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Kolumne Homo oeconomicus Helge Peukert: Wie Flugzeugemissionen weggerechnet werden

Die versprochene Halbierung der CO2-Emissionen bis 2050 wird nur durch Rechentricks erreicht. Steuerprivilegien abzubauen würde viel mehr bringen.
13.10.2020 - 12:51 Uhr 1 Kommentar
Helge Peukert ist Wirtschafts- und Staatswissenschaftler und Professor an der Universität Siegen.
Der Autor

Helge Peukert ist Wirtschafts- und Staatswissenschaftler und Professor an der Universität Siegen.

Die coronabedingte Minderung des Flugverkehrs dürfte eine kurze Episode in einem exponentiellen Wachstumstrend sein. Vor Corona wurde geschätzt, dass sich der Flugverkehr bis 2050 vervierfachen werde.

Weltweit sind Hunderte Flughafenneubauten oder -ausbauten geplant. Gleichzeitig wird ein klimaneutrales Wachstum der Branche ab 2020 versprochen und bis 2050 eine Halbierung der Kohlenstoffemissionen. Dabei soll der Flugverkehr pro Jahr um fünf Prozent zunehmen. Wie ist das möglich?

Das wurde so bewerkstelligt. Erst einmal wurde der Flugverkehr frühzeitig aus dem Kyoto-Protokoll und seinen Folgeverhandlungen ausgegliedert und stattdessen einer unbeachteten, hinter verschlossenen Türen agierenden UN-Sonderorganisation zugewiesen, der ICAO.

Die ICAO wird von Lobbyisten der Flugbetreiber dominiert. Diese haben ein undurchschaubares, bürokratisches Programm namens Corsia etabliert. Als Ausgangspunkt für die Reduktionsziele wurde der für das Zwei-Grad-Ziel bereits viel zu hohe gegenwärtige Kerosinverbrauch festgelegt.

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    Vorgesehen als Basislinie waren eigentlich die Jahre 2019 und 2020, jetzt soll nur noch das Jahr 2019 als Referenzjahr gelten, wohl, weil 2020 der Verbrauch sank, was die Reduktionsziele ambitionierter gemacht hätte. Nur die über das Volumen des Referenzjahrs hinausgehenden CO2-Emissionen sind zu kompensieren.

    Verkehrswachstum und Emissionsreduktion

    Ein großer Teil des Flugverkehrs wurde ganz aus der Emissionsmessung und -reduktion herausgenommen. Dazu gehören kleinere Flugzeugbetreiber, humanitäre, medizinische und staatshoheitliche Flüge, Helikopter und Leichtflugzeuge sowie die sehr erheblichen Emissionen durch Militärflugzeuge. Als „nachhaltig“ gelistete Benzinarten werden vom Verbrauch eines Anbieters abgezogen, obwohl ihre Umweltfreundlichkeit, wie etwa beim Palmöl, sehr umstritten ist.

    Ganz wichtig zur Herstellung der Vereinbarkeit von starkem Verkehrswachstum und Emissionsreduktion ist folgender Trick: 118 Schwellen- und landeingeschlossene Länder, die teilweise das höchste „Wachstumspotenzial“ aufweisen, werden ausgenommen. Auch Flüge aus Ländern, die bei Corsia nicht mitmachen, in Länder, die teilnehmen, werden ausgeschlossen.

    So bestehen Anreize für die Länder, aus Corsia auszusteigen oder den Ausstieg anzudrohen. Unter diesen Bedingungen ist es nicht verwunderlich, dass die prognostizierten Kosten der Flugzeugbetreiber zur Einhaltung der Reduktionsziele nach Corsia bis 2025 nicht mehr als 0,2 bis 0,6 Prozent der Gesamteinnahmen ausmachen. Klimarettung aus der Portokasse sozusagen.

    Da all diese Tricks noch nicht ausreichen, um die gestiegenen Emissionen auf dem Niveau von 2019 zu halten, wurde ein großzügiger Ablasshandel mit Gutschriften aus Kompensationsprojekten eingeführt.

    Indem sie solche Gutscheine kaufen, können die Fluggesellschaften ihre über 2019 hinausgehenden Emissionen ausgleichen anstatt vermeiden. Da es einen großen Überschuss an solchen Projekten und Gutschriften gibt, dürfte eine Tonne CO2-Kompensation für weniger als einen Euro zu erwerben sein.

    Das Ganze dient zur Abwehr von effektiven und überfälligen Maßnahmen der Emissionsminderung. Dazu würde zuvorderst die Abschaffung der steuerlichen Privilegien der Luftfahrt gehören wie die Befreiung von der Mehrwertsteuer und der Kerosinsteuer.

    Mehr: Lesen Sie hier, warum die Luftfahrtbranche das Klima auch während der Coronakrise nicht vergessen sollte.

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    1 Kommentar zu "Kolumne Homo oeconomicus: Helge Peukert: Wie Flugzeugemissionen weggerechnet werden"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Das Problem beim Flugverkehr ist nicht nur der CO2-Ausstoß sondern auch die Kondensstreifen:
      Siehe u.a.: https://www.n-tv.de/wissen/Kondensstreifen-heizen-Erde-zunehmend-auf-article21114299.html

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