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Homo oeconomicus Lorenz Jarass: Die Energiewende könnte billiger sein

Im Wettbewerb von Varianten der Energieerzeugung werden die unterschiedlich hohen Kosten des Netzausbaus nicht berücksichtigt. Das macht die Energiewende teuer.
09.11.2020 - 08:49 Uhr 1 Kommentar
Lorenz Jarass arbeitet im Bereich erneuerbare Energien und Stromnetze für Regierungen, Netzbetreiber und Kommunen. Seine aktuelle Buchveröffentlichung: „Überdimensionierter Netzausbau behindert die Energiewende“.
Lorenz Jarass

Lorenz Jarass arbeitet im Bereich erneuerbare Energien und Stromnetze für Regierungen, Netzbetreiber und Kommunen. Seine aktuelle Buchveröffentlichung: „Überdimensionierter Netzausbau behindert die Energiewende“.

Aktuell befindet sich eine Novellierung des Bundesbedarfsplangesetzes in der parlamentarischen Abstimmung. Die darin enthaltenen Ausbaumaßnahmen für das Stromübertragungsnetz wurden von den zukünftigen Betreibern vorgeschlagen, gutachterlich geprüft und dann von der Bundesnetzagentur bestätigt.

Allein weil diese Maßnahmen technisch geeignet sind, die errechneten Spitzenleistungen des Transports von Strom aus erneuerbaren Energien weitgehend abzudecken, werden sie per Gesetz als energiewirtschaftlich notwendig deklariert.

Dabei wird verkannt, dass diese Spitzen nur wenige Hundert Stunden im Jahr auftreten sowie ganz überwiegend dem Export und nicht der Versorgung deutscher Stromverbraucher dienen. Dies zeigen Berechnungen des Stromnetzberaters Carsten Siebels, der über 30 Jahre lang Hoch- und Höchstspannungsnetze geplant hat.

Der Neubau einer Vielzahl von Stromleitungen führt zu enormen Beeinträchtigungen von Menschen und Umwelt – und damit zu langen Genehmigungs- und Realisierungszeiten. Zudem steigen die spezifischen Kosten durch verstärkten Zwang zur Verkabelung stark an.

Im Widerspruch zu §1 Energiewirtschaftsgesetz und den Grundregeln der Marktwirtschaft bleiben aber im Netzentwicklungsplan und damit auch im Bundesbedarfsplangesetz die Kosten des Stromnetzausbaus völlig unberücksichtigt. Beispielsweise kostet allein die Netzanbindung von Offshore-Windkraftanlagen über 1000 Euro pro Kilowatt; für dasselbe Geld könnte man dezentrale Photovoltaik-Dachanlagen bauen, die keinen überregionalen Netzausbau erfordern.

Die spezifischen Kosten derjenigen Energie, die durch neue Leitungen zusätzlich übertragbar ist, werden nicht bewertet. Dies führt zu einem weit überdimensionierten Netzausbau, weil so kostengünstige Alternativen keine Marktchance bekommen.

Es braucht marktwirtschaftlichen Prinzipien

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Alternativen zu Netzausbaumaßnahmen. Dazu gehören die produktionsnahe Verwendung von Strom aus erneuerbaren Energien für Power-to-Heat, Power-to-Gas oder ein nach Erfordernissen der Netze optimierter Speichereinsatz.

Die meisten alternativen Möglichkeiten können aber nur dann Netzausbaumaßnahmen und Stromkosten reduzieren, wenn die Aktivitäten der Stromproduzenten, Netzbetreiber, Stromhändler und Stromanwender durch Regelwerke gesteuert werden, die auf marktwirtschaftlichen Prinzipien basieren.

Bleiben bei der Energiewende die Kosten des Netzausbaus weiterhin unberücksichtigt, gibt es keine Anreize, kostengünstigere Alternativen dafür zu nutzen. Die Energiewende lebt vom Wettbewerb, wie der Präsident der Bundesnetzagentur in seinem Handelsblatt-Gastbeitrag vom 29. Oktober 2020 betont hat.

Damit sollte er beim Netzausbau anfangen, indem er zukünftig für die Umsetzung der Energiewende den Netzausbau nicht mehr ohne Beachtung der damit verbundenen Kosten privilegiert, sondern einen Wettbewerb mit alternativen Maßnahmen ermöglicht.

Mehr: Lorenz Jarass: Wie kleine und mittlere Einkommen entlastet werden können

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1 Kommentar zu "Homo oeconomicus: Lorenz Jarass: Die Energiewende könnte billiger sein"

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  • Was nützen dezentrale PV-Anlagen wenn es dunkel ist? Nordseewind bläst auch nachts. Warum die Annahme, Netzverbund sei nur für Spitzen? Power-to-Heat und Power-to-Gas verschwenden Strom und verstärken den CO2-Ausstoß so lange, wie wir noch Fossilstrom im Netz brauchen um die rund-um-die-Uhr Versorgung zu sichern. Wird der Ausbau der Verteilung von offshore-Wind-Leistung behindert, dann wird das mit dem Komplett-Abschalten von Kohlekraftwerken zwar innerhalb der Deutschland-Grenzen was, aber der Kohlestrom kommt dann eben von östlichen Nachbarn. Wirtschafts-Fachhochschul-Professor Jarass scheint mir doch sehr von grünem Wunschdenken geleitet zu sein.

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