen alt-französisch merkantilistisch.

    Die Agenda 2010 als Paradebeispiel

    Wenn die eigenen Institutionen ineffizient sind und hohe Jugendarbeitslosigkeit hervorbringen, dann sollen die Handelspartner gefälligst ebenso schlechte Bedingungen haben. Ein Rezept für die gemeinsame Verarmung des Kontinents.

    Gerade Deutschland bietet Anschauungsmaterial gegen diese These. Als in den frühen 2000er-Jahren die Agenda 2010 umgesetzt wurde und als Folge die deutschen Löhne stagnierten, erhoben europäische Handelspartner den Vorwurf des Sozialdumpings. Die Forschung zeigt aber: Die Halbierung der deutschen Arbeitslosigkeit hat durch höhere Einkommen den Handelspartnern genutzt, nicht geschadet.

    Es gibt Ausnahmen von dieser Logik, etwa wenn globale Externalitäten vorliegen. Das ist beim Klimaschutz der Fall. Auch der Gefahr von Subventionswettläufen muss man begegnen. Nur: In beiden Fällen ist gerade das Vereinigte Königreich unverdächtig.

    Kein Land hat seit 1990 einen schnelleren Rückgang der CO2-Emissionen hingelegt. Und keine Hauptstadt der EU hat seit 2000 weniger auf Subventionen gesetzt als London, mit Ausnahme Luxemburgs. Das jedenfalls besagen die Statistiken der EU-Kommission.

    Mehr: Auch bei der grünen Transformation sollten wir unsere rasche Anpassungsfähigkeit beweisen.

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    1 Kommentar zu "Homo oeconomicus : Gabriel Felbermayr: Freihandel braucht kein ebenes Spielfeld"

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    • Eine hübsche Mischung von überholten Glaubenssätzen und einem Plädoyer für ein race to the bottom.

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