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Kolumne Homo oeconomicus Peter Bofinger: Der digitale Euro wird die Erwartungen nicht erfüllen

Zu den von der Europäischen Zentralbank skizzierten Bedingungen wird die Nachfrage nach digitalen Euro gering sein. Nötig ist eine europäische Antwort auf Paypal.
15.10.2020 - 11:44 Uhr 1 Kommentar
Coronakrise: Ökonomen streiten sich weniger als Virologen Quelle: SVR
Der Autor

Peter Bofinger ist Ökonomieprofessor an der Universität Würzburg und war Mitglied des Sachverständigenrats.

(Foto: SVR)

Der von der EZB präsentierte „digitale Euro“ soll es privaten Haushalten und Unternehmen ermöglichen, ein Konto bei der Notenbank zu führen. Zudem soll er in der Form von Geldkarten oder elektronischen Geldbörsen verfügbar sein.

Glaubt man der EZB, dann scheint es sich beim digitalen Euro um eine eierlegende Wollmilchsau zu handeln: Er soll die Digitalisierung der Wirtschaft vorantreiben, auf die sinkende Verwendung von Bargeld reagieren, eine Antwort auf die Libra von Facebook bieten, einen neuen geldpolitischen Wirkungskanal eröffnen, Zahlungssysteme in extremen Krisen sicherer machen, die globale Rolle des Euros stärken und den ökologischen Fußabdruck des Geldsystems vermindern.

Die EZB hat allerdings kaum darüber nachgedacht, ob der digitale Euro auch nachgefragt würde. Sein Plus gegenüber einer Bankeinlage ist die absolute Sicherheit. Für Guthaben unter 100.000 Euro ist dies jedoch irrelevant.

Sie sind durch die Einlagensicherung geschützt. Interessant wäre ein Notenbankkonto somit für Unternehmen und größere Investoren. Doch genau das will die EZB nicht. Deshalb sollen Guthaben über 3000 Euro nach dem Modell des EZB-Direktors Ulrich Bindseil mit einem Strafzins belegt werden.

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    Der digitale Euro ist also für Normalverbraucher gedacht. Doch was bringt denen ein Bundesbank-Konto, bei dem es keinen Überziehungskredit gibt und Guthaben von über 3000 Euro mit Strafzinsen belegt werden. Da hat jede Onlinebank sehr viel mehr zu bieten.

    Flächendeckender Zugang zu Bargeld

    Der EZB geht es vor allem darum, dass die Bürger bei einem zunehmend digitalisierten Zahlungsverkehr weiterhin Zugang zu einem von ihr emittierten Geld haben. Der digitale Euro ist jedoch kein guter Ersatz für Bargeld. In allen großen Währungen steigt der Bargeldumlauf relativ zum Bruttoinlandsprodukt. Das verdeutlicht einen hohen Bedarf an einem sicheren, aber vor allem anonymen Zahlungsmittel. Diese Anonymität kann der digitale Euro nicht bieten.

    Die EZB könnte Geldkarten ausgeben, aber die rechtlichen Bedingungen für solche Zahlungsmittel sind extrem restriktiv, da man ihre Verwendung für Geldwäsche und Terrorismus verhindern möchte.

    Wenn Bargeld immer weniger als reguläres Zahlungsmittel genutzt wird und so die Versorgung durch Bargeldautomaten reduziert wird, bedarf es keines digitalen Euros. Vielmehr sollte die EZB dafür sorgen, dass weiterhin ein flächendeckender Zugang zu Bargeld gewährleistet ist. In extremen Krisenfällen dürfte Bargeld einem digitalen Euro überlegen sein. Mit Bargeld kann man auch bezahlen, wenn der Strom ausgefallen ist.

    Wenn die EZB das Vordringen ausländischer Zahlungssysteme stoppen möchte, dürfte sie mit dem digitalen Euro kaum Punkte machen. Ein sehr erfolgreiches Produkt ist das einfach zu handhabende und leicht zugängliche System von Paypal. Es operiert mit 25 Währungen, verknüpft die unterschiedlichsten Kreditkarten- und Banksysteme und ist für private Überweisungen kostenlos. Wenn man hierauf eine europäische Antwort finden will, muss man mehr bieten als ein digitales Substitut für Bargeld.

    Mehr: Grundsatzkonflikt? Die Ökonomen sind sich einiger als die Virologen, meint Peter Bofinger.

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    1 Kommentar zu "Kolumne Homo oeconomicus: Peter Bofinger: Der digitale Euro wird die Erwartungen nicht erfüllen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wichtig wäre, dass der digitale Euro eingeführt wird. Das wäre schon mal ein erster bedeutender Schritt. Dass ein digitaler Euro den meisten Banken nicht passt, liegt auf der Hand. Bargeld sollte jedoch erhalten bleiben.

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