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Kolumne Homo oeconomicus June Sekera: „Net-Zero“ und der Wahn des Kohlenstoffeinfangens

Die „Netto-Null“ bestimmt die Arbeit von Politikern und Investoren. Ein Vorwand, um sich nicht mit dem vollständigen Emissionsverzicht zu beschäftigen.
16.10.2020 - 10:15 Uhr Kommentieren
June Sekera ist Gastwissenschaftlerin an der New School for Social Research und Senior Research Fellow am University College London. Quelle: North County Headshots
Die Autorin

June Sekera ist Gastwissenschaftlerin an der New School for Social Research und Senior Research Fellow am University College London.

(Foto: North County Headshots)

In Kalifornien, wo ich lebe, erlebt man gerade die schlimmste Brandsaison aller Zeiten. Bisher sind mehr als 1,6 Millionen Hektar Wald verbrannt – eine Fläche, die größer ist als Montenegro. In Australien war es im vergangenen Jahr noch schlimmer: Fast 20 Millionen Hektar brannten ab.   

Und wir haben noch nie da gewesene Brände in Portugal, Spanien, Griechenland, sowie auch den nordischen Ländern, im Amazonas und in der Arktis erlebt. Während Wälder brennen und Bergstädte verbrannt werden, verschmutzt der Rauch die Luft selbst in weit entfernten Dörfern und Städten so sehr, dass man dort kaum noch atmen kann.

Während sich Waldbrände, Dürren, Stürme und Überschwemmungen verschlimmern, werden politische Führer und private Investoren von einem cleveren Schlagwort fasziniert, hinter dem sich scheinbar genial einfache Lösungen für die verheerenden Folgen des Klimawandels verbergen.

„Netto-Null“ ist das immer stärker umworbene Mantra. Der Inhalt ist sehr undurchsichtig. Dahinter steckt die Prämisse, dass wir weiterhin die verbleibenden Reserven an fossilen Brennstoffen verbrauchen und CO2-Mengen ausspucken können, weil wir den Dreck danach durch industrielle Prozesse der „Kohlendioxid-Entfernung“ wieder beseitigen können.

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    Auf diese Weise können wir angeblich den gesamten von uns ausgestoßenen Kohlenstoff aufsaugen und sicher speichern. Netto-Null klingt gut und verkauft sich gut. Wie jedoch in einem Bericht für die britische Regierung im vergangenen Jahr betont wurde, ist „Netto“ ein Fluchtwort. Es erlaubt uns, die Dringlichkeit und Notwendigkeit zu ignorieren, uns auf „Absolut-Null“ festzulegen. Absolut-Null bedeutet schlicht und einfach null Emissionen.

    „Netto-Null“ ist nur eine leere Hülle

    Durch das Mantra „Netto-Null“ verleitet, fallen Politiker und private Investoren der Behauptung zum Opfer, dass Technologien zur Kohlenstoffabscheidung uns den Übergang in eine ferne Zukunft mit null Emissionen erleichtern können. Auch die Öffentlichkeit wird vom genial beruhigenden Klang von der Netto-Null eingelullt.

    Aber die industriellen Methoden der Kohlenstoffabscheidung, die am meisten von den Regierungen subventioniert werden, sind weder genial noch bringen sie die Nettoemissionen auf null. Wie die kürzlich von mir mitverfasste Studie „Assessing Carbon Capture: Public Policy, Science and Societal Need“ gezeigt hat, verschlimmern die subventionierten industriell-chemischen Methoden im Allgemeinen das Problem und verlängern die Lebensdauer der fossilen Brennstoffanlagen.

    In der Eile, uns der Netto-Null und der damit einhergehenden Kohlenstoffabscheidung zuzuwenden, spielen wir mit dem Feuer. Heutzutage ist das nicht mehr nur eine Redensart.

    Ist es möglich, dass einige Methoden der Kohlenstoffabscheidung oder -sequestrierung funktionieren könnten, und wenn ja, woran können wir das erkennen? Das wird das Thema einer künftigen Kolumne sein.

    Mehr: Ab unter die Erde

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