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Homo oeconomicus Moritz Schularick: Wir können uns die zusätzlichen Staatsschulden für die Corona-Hilfen leisten

Deutschland rechnet sich arm. Tatsächlich aber ist das Vermögen der Deutschen groß genug, um die Schulden des Staates zu tragen und die Corona-Lasten zu finanzieren.
06.10.2020 - 12:20 Uhr Kommentieren
Moritz Schularick ist Ökonomieprofessor an der Universität Bonn und Direktor des MacroFinance Lab. Quelle: Privat
Der Autor

Moritz Schularick ist Ökonomieprofessor an der Universität Bonn und Direktor des MacroFinance Lab.

(Foto: Privat)

Es vergeht kein Tag, an dem nicht über die Kosten der Corona-Pandemie diskutiert wird. Können wir uns das eigentlich alles leisten? Auch der Ruf nach einem neuen Corona-Lastenausgleich wird lauter, also nach einer Neuauflage jener Vermögensabgabe, die nach dem Zweiten Weltkrieg die Kriegskosten auf viele Schultern verteilte.

Beides wirft die Frage auf: Wie viel Reichtum gibt es in Deutschland? Die Daten dazu sind bisher leider nur grobe Schätzungen und teilweise widersprüchlich, weshalb auch Forschungsinstitute zu unterschiedlichen Aussagen darüber kommen, ob die Vermögensungleichheit zunimmt.

Wir wissen, dass Häuser und Grundstücke, also das deutsche Immobilienvermögen, deutlich gleicher verteilt sind als das Betriebsvermögen. Die Immobilien gehören vor allem der Mittelschicht. Die Unternehmen hingegen gehören fast ausschließlich den reichsten zehn Prozent der Haushalte. Je nachdem, ob die Immobilienpreise schneller steigen als der Wert der Unternehmen, fällt oder steigt die gemessene Vermögensungleichheit.

Doch die Schätzungen, wie viel alle deutschen Immobilien und Unternehmen wert sind, arbeiten mit unterschiedlichen Bewertungsansätzen und mit lückenhaften Daten. Bei einem Dax-Unternehmen kann man die Marktkapitalisierung an der Börse ablesen. Bei einer nicht-börsennotierten GmbH ist das viel schwieriger. Auch bei den Immobilien fehlen oft verlässliche Preisindizes auf regionaler Ebene, um Wertsteigerungen zu erfassen.

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    Eine Studie der Universität Bonn mit dem Titel „Die Verteilung der Vermögen in Deutschland von 1895 bis 2018“ geht deshalb der Entwicklung des deutschen Volksvermögens seit dem 19. Jahrhundert auf den Grund. Das Ergebnis: Deutschland rechnet sich arm.

    Vermögen systematisch unterschätzt

    Zum einen unterschätzt das Statistische Bundesamt das Immobilienvermögen, weil die unterstellten Preise nicht das Marktgeschehen abbilden. So zeigt etwa der Preisindex, den die Bundesbank benutzt, einen doppelt so hohen Anstieg der Immobilienpreise im vergangenen Jahrzehnt. Allein dies führt zu einer Unterschätzung des Immobilienvermögens von etwa zwei Billionen Euro.

    Auch die Betriebsvermögen werden unterschätzt. Wenn man Deutschlands mittelständische Unternehmen nach internationalen Standards bewertet, dann liegt das Betriebsvermögen rund zwei Billionen höher als vom Statistischen Bundesamt ausgewiesen. Rechnet man das Finanzvermögen hinzu und zieht die Schulden der Haushalte ab, beträgt ihr Nettovermögen rund 16 Billionen Euro, das ist etwa das Fünffache des deutschen Bruttoinlandsprodukts.

    Diese Zahlen werfen ein neues Licht auf den vieldiskutierten Anstieg der Staatsverschuldung im Zuge der Corona-Pandemie. Die Staatsschulden, für die wir mit unseren Steuergeldern einstehen, liegen aktuell bei rund 2,2 Billionen Euro. Unser Vermögen liegt bei gut 16 Billionen, also dem Achtfachen.

    Die Antwort ist eindeutig: Wir können uns die zusätzlichen Staatsschulden für die Corona-Hilfen leisten. Es ist genug Vermögen da.

    Mehr: Handelsblatt-Analyse: Wann bin ich reich?"

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