Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Homo oeconomicus Wir brauchen Zukunfts- statt Brückentechnologien

Im Brückentechnologietheater steht mit fossilem Erdgas in der Hauptrolle die nächste Inszenierung an. Notwendig sind wirkungsvolle und vor allem nachhaltige Investitionen.
08.08.2020 - 10:00 Uhr 5 Kommentare
Claudia Kemfert leitet die Abteilung „Energie, Verkehr, Umwelt“ des DIW und ist Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit an der Hertie School of Governance. Quelle: Roland Horn/ DWI Berlin
Die Autorin

Claudia Kemfert leitet die Abteilung „Energie, Verkehr, Umwelt“ des DIW und ist Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit an der Hertie School of Governance.

(Foto: Roland Horn/ DWI Berlin)

Was war nicht alles schon Brückentechnologie! Kernkraft, Braunkohle und Steinkohle waren als Brücken angeblich unverzichtbar, und auch Erdgas muss bis zum anderen Ufer reichen. Jetzt ist es der graue oder blaue Wasserstoff, der die vermeintlich unsicheren Zeiten in eine sichere Zukunft überbrücken soll. Die „graue“ Variante wird unter Hitzeeinwirkung aus Erdgas hergestellt. Bei der „blauen“ wird das dabei entstehende CO2 abgeschieden und eingelagert.

Das Muster ist immer gleich. Erst wird ein Bedarf heraufbeschworen, groß und unvermeidlich. Es gibt Warnungen vor Versorgungsengpässen, explodierenden Strompreisen und Blackouts. Ist die Angst genug geschürt, folgt eine niedrige Kostenrechnung mit üppiger finanzieller Unterstützung. Schließlich geht es um nationale (Energie-)Sicherheit. Da ist keine Million falsch investiert – jedenfalls nicht, solange sie auf die Konten der Brücken-Apologeten fließt.

Seit über 40 Jahren läuft das so. Dass sich die Bedarfsszenarien im Nachhinein immer als falsch herausgestellt haben, dass wir immer neue fossile Infrastrukturen gebaut haben, die nicht zu den internationalen Klimavereinbarungen passen: egal. Am Ende werden mit Steuergeldern den unnützen Investitionen horrende Entschädigungszahlungen hinterhergeworfen. So geschehen bei Atom und Kohle.

Jetzt also die nächste Inszenierung des Brückentechnologietheaters mit fossilem Erdgas in der Hauptrolle: Wasserstoff klingt harmlos. Die Farben grau und blau übertünchen, dass bei der grauen Wasserstoffherstellung aus Erdgas hohe CO2-Emissionen entstehen. In der Blau-Version würden diese als Problemmüll eingelagert. Wie immer bei „Brückentechnologien“ ist die Namensgebung ein Ablenkungsmanöver. Statt über Müll reden wir über „Übergangstechnologien“, diesmal in die grüne Wasserstoffwelt.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Über den Highway in eine beschleunigte Energiewende

    Freunde der Erdgaspipeline Nord Stream 2 sind davon begeistert. Die Pipeline ist politisch problematisch, energiewirtschaftlich unnötig, teuer und inkompatibel mit EU-Energie- und Klimazielen. Milliardenbeträge werden als „stranded investments“ in den Sand gesetzt. Weder kaufen sie uns Zeit, noch bringen sie Sicherheit. Alle bisherigen „Brückentechnologien“ haben sich als Brücken ins Nichts entpuppt.

    Der Highway in eine zukunftsfähige Energiewirtschaft führt über eine beschleunigte Energiewende in eine dezentrale demokratische und dekarbonisierte Zukunft. Da erwartet uns eine Vollversorgung aus Wasser-, Sonnen-, Wind- und Biomasse-Energie sowie grüner Wasserstoff. Letzterer wird zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien gewonnen und ist für eine klimagerechte Industrie unerlässlich.

    Ginge es nach Entwicklungsminister Gerd Müller würde der Rohstoff dafür als Solarenergie aus Nordafrika kommen. Dafür baut man statt Flüssiggas- besser gleich Wasserstoff-Terminals. Solche Investitionen wären wirkungsvoll und nachhaltig. Denn grüner Wasserstoff ist keine Brücken-, sondern eine Zukunftstechnologie.

