Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Homo oeconomicus Industrieländer sollten den Entwicklungsländern in der drohenden Schuldenkrise helfen

Konjunkturpakete sind keine Option für Länder mit niedrigem Einkommen. Sie brauchen die Unterstützung von internationalen Organisationen und entwickelten Ländern.
08.07.2020 - 09:14 Uhr Kommentieren
Stephanie Blankenburg ist Leiterin der Abteilung Entwicklungsfinanzierung bei der Handels- und Entwicklungskonferenz der Uno (Unctad). Quelle: Privat
Stephanie Blankenburg

Stephanie Blankenburg ist Leiterin der Abteilung Entwicklungsfinanzierung bei der Handels- und Entwicklungskonferenz der Uno (Unctad).

(Foto: Privat)

Seit Beginn der Covid-19-Krise hat sich die Verschuldungslage der Entwicklungsländer dramatisch verschlechtert. Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) waren von 69 Ländern mit den niedrigsten Einkommen im April 2020 mehr als die Hälfte in akuter Schuldennot oder in hoher Gefahr einer solchen Notlage.

Zudem befindet sich eine wachsende Zahl von Entwicklungsländern mit mittleren und höheren Einkommen bereits in einer Schuldenkrise oder ist untragbaren Auslandsschulden ausgesetzt. Beispielsweise Exporteure von Primärrohstoffen, die von sinkenden Rohstoffpreisen betroffen sind, oder kleine Volkswirtschaften, die von ihrer Tourismusindustrie abhängen und in vielen Fällen auch Opfer regelmäßiger Naturkatastrophen sind.

Als Reaktion auf die Covid-19-Krise haben die Regierungen der Industriestaaten fiskalische Stabilisierungspakete in Milliardenhöhe zusammengestellt. Dies ist jedoch keine Option für Entwicklungsländer: In Krisenzeiten können ihre Zentralbanken nicht im selben Maß wie die Industriestaaten als Kreditgeber der letzten Instanz für ihre Regierungen in ihren Landeswährungen fungieren, da sie von den harten Währungen der Industriestaaten abhängen, um Importe zu bezahlen und Auslandsschuldenverpflichtungen zu bedienen.

Wenn, wie im Fall der Covid-19-Krise, die Möglichkeit der Entwicklungsländer, sich diese Devisen zu verdienen, stark reduziert ist durch enorme und gleichzeitige Rückgänge im Außenhandel, den Auslandsinvestitionen und den kurzfristigen Kapitalzuflüssen, ist der einzige Ausweg eine Liquiditätsunterstützung in harten Währungen vonseiten internationaler Organisationen und entwickelter Länder.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Ohne diese Unterstützung besteht die reale Aussicht auf reihenweise Staatsbankrotte in den Entwicklungsländern. Die vielfältigen Wirtschafts- und politischen Krisen, die dadurch ausgelöst würden, machen in einer hochvernetzten Weltwirtschaft so wenig an der Tür der Entwicklungsländer halt wie ein Virus.

    Verantwortung für die „Rettung“ der Entwicklungsländer nicht ignorieren

    Es ist richtig, dass viele Entwicklungsländer bereits vor der Covid-19-Krise hochverschuldet waren. Dafür gibt es viele Gründe, aber ein Hauptgrund ist, dass diese Länder ihre Auslandsgeschäfte vermehrt durch spekulative Hochrisikoinstrumente in den Kapitalmärkten refinanzieren mussten, anstatt auf kostengünstigere Entwicklungsfinanzierung durch öffentliche Gläubiger zurückgreifen zu können.

    Es ist ebenfalls verständlich, dass die Regierungen der Industriestaaten ihren eigenen Volkswirtschaften den Vorrang geben. Es wäre jedoch kurzsichtig, die Verantwortung für die „Rettung“ der Entwicklungsländer in Zeiten einer globalen Krise einfach zu ignorieren, zumal die Liquiditätsbedürfnisse dieser Länder sich durchaus auf internationalem Niveau finanzieren lassen, ohne die Wachstumsaussichten der Industriestaaten (oder selbst die Taschen ihrer Steuerzahler) zu belasten.

    Im Gegenteil: Je schneller den Entwicklungsländern in dieser Krise geholfen wird, desto schneller wird sich auch die Weltwirtschaft erholen (und desto weniger müssen Steuerzahler herhalten).

    Mehr: Dass die globale Wirtschaft nach neuen Prognosen um 5,2 Prozent in diesem Jahr einbricht, trifft auch die armen Länder.

    Startseite
    Mehr zu: Homo oeconomicus - Industrieländer sollten den Entwicklungsländern in der drohenden Schuldenkrise helfen
    0 Kommentare zu "Homo oeconomicus: Industrieländer sollten den Entwicklungsländern in der drohenden Schuldenkrise helfen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%