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Kolumne Homo oeconomicus Sumru Altug: Wir brauchen neue Rezepte für die Mittelschicht

Die Hoffnung, dass bald über die Hälfte der Menschheit ein Leben in der Mittelschicht führt, hat sich zerschlagen. Wir müssen neu nachdenken, wie Menschen künftig aufsteigen können.
  • Sumru Altug
19.10.2020 - 15:39 Uhr Kommentieren
Sumru Altug ist Ökonomieprofessorin an der American University of Beirut im Libanon.
Die Autorin

Sumru Altug ist Ökonomieprofessorin an der American University of Beirut im Libanon.

Bis vor Kurzem herrschte großer Optimismus, was die Expansion der globalen Mittelschichten betrifft. In einem 2017 veröffentlichten Bericht bemerkte Homi Kharas von der Brookings Institution, dass innerhalb von zwei bis drei Jahren zum ersten Mal eine Mehrheit der Weltbevölkerung in Haushalten der Mittelschicht oder der Reichen leben könnte. Jährlich träten etwa 140 Millionen Menschen der Mittelschicht bei.

Drei Jahre und ein Virus später scheint sich diese Hoffnung zu zerschlagen. So verlieren etwa die aufstiegswilligen Mexikaner in der Stadt Queretaro ihre Jobs in der Luft- und Raumfahrtindustrie. Durch den schwersten Abschwung seit der Großen Depression sind in Mexiko zwölf Millionen Arbeitsplätze weggefallen. Und in Bangladeschs Hauptstadt Dhakka fahren ehemalige Angestellte jetzt Rikschas, während die ehemaligen Rikschafahrer in ihren Dörfern wieder ein Leben in bitterer Armut führen.

Für Familien mit geringeren Mitteln ist es wieder schwieriger geworden, Bildung zu erwerben. Sogar in den USA brechen einkommensschwache Studenten das College ab. In vielen Entwicklungsländern tragen Mädchen die Hauptlast der wirtschaftlichen Probleme ihrer Familien. Die Fortschritte in der Ausbildung von Mädchen scheinen rückgängig gemacht zu werden.

Wir müssen uns also fragen, welche Art von Mittelschicht wir in Zukunft wollen und wie man diese hervorbringen kann. Branchen, die Haushalten früher den Aufstieg ermöglicht haben, etwa der Tourismus und die Dienstleistungsindustrie, werden schrumpfen, ebenso wichtige Sektoren des verarbeitenden Gewerbes.

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    Neue Wachstumschancen

    Als neue Wachstumsbereiche kommen biologische Landwirtschaft und einheimische Produkte infrage, da die Coronakrise die Probleme der Versorgung der lokalen Bevölkerung mit importierten Nahrungsmitteln deutlich gemacht hat. Neue Heiztechniken sowie klimafreundliche Stromerzeugung und industrielle Nutzung könnten ebenfalls dazugehören. Auch in Bildung, Kinder- und Altenbetreuung steckt Potenzial.

    Unser früheres Wirtschaftsmodell basierte auf dem Wachstum von Metropolen in fortgeschrittenen Ländern, die fortschrittliche Produkte und Dienstleistungen entwerfen und finanzieren, während Millionen von Menschen in Industrie- und Entwicklungsländern sie mit Konsumgütern versorgen und ihre vielfältigen Bedürfnisse befriedigen. Dieses Modell trug zwar dazu bei, Dutzende von Millionen aus der Armut herauszuholen, erwies sich aber angesichts des globalen Corona-Schocks als zerbrechlich.

    Unser neues Wirtschaftsmodell könnte den Einzelnen in die Schaffung von regional autarkeren Formen der Produktion und des Konsums einbeziehen, die gegenüber externen Störfaktoren widerstandsfähiger sind. Ein solches Modell könnte auch die Einkommensungleichheit reduzieren, indem es die Barrieren zwischen denen, die Wohlstand schaffen, und denen, die den Wohlstandsschaffenden dienen, niederreißt.

    Mehr: Wann bin ich reich? Lesen Sie hier, wo die Mittelschicht in Deutschland aufhört und wo die Oberschicht beginnt

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