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Homo oeconomicus Trump schießt sich mit dem Visa-Stopp ein Eigentor

Trumps Entscheidung war für die USA ein Fehler. Deutschland hingegen könnte von der Entscheidung profitieren – wenn nun massiv um die abgewiesenen Arbeitskräfte und Forscher geworben wird.
  • Monika Schnitzer
17.07.2020 - 09:12 Uhr Kommentieren
Schnitzer ist Inhaberin des Lehrstuhls für Komparative Wirtschaftsforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Monika Schnitzer

Schnitzer ist Inhaberin des Lehrstuhls für Komparative Wirtschaftsforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Keine vier Wochen ist es her, dass US-Präsident Donald Trump eine seiner berüchtigten Executive Orders erlassen hat. Der Erlass setzt die Bearbeitung neuer Visa-Anträge aus. Die Entscheidung könnte sich als Eigentor erweisen, zumindest für die langfristige wirtschaftliche Entwicklung der Vereinigten Staaten.

Wer schon ein Visum hat, aber sich am 24.06.20 nicht in den USA aufhielt, kann aktuell nicht einreisen. Ab August werden voraussichtlich drei Viertel aller SachbearbeiterInnen für Visa-Anträge freigestellt, da der Behörde die Einnahmen aus Bearbeitungsgebühren fehlen.

Um die Tragweite dieser Entscheidung zu verstehen, muss man wissen, dass die Vereinigten Staaten in den vergangenen Jahrzehnten von einem massiven „Brain Gain“ aus aller Welt profitiert haben. Die klügsten Köpfe – darunter WissenschaftlerInnen, EntwicklerInnen und andere hochqualifizierte Arbeitskräfte – wurden durch hervorragende Arbeitsbedingungen und die Aussicht angezogen, mit den Besten der Welt zusammenzuarbeiten.

Pro Jahr vergeben die Vereinigten Staaten bisher 200.000 Arbeitsvisa speziell für hochqualifizierte Arbeitskräfte. Ein Großteil von ihnen arbeitet im Bereich der Informatik. 150.000 Visa wurden bisher jährlich an MitarbeiterInnen von multinationalen Unternehmen vergeben, um in einem US-Büro ihres Unternehmens zu arbeiten.

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    390.000 Visa gehen jährlich an WissenschaftlerInnen, um den wissenschaftlichen Austausch zu ermöglichen. Auf die geballte Gehirnleistung all dieser Menschen glaubt Trump verzichten zu können; er sieht in ihnen eine Konkurrenz für die heimischen Beschäftigten. Und er lässt sich nicht davon beirren, dass die Unternehmen und Universitäten das ganz anders sehen.

    Nichts aus der Vergangenheit gelernt

    Dabei zeigen Beispiele von früheren Einwanderungsbeschränkungen eindrücklich, wie massiv die Innovationskraft der Vereinigten Staaten dadurch beschädigt wurde. Ein Effekt, der noch nach Jahrzehnten zu spüren war.

    Durch die Einreiseverbote gingen nicht nur die Erfindungen der Zuwanderer und Zuwanderinnen selbst verloren, sondern auch die Unternehmen, die diese hochqualifizierten Einwanderer und Einwanderinnen gegründet hätten. Tatsächlich wurden mehr als die Hälfte der 500 größten Unternehmen der Vereinigten Staaten durch Zugewanderte oder deren Kinder gegründet.

    Die deutsche Politik, die Unternehmen und Hochschulen sollten jetzt massiv um diese abgewiesenen Arbeitskräfte und ForscherInnen werben. Um die Deutschen, die schon auf dem Sprung über den Teich waren, um die BewerberInnen aus anderen Nationen, die in den Vereinigten Staaten ihre Qualifikationen und Talente entfalten und einbringen wollten.

    Wir brauchen hochqualifizierte Arbeitskräfte für die Digitalisierung unserer Wirtschaft und unserer Behörden. Und wir brauchen hochqualifizierte WissenschaftlerInnen für die neuen Lehrstühle für Künstliche Intelligenz, die in Deutschland eingerichtet werden sollen, allein 100 in Bayern und 100 durch den Bund finanziert.

    Es heißt ja, „aus Fehlern wird man klug“. Trumps Entscheidung war für die USA ein Fehler. Wenn wir jetzt handeln, könnten wir einige kluge Köpfe gewinnen.

    Mehr: Tech-Unternehmen und Staaten unterstützen Klage der Universitäten

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