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Homo oeconomicus Grundsatzkonflikt? Die Ökonomen sind sich einiger als die Virologen

Warum der Streit der Ökonomen um das Thema Staatshilfen eher produktiv als verbittert ist – und weshalb sich Peter Bofinger selbst nicht als Neokeynesianer bezeichnen würde.
15.09.2020 - 10:43 Uhr Kommentieren
Coronakrise: Ökonomen streiten sich weniger als Virologen Quelle: SVR
Der Autor

Peter Bofinger ist Ökonomieprofessor an der Universität Würzburg und war Mitglied des Sachverständigenrats.

(Foto: SVR)

Eine Eskalation im Streit der Volkswirte vermeldete das Handelsblatt vergangene Woche. Der Grundsatzkonflikt tobe „heftig wie nie“. Dieser Befund überrascht, wurde doch im März ein Rettungsprogramm von Ökonomen und einer Ökonomin präsentiert, die das Handelsblatt in der aktuellen Übersicht ganz unterschiedlichen Denkschulen zurechnet.

Von den 17 darin Genannten gab es bisher keine Kritik am Aussetzen der Schuldenbremse und der Höhe des Staatsdefizits. Mit Ausnahme von Hans-Werner Sinn war auch kein negatives Wort zur Krisenpolitik der EZB zu hören.

Bei den seit Krisenbeginn regelmäßig stattfindenden Videokonferenzen des Bundesfinanzministeriums ist von einem tobenden Ökonomenstreit nichts zu bemerken. Die Diskussionen sind sachlich und faktenbezogen. Das schließt nicht aus, dass es unterschiedliche Einschätzungen gibt, beispielsweise über die Dauer der Kurzarbeit.

Der Ökonomenkonsens betrifft nicht nur den Umgang mit Corona. Bei der Klimapolitik sind sich fast alle einig, dass eine Bepreisung von CO2 durch eine Steuer oder durch CO2-Zertifikate die beste Lösung darstellt.

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    Früher ging es da ganz anders zu. In den 1990er-Jahren stritt man sich in Manifesten um das Für und Wider des Euros, in den 2000er-Jahren um Lohnmoderation und „Agenda 2010“, im Jahr 2012 um die europäische Bankenunion.

    Diskussionen gehören dazu

    Natürlich gibt es auch heute unterschiedliche Einschätzungen. Aber wird man diesen mit den Etiketten „Ordoliberale“, „Liberale“, „Neokeynesianer“ und „Keynesianer“ gerecht, wie sie das Handelsblatt nun verteilt hat?

    Grafik

    Kritik am Verschuldungsverbot der Schuldenbremse gilt heute als klares Indiz für Keynesianismus. Doch schon die Reichshaushaltsordnung von 1922 erlaubte es dem Staat, sich für Investitionen zu verschulden. Da wusste selbst Keynes noch nichts vom Keynesianismus.

    Versteht man unter Keynesianismus, dass staatliche Stabilisierungspolitik erforderlich ist, wenn der Markt Krisen nicht von sich aus bewältigen kann, so wird man unter den als „liberal“ und „ordoliberal“ etikettierten Ökonomen keinen finden, der das anders sehen würde.

    Irreführend ist der Begriff „Neokeynesianismus“, mit dem ich belegt wurde. Das ist keine moderate Version von Keynesianismus, sondern eine auf klassischer Ökonomie basierende Theorierichtung. Sie ist mit den Ideen von Keynes so unvereinbar, dass er die Verwendung seines Namens dafür juristisch untersagen würde, wenn er noch lebte.

    Im Kern geht es immer um die Frage, wie man die Steuerungsfunktion des Marktes und die Lenkungsmöglichkeiten der Politik einschätzt. Das zeigt die Diskussion über Industriepolitik.

    Gelingt es dem Markt, die Zukunftstechnologien zu entwickeln, die unseren Wohlstand sichern? Oder ist eine technologiespezifische Förderung nötig, etwa eine Wasserstoffstrategie? Dass Ökonomen hierüber intensiv diskutieren, ist normal.

    Anders als die Virologie hat sich die Ökonomie in der Coronakrise bisher gut präsentiert. Die Politik hat deshalb auch ihre Vorschläge weitgehend übernommen. Es scheint gewirkt zu haben.

    Mehr: Schlagabtauisch der Spitzenökonomen – Wirtschaftsweiser Feld attackiert DIW-Chef Fratzscher

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