Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Homo oeconomicus Stephanie Blankenburg: Wir brauchen einen Rechtsrahmen für Umschuldungen

Der Welt steht durch die Corona-Pandemie eine Serie von Staatsbankrotten bevor, für die ein Rechtsrahmen immer noch fehlt. Das ist gefährlich.
25.09.2020 - 11:22 Uhr Kommentieren
Stephanie Blankenburg ist Leiterin der Abteilung Entwicklungsfinanzierung bei der Handels- und Entwicklungskonferenz der Uno (Unctad). Quelle: Privat
Stephanie Blankenburg

Stephanie Blankenburg ist Leiterin der Abteilung Entwicklungsfinanzierung bei der Handels- und Entwicklungskonferenz der Uno (Unctad).

(Foto: Privat)

Aufgrund der wirtschaftlichen Verwüstungen durch Corona ist eine ganze Serie von Staatsbankrotten in Entwicklungsländern gegenwärtig so gut wie unabwendbar: Die Rückzahlungen dieser Länder für ihre öffentlichen Auslandsschulden belaufen sich in diesem und dem nächsten Jahr, je nach Schätzungen, auf rund 2,7 bis 3,4 Billionen US-Dollar.

Um dem zu begegnen, hat die Gruppe der 20 größten Wirtschaftsnationen eine Initiative zur Aussetzung des Schuldendienstes bis Ende 2020, und nach neuestem Stand möglicherweise bis Ende April 2021, für die ärmsten Entwicklungsländer ins Leben gerufen, die sich im besten Fall auf rund 14 Milliarden US-Dollar beläuft. Dies tun sie in der gewagten Annahme, dass diese Länder bald in der Lage sein werden, nicht nur ihre laufenden, sondern auch ihre zeitweilig ausgesetzten Schuldendienste ordnungsgemäß zu begleichen.

Wenn es also mit hoher Wahrscheinlichkeit zu vielfachen Umschuldungsverhandlungen kommen sollte, stellt sich das Problem, dass es trotz nachhaltiger Bemühungen internationaler Organisationen, wie des Internationalen Währungsfonds und der Vereinten Nationen, immer noch keinen internationalen Regulationsrahmen für solche Verhandlungen gibt.

Deutschland sollte Hilfe signalisieren

Ein solcher Regulationsrahmen sollte sicherstellen, dass alle Gläubiger- und Schuldnerinteressen in ausgeglichener Weise bedient werden und dass Entwicklungsländer nicht in eine Situation gedrängt werden, in der kurzfristige Gläubigerinteressen ihr langfristiges Entwicklungspotenzial torpedieren.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Deutschland insbesondere sollte hier Unterstützung signalisieren: Das (west-)deutsche „Wirtschaftswunder“ nach dem Zweiten Weltkrieg wäre ohne die sehr reale helfende Hand westlicher Alliierter in der Umschuldung deutscher Auslandsanleihen nicht möglich gewesen.

    Das Londoner Abkommen von 1953 vergab nicht nur über die Hälfte der deutschen Auslandsverschuldung aus der Zwischenkriegsperiode und im Zuge des Wiederaufbaus seit 1945. Es stellte ebenfalls sicher, dass dieser Wiederaufbau nicht durch Wiedergutmachungsansprüche aus der Zeit während des Zweiten Weltkriegs unterminiert werden konnte und dass verbleibende Zahlungsverpflichtungen westdeutscher Regierungen jederzeit eingestellt werden konnten, sollten diese mehr als fünf Prozent des jährlichen Exporteinkommens der neuen Republik absorbieren.

    Entwicklungsländer heute können von solchen Bedingungen nur träumen. Im Vergleich gaben Entwicklungsländer im Jahr 2019 rund 14,6 Prozent ihrer Exporteinnahmen aus, um ihre öffentliche Auslandsverschuldung zu bedienen, sowie in vielen Fällen weit mehr als ein Viertel ihrer Staatseinnahmen.

    Es kann nicht richtig sein, dass ganze Bevölkerungen von Entwicklungsländern trotz der von ihnen nicht zu vertretenden wirtschaftlichen Katastrophe der Corona-Pandemie kurzfristigen Gläubigerinteressen ausgeliefert bleiben, während gleichzeitig eine kleine Zahl von Milliardär-Aktionären ihr persönliches Vermögen allein in den USA in den ersten Monaten der Pandemie um über 500 Milliarden US-Dollar wachsen lassen konnte.

    Mehr: Industrieländer sollten Entwicklungsländern in der drohenden Schuldenkrise helfen, meint Stephanie Blankenburg

    Startseite
    Mehr zu: Homo oeconomicus - Stephanie Blankenburg: Wir brauchen einen Rechtsrahmen für Umschuldungen
    0 Kommentare zu "Homo oeconomicus: Stephanie Blankenburg: Wir brauchen einen Rechtsrahmen für Umschuldungen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%