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Kolumne Homo oeconomicus Ina Praetorius: Arbeit ist Arbeit – egal ob sie gegen Lohn oder gratis erbracht wird

Was Frauen zu Hause tun, nennt man nicht Arbeit, sondern „familiäre Verpflichtungen“ oder kurz „Liebe“. Diese Ideologie wirkt sich angenehm kostensenkend aus.
11.11.2020 - 09:31 Uhr 1 Kommentar
Ina Praetorius ist evangelische Theologin und Autorin von „Wirtschaft ist Care“. Quelle: Katja Nideröst
Ina Praetorius

Ina Praetorius ist evangelische Theologin und Autorin von „Wirtschaft ist Care“.

(Foto: Katja Nideröst)

Was Geld einbringt und kostet, heißt seit Adam Smith „Ökonomie“, die Tätigkeiten dahinter „Arbeit“. Was Frauen zu Hause tun, nennt man dagegen „familiäre Verpflichtungen“ oder kurz „Liebe“.

Wie angenehm kostensenkend sich diese Ideologie für die männlich geprägte Wirtschaft auswirkt, zeigt ein Beispiel. Am 17. Oktober 2019 sendete das Schweizer Fernsehen eine Reportage mit dem Titel „Pflegekosten – die Armutsfalle“. Gezeigt wurden zunächst Senioren und Seniorinnen, die für Pflegeleistungen in Heimen staatliche Transferleistungen beziehen. Danach ein hochbetagter Mann, der trotz einer starken Gehbehinderung noch in der eigenen Wohnung wohnt.

Das Heim sei für ihn „keine Option“, sagt er, obwohl er seit Jahren pflegebedürftig sei. Ein einziger kurzer Satz aus dem Off erklärt seine für die Gesellschaft vorbildlich kostensparende Lebensform: Die Ehefrau pflegt ihn, vor allem in der Nacht.

Eine aufmerksame Zuschauerin reichte bei der Ombudsstelle des Senders Beschwerde gegen die Reportage ein: Die unbezahlten Pflegeleistungen der Ehefrau seien nicht sichtbar geworden, kritisiert die Beschwerdeführerin, weshalb das Gebot der Sachgerechtigkeit durch die Sendung nicht erfüllt sei.

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    Wie man aus den im Einzelnen bezifferten Pflegekosten im Heim habe entnehmen können, sei die gratis zu Hause erbrachte Pflege für deren Empfänger beziehungsweise für den Staat massiv kostensparend. Eine sachgerechte Darstellung der ökonomischen Situation der Seniorinnen und Senioren hätte daher auch die Pflegeleistungen der Ehefrau beziffern müssen. Offizielle Zahlen zur Wertschöpfung durch unbezahlte Haushaltsproduktion liefere das Bundesamt für Statistik schließlich schon seit 1997.

    Der Ombudsmann wies die Beanstandung ab. In seiner Begründung argumentiert er, eine Bemessung der Leistung der Ehefrau wäre „zu kompliziert“ geworden, zumal es in der Sendung um ein anderes Thema gegangen sei, nämlich nicht um die Betreuung Pflegebedürftiger durch Angehörige, sondern um die Frage der Pflegekosten.

    Arbeit ist aber Arbeit, egal, ob sie zu Hause gratis oder im Pflegeheim gegen Lohn erbracht wird, schreibt unsere Autorin. Quelle: imago/photothek
    Haushalt

    Arbeit ist aber Arbeit, egal, ob sie zu Hause gratis oder im Pflegeheim gegen Lohn erbracht wird, schreibt unsere Autorin.

    (Foto: imago/photothek)

    Es störe ihn zwar auch, dass „diese wichtige Person“ nur kurz erwähnt und nicht befragt worden sei. Laut Auskunft der Redaktion habe die Frau es aber abgelehnt, selbst gefilmt zu werden. Die Beschwerdeführerin zog mit ihrer Beanstandung an die „Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen“ weiter. Auch diese lehnte die Beschwerde ab.

    Arbeit ist aber Arbeit, egal, ob sie zu Hause gratis oder im Pflegeheim gegen Lohn erbracht wird. Diese plausible Einschätzung könnten Ökonomen und Ökonominnen, Medienschaffende und deren Kontrollinstanzen unterstützen, statt die interessengeleitete Ideologie vom liebenswürdig kostensenkenden Geschlecht zugunsten diverser Profiteure durch weitere Jahrhunderte zu schleppen.

    Mehr von Ina Praetorius: Hausputz ist kein Hobby – Wann kommt die unbezahlte Care-Arbeit ins BIP?

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    1 Kommentar zu "Kolumne Homo oeconomicus: Ina Praetorius: Arbeit ist Arbeit – egal ob sie gegen Lohn oder gratis erbracht wird"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Das Recht kennt viele fiktive Größen. Fiktive Gewinne und auch fiktive Löhne sind der Finanzgerichtsbarkeit nicht neu.
      Setzen wir also für die unentgeltlich erbrachte Leistung einen fiktiven Wert an. Eigentlich eine bestechende Idee. Korruption ist aber abzulehnen.
      Sollten die Leistungen nicht auch entsprechend sozialversichert werden? Also mal eben 40% (rund) des Wertes an die Krankenkassen (als Zentralkassen der Sozialversicherung) überwiesen werden? Wobei dann Pflegende und Gepflegte jeweils die Hälfte tragen?
      Wäre nur gerecht! Schließlich haben wir Pflegenotstand und das Geld wird dringend gebraucht. Wer zu Hause unentgeltlich arbeitet, steht dem Arbeitsmarkt doch gar nicht mehr zur Verfügung.
      Diese Arbeitsmarktflüchlinge sollten auch eine Infrastrukturabgabe zahlen, da Straßen, Beleuchtung, Schulen, Polizei, Militär etc. auch ohne ihre Lohnsteuer unterhalten werden müssen.

      Das ließe sich weiter ausspinnen.

      Aber wozu sollte ich mich hier weiter über eine saturierte sorgenlose Schweizerin aufregen?

      Also lasse ich das mal so stehen.

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