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Homo oeconomicus Gerd Bosbach: Der Fachkräftemangel in der Pflege ist selbst verschuldet

Der Fachkräftemangel in der Pflege ist nur einer von vielen, die seit Jahrzehnten beklagt werden. Es müssen endlich die richtigen Konsequenzen gezogen werden.
19.01.2021 - 16:21 Uhr Kommentieren
Der Autor ist emeritierter Professor für Statistik und empirische Wirtschafts- und Sozialforschung an der Hochschule Koblenz.
Gerd Bosbach

Der Autor ist emeritierter Professor für Statistik und empirische Wirtschafts- und Sozialforschung an der Hochschule Koblenz.

Fachkräftemangel ist immer. Mal fehlt der Nachwuchs im naturwissenschaftlich-technischen Bereich, mal bei Lehrern, mal bei Handwerkern. Momentan stehen die Pflegenden im Fokus. Schon im Mai 2011 hat die Bundesagentur für Arbeit einen Mangel von 6,5 Millionen Fachkräften für 2025 „errechnet“.

Der VDI kam ein Jahr zuvor auf 61.000 unbesetzte Ingenieurstellen. Und so ging es das ganze letzte Jahrzehnt. Meist wurde die Demografie, hier speziell zu wenige Jugendliche, als Grund angegeben. Aber stimmt das wirklich?

Im Oktober 2018 begann der Bericht der Bundesagentur für Arbeit zur Ausbildungsmarktbilanz mit dem Satz: „Erstmals nach 1994 war die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen höher als die Zahl der gemeldeten Bewerber.“ Das Bundesinstitut für Berufsbildung nannte als Beispiel das Jahr 2007 mit 218.000 Bewerbern mehr als Stellen.

Ausgebildet wären diese nicht Versorgten heute 30-jährige Fachkräfte. Die Fehler der Vergangenheit rächen sich lange. Deshalb müssen wir jetzt aufpassen, dass die heutigen Jugendlichen nicht zur unausgebildeten Generation Corona werden.

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    Auch der Mangel an akademischen Fachkräften mit naturwissenschaftlich-technischer Ausrichtung liegt angesichts der seit 2008 jährlich neuen Rekordmeldungen zur Anzahl der Studierenden sicherlich nicht daran, dass demografiebedingt zu wenige Jugendliche da sind. Da muss anderes schiefgegangen sein, ebenso wie in der Pflege, auf die wir näher schauen wollen.

    Hier ist immerhin positiv zu vermerken, dass es immer noch sehr viele junge Menschen gibt, die bereit sind diesen schweren und schlecht bezahlten Beruf – meist im Schichtdienst, inklusive Wochenende – zu erlernen. 2019 gab es gut 70.000 Auszubildende im ersten Lehrjahr, mehr als in den Vorjahren.

    Hohe Teilzeitquote in der Pflege

    Die neue Ausrichtung auf den Einsatz in allen Pflegebereichen kommt an, die endlich bundesweit realisierte Abschaffung des Schulgelds ermöglicht eine Ausbildung ohne Finanzierung durch Eltern oder Kredit. Dem müsste jetzt ein guter Arbeitsplatz folgen.

    Aber die immer noch schlechte Bezahlung, Pflege im Minutentakt und Dokumentationspflichten vergällen vielen den angestrebten Beruf am Menschen. Umschulung, Studium oder Teilzeit sind spürbare Folgen. Die Teilzeitquote ist in der Pflege mit über 50 Prozent extrem hoch. Wegen der hohen Belastung sind nur wenige zur Rückkehr in Vollzeit bereit.

    Schon 2010 stellte der damalige Gesundheitsminister Philipp Rösler die Probleme fest, fand aber wegen der gewünschten Privatisierung und Kommerzialisierung keine praktische Lösung. Corona hat das Problem weiter verschärft, eine konsequente Lösung ist überfällig. An der Bezahlung und der Hilfe bei der Dokumentation könnte man direkt ansetzen.

    Diese Hinweise sollen Fehler aus der Vergangenheit und Missstände in der Gegenwart aufzeigen, damit im Jahr 2040 nicht wieder der Sündenbock Demografie benutzt wird, um die Versäumnisse der heutigen Bildungs- und Gesundheitspolitik zu vertuschen.

    Mehr: Der Fachkräftemangel wird zum Wachstumshemmnis Nummer eins

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