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Homo oeconomicus Wir sollten Infizierte isolieren, statt die Wirtschaft zu ruinieren

Wenn wir weitere Lockdowns vermeiden wollen, brauchen wir zielgenaue Maßnahmen – zum Beispiel eine bessere Quarantäne für Infizierte nach asiatischem Vorbild.
16.12.2020 - 11:13 Uhr 4 Kommentare
Die Isolation von Infizierten außerhalb der eigenen vier Wände könnte eine Alternative zu weiteren Lockdowns sein. Quelle: dpa
Corona-Tests in einem Tübinger Altenheim

Die Isolation von Infizierten außerhalb der eigenen vier Wände könnte eine Alternative zu weiteren Lockdowns sein.

(Foto: dpa)

Die laufenden Lockdowns zur Reduzierung der Corona-Infektionen dienen insbesondere der Sicherstellung einer ausreichenden ärztlichen Versorgung, ruinieren aber die Lebensqualität vieler Menschen und mit wachsender Dauer immer mehr Unternehmen und auch die Staatshaushalte.

Um weitere Belastungen zu verringern, sollte man unverzüglich bisher noch nicht genutzte Maßnahmen mit hohem Erfolgspotential zum Schutz von besonders gefährdeten Senioren ausprobieren, wie es die Stadt Tübingen erfolgreich vorgemacht hat. Dort waren in der nun laufenden zweiten Welle bisher nur zehn Prozent der Infizierten älter als 65 Jahre.

Zusätzlich wäre eine Außer-Haus-Quarantäne von Infizierten statt der derzeitigen häuslichen Quarantäne erfolgversprechend und kostengünstig umzusetzen. Ohne zusätzliche Maßnahmen dieser Art wäre nach dem Lockdown vor dem nächsten Lockdown.

Die derzeitige häusliche Quarantäne mag bei Kontaktpersonen von Infizierten angemessen sein, aber Infizierte müssen – nach ärztlicher Einzelfallentscheidung – isoliert werden, wie erfolgreiche asiatische Staaten zeigen. Ein Tuberkulose-Infizierter wird doch auch nicht zur Quarantäne nach Hause geschickt.

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    Als Minimum sollte allen Infizierten die Möglichkeit einer unterstützten Außer-Haus-Quarantäne gegeben werden, wie die folgenden Beispiele belegen: In der großen Familie eines Kollegen steckte ein Infizierter seine Familienmitglieder im selben Haushalt an, weil er wegen der beengten Wohnverhältnisse keine Möglichkeit hatte, sich von ihnen zu separieren.

    Ein Mann, der seit mehreren Jahren zusammen mit Pflegekräften seine schwerkranke Frau pflegt, wurde von einer Pflegekraft infiziert und hatte keine Möglichkeit, außer Haus in Quarantäne zu gehen, da die Hotels geschlossen sind.

    Auch scheint bisher noch ungeklärt, was jemand tun kann und soll, der an einem fremden Flughafen positiv getestet wird und weder nach Hause noch ins Hotel gehen kann.

    Lorenz Jarass arbeitet im Bereich erneuerbare Energien und Stromnetze für Regierungen, Netzbetreiber und Kommunen. Seine aktuelle Buchveröffentlichung: „Überdimensionierter Netzausbau behindert die Energiewende“.
    Lorenz Jarass

    Lorenz Jarass arbeitet im Bereich erneuerbare Energien und Stromnetze für Regierungen, Netzbetreiber und Kommunen. Seine aktuelle Buchveröffentlichung: „Überdimensionierter Netzausbau behindert die Energiewende“.

    Das Argument, eine Außer-Haus-Quarantäne sei zu teuer, kann in diesen Zeiten kaum angeführt werden. Wiesbaden war zum Beispiel Ende Oktober, also bereits vor dem Teil-Lockdown, mit 100 neuen Fällen täglich besonders stark betroffen. Bei 100 Neuinfizierten pro Tag und einer zehntägigen Außer-Haus-Quarantäne hätte es 1000 Isolationsplätzen bedurft.

    Eine derartige Außer-Haus-Quarantäne wäre für Wiesbaden bei mindestens 3600 Hotelzimmern gut machbar gewesen. Die Kosten hätte die Stadt Wiesbaden tragen müssen, die Entschädigungszahlungen für die leer stehenden Hotels hingegen der Bund.

    Vorschlag sollte schnell umgesetzt werden

    Bei täglich 10.000 Neuinfizierten insgesamt würde Deutschland 100.000 Quarantäneplätze benötigen. Geht man von Kosten in Höhe von 100 Euro pro Tag aus, würden sich die Gesamtkosten pro Monat auf 300 Millionen Euro belaufen. Das könnte aus der Portokasse der Corona-Entschädigungen gezahlt werden.

    Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller machte Ende November 2020 den Vorschlag, Hotelbetten für eine Außer-Haus-Quarantäne zu nutzen, um einer Überlastung von Intensivstationen vorzubeugen.

    Dieser Vorschlag sollte nun möglichst umgehend bundesweit umgesetzt werden, um zusammen mit weiteren Maßnahmen zum Schutz von besonders gefährdeten Senioren weitere Lockdowns zu verringern oder idealerweise ganz vermeiden zu können.

    Mehr: „Drohkulissen und Verbote reichen nicht aus“ – Forderungen nach langfristiger Strategie mehren sich.

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    Mehr zu: Homo oeconomicus - Wir sollten Infizierte isolieren, statt die Wirtschaft zu ruinieren
    4 Kommentare zu "Homo oeconomicus: Wir sollten Infizierte isolieren, statt die Wirtschaft zu ruinieren"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Die Corona App könnte so hilfreich sein - achso Datenschutz! Zu blöd das uns das wichtiger ist als Menschenleben...

    • Sehr guter Vorschlag!
      + FFP 2 Masken kostenlos verteilen
      + Massen-Antigen-Tests kostenlos
      + Impfen
      + Corona-App verpflichtend
      Das alles ist deutlich günstiger als die Wirtschaft runterfahren, wirkt besser und macht die Menschen glücklicher als die momentane Situation
      Jeder ist gerne bereit 2 Wochen in Quarantäne zu gehen - wenn es tatsächlich hilft!

    • TOP !

    • Anstatt die Wirtschaft und das soziale Leben komplett herunterzufahren, hätte man auch jedem Bürger 14 FFP2 Masken für eine 14 tägige FFP2 Masken-Pflicht aushändigen können. Bei einem Stückpreis von 3€ und ca. 80 Mio. Menschen wären das Kosten zwischen 3-4 Mrd. EUR.

      Ich frage mich was die Regierung das letzte halbe Jahr nach dem ersten Corona-Chaos gemacht hat? Sich um eine nachhaltige Versorgung mit FFP2 Masken zu kümmern war es wohl nicht..

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