    Mehr: Anträge für E-Auto-Kaufprämie auf Rekordhoch.

    Startseite
    Mehr zu: Homo oeconomicus - Wir brauchen Zukunfts- statt Brückentechnologien
    5 Kommentare zu "Homo oeconomicus: Wir brauchen Zukunfts- statt Brückentechnologien"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Es ist das Buch mit der größten ökologischen, ökonomischen und sozialen Sprengkraft, das ich je verlegt habe." Dirk Kohl, Chef des Weltbuch-Verlages..."Das ewige Licht"

    • Der Highway in eine zukunftsfähige Energiewirtschaft führt über eine beschleunigte Energiewende in eine dezentrale demokratische und dekarbonisierte Zukunft." Liebe Frau Kempfert, es ist seltsam, dass sich in Ihren Kreisen die neuesten Forschungsergebnisse für eine innovative, emissionsfreie Neutrino-Technologie nicht verbreiten. Der einstige BundesVerkehrsminister a.D., Prof. KRAUSE veröffentlicht aktuell sein Buch dazu und wird an der Moskauer Uni Neutrino Verfahrenstechnologien dozieren. Die günstigste und sauberste Variante der Energienutzung basiert auf Neutrino Technologie. Eine mobile und dezentrale Energienutzung über die Neutrinovoltaic kann jetzt möglich werden, denn sie wird die Photovoltaik ergänzen und ablösen, denn sie kann auch in vollkommener Dunkelheit Energie wandeln. Die Patente der Berliner Neutrino Energy Group sind bereit. Die Einführung der Neutrinovoltaik zur Gewinnung von elektrischem Strom unter dem Einfluss verschiedener elektromagnetischer Strahlung, einschließlich hochenergetischer kosmischer Neutrinos ist jetzt machbar. Die auf Neutrinovoltaik-Technologie basierenden DC-Neutrinoquellen sind sehr kompakt und wetterunabhängig, erzeugen in einem Grundmodus 24h x 365 Tage Strom und können in Gerätegehäuse oder sogar in Elektroautos eingebaut werden. Sie sind in der Lage, sowohl Geräte als auch einzelne Haushalte und Elektroautos ohne Anschluss an eine zentrale Stromversorgung vollständig mit Strom zu versorgen. Mobile und dezentrale Haushaltsenergie sowie unendliche Reichweiten für die Elektromobilität werden unser Leben weltweit positiv wandeln. Deutsche Ingenieure, Russische Investoren, bald an der amerikanischen Börse zum Ende des Jahres, wird NeutrinoInside mit dieser sensationelle emissionsfreien Energienutzung weltweit begeistern. Es braucht weder unter oder oberhalb Leitungen, Stromtrassen oder Pipelines. Mobile, Dezentrale Energieversorgung und unendliche Reichweite in der Elektromobilität für eine weltweite Zukunft Jetzt!

    • Frau Kempfert kann ich nur bedingt zustimmen zumal sie sicher nicht neben einem Windrad wohnt. Im übrigen sind mir sichere russische Gaslieferungen lieber als grüner Wasserstoff aus volatilen arabischen Liefergebieten mit allem darin enthaltenem politischen Erpressungspotential.

    • Frau Kempfert kann ich nur bedingt zustimmen zumal sie sicher nicht neben einem Windrad wohnt. Im übrigen sind mir sichere russische Gaslieferungen lieber als grüner Wasserstoff aus volatilen arabischen Liefergebieten mit allem darin enthaltenem politischen Erpressungspotential.

    • Ich kann Frau Kempfert nur zustimmen, es muss Schluss sein mit den Brückentechnologien. Photovoltaik und Windenergie sind erprobte und zuverlässige regenerative Energiequellen, die zusammen mit einem smart grid uns ausreichend saubere Energie liefern. Weitere Kosmische Energiequellen wie die Nutzung der auf die Erde einschlagenden Neutrinos sind willkommen und sollten auch in die weitere Diskussion einbezogen werden. Ich wäre allerdings froh, wenn man mal wirklich ernst macht mit den Photonen der Sonne, die man eben über Solarzellen, Solarthermie und indirekt auch über Windenergie. Düsseldorf z.B. hat 12qm Dachfläche aber nur 1% wird mit Solarzellen bedeckt. Warum bloß...Herr Almaier?

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%