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Homo oeconomicus Kinder sind auch Menschen – und sollten es auch für Ökonomen sein

Um die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen, müssen Kinder stärker wahrgenommen werden. Auch Ökonomen sollten das erkennen, meint Ina Praetorius.
15.04.2021 - 15:20 Uhr Kommentieren
Mit einem Kind-zentrierten Weltbild würde klar werden, dass Menschen nicht von Natur aus Geld besitzen, und dass sie vor allem am Anfang rundum versorgt, gefördert, geschützt, begleitet werden müssen. Quelle: dpa
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Mit einem Kind-zentrierten Weltbild würde klar werden, dass Menschen nicht von Natur aus Geld besitzen, und dass sie vor allem am Anfang rundum versorgt, gefördert, geschützt, begleitet werden müssen.

(Foto: dpa)

Im Jahr 1992 habe ich in Heidelberg zur Frage promoviert, wen Theologen meinen, wenn sie „der Mensch“ sagen, was sie häufig tun. Ich habe dafür neun Lehrbücher der deutschsprachigen protestantischen Ethik untersucht, die in den Jahren 1953 bis 1988 erschienen sind, dazu das „Handbuch der christlichen Ethik“ und die Jahrgänge 1981 bis 1990 der „Zeitschrift für Evangelische Ethik“.

Das Ergebnis: „Der Mensch“ der deutschsprachigen Theologie war mindestens bis 1990 ein weißer Familienvater mittleren Alters. Frauen erscheinen als natürlicherweise auf Mann und Kind bezogene Untergattung, der Rest der Menschheit – Kinder, Alte, Leute nichtweißer Hautfarbe und nichtchristlicher Zugehörigkeit etc. – erscheint als „die anderen“, nicht selten als „die Schwachen“.

Wen meinen Ökonominnen und Ökonomen, wenn sie „der Mensch“ sagen? Das mögen andere erforschen. Sicher scheint mir: Auch sie meinen keine Säuglinge. Denn befänden sich die menschlichen Neulinge in ihrem Blickfeld, gar in dessen Zentrum, würden sie erkennen, dass „der Mensch“ abhängig von der Zuwendung anderer ist.

Mit einem Kind-zentrierten Weltbild würden Theologinnen wie Ökonomen und alle anderen begreifen, dass Menschen nicht von Natur aus Geld besitzen und dass sie vor allem am Anfang rundum versorgt, gefördert, geschützt, begleitet werden müssen. Nur so werden sie dann nämlich, wenn alles gut geht, für ein paar Jahrzehnte als homines oeconomici, als Fachkräfte und artige Konsumenten und Konsumentinnen auf der Matte stehen.

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    Die Menschheit hat sich in langen Kämpfen für allgemeine und gleiche Menschenrechte entschieden. Deshalb gilt für uns Heutige, was in der Antike und im Mittelalter noch nicht Konsens war: Säuglinge sind ohne jeden Zweifel Menschen, genau wie weiße bürgerliche Familienväter. Außerdem sind sie, anders als wir Boomerinnen und Boomer, der Anfang der Zukunft der Menschheit.

    Ina Praetorius ist evangelische Theologin und Autorin von „Wirtschaft ist Care“. Quelle: Katja Nideröst
    Ina Praetorius

    Ina Praetorius ist evangelische Theologin und Autorin von „Wirtschaft ist Care“.

    (Foto: Katja Nideröst)

    Das Baby statt den wohlsituierten Bürger theoretisch und praktisch in die Mitte zu nehmen hilft nicht nur, den größten Wirtschaftssektor der un- und unterbezahlten Care-Arbeit ins Zentrum allen Wirtschaftens zu rücken.

    Es öffnet auch Sinne und Verstand für die Herausforderungen der Zukunft: Wer sich wünscht, dass die Menschheit trotz Klimawandel weiter besteht, muss wissen, dass „der Mensch“ abhängig ist, nicht nur von Mitmenschen, sondern auch von Wasser, Erde, Luft, Pflanzen und Tieren und allem, was sie hervorbringen.

    Der Begriff Natur leitet sich vom lateinischen Verb nasci ab. Nasci heißt geboren werden. Natur ist nicht die „Umwelt“, die „der Mensch“ kontrollieren kann, noch nicht einmal, wenn er ein weißer Familienvater im sogenannten „besten Alter“ ist. Natur sind wir selber. Alle.

    Mehr: Lesen Sie hier, worauf sich Eltern bei der Änderung des Infektionsschutzgesetzes einstellen müssen.

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