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Homo oeconomicus Reiner Eichenberger: Deutschland könnte in der Coronakrise Opfer seines Erfolgs werden

Durch die Corona-Eindämmungsmaßnahmen gibt es nur einen geringen Anteil Genesener mit einer gewissen Immunität. Das könnte sich künftig als großer Nachteil herausstellen.
05.10.2020 - 14:56 Uhr 2 Kommentare
Der Autor ist Professor für Theorie der Wirtschafts- und Finanzpolitik an der Uni Freiburg (Schweiz) und Forschungsdirektor von CREMA – Center of Research in Economics, Management and the Arts.
Reiner Eichenberger

Der Autor ist Professor für Theorie der Wirtschafts- und Finanzpolitik an der Uni Freiburg (Schweiz) und Forschungsdirektor von CREMA – Center of Research in Economics, Management and the Arts.

Die deutsche Strategie zur Eindämmung von Corona erscheint erfolgreich. Trotzdem droht sie zu scheitern. Weltweit gibt es immer mehr von der Krankheit Genesene. Sie sind nach heutigem Wissen gegen das Virus wenigstens so stark und lange immun wie sie mit der sehnlichst erwarteten Erlösung – der noch in den Sternen stehenden Impfung – wären.

Wenn diesen „Immunen“ oder „natürlich Geimpften“ die gleichen Verhaltenseinschränkungen wie Nicht-Immunen auferlegt würden, wäre das aus rechtlicher, ethischer und wirtschaftlicher Sicht problematisch. Denn wenn sie sich frei bewegen, gefährden sie sich und andere sehr viel weniger als Nicht-Immune. Deshalb werden sie in Wirtschaft und Pflege dringendst benötigt. Sobald ihnen aber Freiheit gegeben wird, werden viele Noch-Nicht-Immune schnellstens immun werden wollen. Dann ist die Eindämmungsstrategie tot.

Wo steht Deutschland auf diesem Weg? Die entscheidende Größe ist die Dunkelziffer der Infektionen. Gemäß Antikörperstudien lagen in den entwickelten Ländern die tatsächlichen Infektionszahlen bei Erwachsenen etwa sechs- bis elfmal höher als die gemeldeten. Hinzu kommen die vielen Genesenen ohne oder mit verblichenen Antikörpern, die aber eine gewisse zelluläre Abwehr und damit Immunität haben.

Bei Jungen ist die Dunkelziffer wohl noch höher. So fand eine große Antikörperstudie mit Kindern in Zürich eine Dunkelziffer von Faktor 89. Auch wenn unklar ist, ob heute die Dunkelziffern eher sinken oder steigen, erscheint ein Faktor von insgesamt etwa zehn nicht unrealistisch. Was bedeutet das?

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    Die USA haben mit den bisher gemeldeten plus den täglich neu gemeldeten rund 40.000 Fällen bis Ende Oktober 8,5 Millionen offizielle Infektionsfälle. Bei einem Dunkelziffer-Faktor von zehn sind das 85 Millionen von 330 Millionen Einwohnern, also rund 26 Prozent. Bei einem solchen Durchseuchungsniveau kann die weitere Durchseuchung viel leichter und mit weniger strikten Auflagen kontrolliert werden.

    Eine Welt, in der 26 Prozent der Amerikaner weitgehend immun sind, aber unter vier Prozent der Deutschen und kein Promille der Chinesen, wird eine andere sein. Die USA könnten Corona-Immunitätszertifikate schaffen und deren Inhabern – halt hauptsächlich Amerikanern – wieder weltweit unbeschränktes Arbeiten, Geschäfte und Reisen erlauben. Das gäbe den USA einen riesigen Vorteil gegenüber China und Europa.

    In Deutschland wird spätestens dann die längst fällige Diskussion losbrechen. Die Krankheit ist gefährlich für abgrenzbare Risikogruppen, aber nicht für unter 50-Jährige. So fand eine breit angelegte Antikörperstudie für den Kanton Genf (publiziert in „The Lancet Infectious Diseases“) für 20- bis 49-Jährige ein Sterberisiko im Falle einer Infektion von 0,009 Prozent. Das ist gut doppelt so viel wie bei einem Jahr Teilnahme am Verkehr in Deutschland, aber deutlich weniger als im Verkehr heute in den USA.

    Wenn Deutschland dereinst nicht völlig im Abseits stehen soll, braucht es jetzt einen offenen Diskurs über Dunkelziffern, die wahren Risiken und Immunitätszertifikate.

    Mehr: Der Chef des Rückversicherers spricht über die mühsame Corona-Schadensaufnahme, die teuren Folgen des Kampfs gegen das Virus und Risiken staatlicher Rettungsprogramme.

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    2 Kommentare zu "Homo oeconomicus: Reiner Eichenberger: Deutschland könnte in der Coronakrise Opfer seines Erfolgs werden"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Der Artikel basiert leider auf der nicht bewiesenen These , das alle schon einmal betroffenen längere Zeit immun sind. Außerdem wird diese nicht bewiesene Immunität mit einer hohen Anzahl von Toten bezahlt.

    • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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