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Homo oeconomicus Jens Südekum: Deutschland darf nicht nur auf der Biden-Welle reiten

Neue Ausgabenschwerpunkte unter dem neuen US-Präsidenten Biden machen Hoffnung auf einen Wirtschaftsaufschwung. Sie bedrohen aber auch die deutsche Industrieführerschaft.
20.01.2021 - 17:07 Uhr Kommentieren
Der Autor ist Professor für Internationale Volkswirtschaftslehre an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Quelle: imago images/Jürgen Heinrich
Jens Südekum

Der Autor ist Professor für Internationale Volkswirtschaftslehre an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

(Foto: imago images/Jürgen Heinrich)

Der Spuk ist vorbei. Donald Trump hat Washington verlassen, und der neue US-Präsident Joe Biden ist im Amt. Was wird sich in der Fiskalpolitik nun ändern? Bei den Volumina der Haushaltsdefizite wohl erst einmal nichts.

Der sehr expansive Kurs dürfte weitergehen. Hierfür stehen die neue Finanzministerin Janet Yellen und vor allem Bernie Sanders, der künftige Vorsitzende der mächtigen Haushaltskommission des Senats. Das viele Geld dürfte künftig aber anders ausgegeben werden: nicht mehr für Steuersenkungen für Reiche wie unter Trump, sondern für Infrastruktur, Klimaschutz und Sozialprogramme.

Auch deshalb dürfte die US-Konjunktur nach Ende der Pandemie erheblich anziehen – so antizipieren es jedenfalls die Aktienmärkte. Sie sehen die goldenen Zwanzigerjahre kommen, in denen sich all die aufgestauten Konsumwünsche aus der Corona-Zeit entladen.

Die Frage wird sein, welche Rolle Deutschland bei dieser Party spielt. Traditionell war das die des Trittbrettfahrers. Deutsche Unternehmen hielten sich durch rege Exporttätigkeit an der Auslandskonjunktur schadlos. Zu Hause predigte man dagegen Sparsamkeit und Lohnzurückhaltung. So war es Anfang der 2000er-Jahre, als China seine Märkte öffnete. So könnte es jetzt wieder passieren.

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    Genau darin liegen aber Gefahren: Verwechselt man einen Nachfrageschub mit unternehmerischer Leistung, dann verpasst man möglicherweise kritische Weichenstellungen zur Transformation der eigenen Geschäftsmodelle. Wozu die Autos der Zukunft entwickeln, wenn es doch auch so geht und man seine alten Cash-Kühe überallhin exportieren kann? Langfristig kann sich das rächen.

    Noch ist Europa führend in vielen Industriebranche

    Außerdem wird Biden kaum bereit sein, die USA noch länger in ihrer Rolle als „Konsument der letzten Instanz“ zu belassen, der riesige Handelsbilanzdefizite über Auslandsverschuldung finanziert. Er wird Europa und insbesondere Deutschland unter Druck setzen, selber mehr für die globale Nachfrage zu tun – im militärischen Bereich über die Nato-Quote, aber nicht nur dort.

    Er wird auch generell mehr Importe und den Abbau des notorischen Leistungsbilanzüberschusses fordern, der sich von Corona bislang unbeeindruckt gezeigt hat. Inhaltlich liegt das nah an der Position Donald Trumps, bloß der öffentliche Tonfall dürfte freundlicher werden.

    Wir sollten versuchen, nicht nur im Windschatten eines Biden-Booms zu surfen, sondern durch Investitionen eigene Akzente zu setzen. Noch ist Europa führend in vielen Industriebranchen, nicht zuletzt in der Umwelttechnologie. Wenn Amerika jetzt – befeuert durch staatliches Geld – sein grünes Herz wiederentdeckt, muss das nicht so bleiben. China schielt sowieso seit Langem auf diese Zukunftstechnologien. Hierauf braucht Europa eine strategische Antwort.

    Noch wird darüber gestritten, wann und wofür das Geld des EU-Wiederaufbaufonds ausgegeben werden soll. Dabei müssen wir schon jetzt an den nächsten Schritt denken: die längerfristige Finanzierung einer europäischen Industriepolitik, im partnerschaftlichen Wettbewerb mit der Agenda des neuen US-Präsidenten.

    Mehr: Jens Südekum – Was Corona für Großstädte bedeutet.

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