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Kolumne Homo oeconomicus Cory Doctorow: Die Geldgeschichte hinter dem verbotenen Mega-Börsengang von Ant

Hinter dem in letzter Minute untersagten IPO des chinesischen Finanzkonzerns steht ein fundamental anderes Verständnis des Geldsystems in China als im Westen.
18.11.2020 - 09:02 Uhr Kommentieren
Cory Doctorow ist Science-Fiction-Autor und Journalist. 2019 erschien von ihm „Wie man einen Toaster überlistet“. Quelle: imago/Christian Mang
Cory Doctorow

Cory Doctorow ist Science-Fiction-Autor und Journalist. 2019 erschien von ihm „Wie man einen Toaster überlistet“.

(Foto: imago/Christian Mang)

Es sollte der größte Börsengang der Welt werden: Das chinesische Fintech-Unternehmen Ant, das aus Alibaba ausgegründet wurde und unter anderem den führenden Bezahldienst Alipay betreibt, sollte Anfang November aufs Parkett. Doch dann haben die chinesischen Aufsichtsbehörden den Börsengang kurz vorher abgesagt.

Um die Gründe zu verstehen, muss man den Unterschied zwischen der chinesischen und der westlichen „Geldgeschichte" kennen. Im Westen glaubt man an das Märchen, dass das Geld vor dem Staat liegt und von ihm getrennt ist. In dieser Geschichte kamen Menschen zusammen, um Handel zu treiben, wurden aber von ungleichen Waren geplagt, die den Tausch kompliziert machten. Also verständigten sie sich auf ein Tauschgut – zum Beispiel Gold, später Banknoten – das alles viel einfacher machte.

Wenn in der Wirtschaft nicht genug Geld vorhanden ist, damit der Privatsektor die benötigten Güter kaufen kann, sucht er sich zusätzliche Formen von Geld wie zum Beispiel Bankkredite. Theoretisch ist die Kreditvergabe durch Banken streng reguliert. Aber wenn nicht genug Geld im System vorhanden ist, entstehen unregulierte Banken. Ein anderes Wort für „unregulierte Bank" ist Fintech.

Dagegen haben chinesische Behörden Geld immer als öffentliche Einrichtung behandelt. Es wird zur Erfüllung öffentlicher Zwecke vom Staat ausgegeben oder eingezogen. Während der raschen Industrialisierung des Landes steigerten die Behörden den Geldfluss, um einen raschen Aufbau von Kapazitäten zu ermöglichen. Als sie den Hahn zudrehten, rebellierten die Reichen und holten sich Kredit bei nicht lizenzierten Banken oder bei Banken, die bereit waren, die Regeln zu brechen. Als Chinas Schattenfinanzwirtschaft immer größer wurde, nahm auch die Kriminalität zu. Die Regulierer wehrten sich.

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    Die Fähigkeit, das Finanzsystem als öffentliche Einrichtung zu nutzen, ist einer der wichtigsten Aktivposten Chinas, und China verteidigt diesen Aktivposten mit aller Härte. Aus diesem Grund wurde der Börsengang von Ant unterbunden.

    Warum Ant das Pfandleihgeschäft zum Verhängnis wurde

    Die Haupteinnahmequelle von Ant ist die kurzfristige, hochverzinsliche Kreditvergabe, ähnlich dem, was die chinesischen Aufsichtsbehörden als „Pfandleihgeschäft" bezeichnen. Das Geschäftsmodell von Ant besteht darin, dass verzweifelte Menschen eine App benutzen, um risikoreiche, hochverzinsliche Kredite zu beantragen und schnell zu erhalten. Dann verkauft Ant die Darlehen an „Investoren".

    Chinesische Finanzaufsichtsbehörden hatten Jack Ma über Monate hinweg gewarnt, dass sie es nicht zulassen würden, dass Ant dieses App-basierte Pfandleihgeschäft massiv ausweitet. Doch Ma dachte anscheinend, weil er den Großkonzern Alibaba und seine Tochtergesellschaften betreibt, würden die Aufsichtsbehörden nachgeben.

    Aber der ganze Sinn einer Finanzregulierungsbehörde besteht gerade darin, den Finanzsektor nicht seine eigenen Regeln schreiben zu lassen. Weil die Banker sonst ungeniert die gesamte Wirtschaft in Brand setzen würden, um ein paar Dollar zu verdienen.

    Mehr: Die Wohnplattform Airbnb plant den größten Börsengang des Jahres.

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