100 Prozent Grupp Die Wirtschaftsverbände haben versagt

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Artikulationsproblem der Wirtschaft

Es ist traurig für die deutsche Wirtschaft, dass führende Männer aus ihren Reihen sich in diesem Sinne nicht mehr in ihren Verbänden artikulieren und dort durchdringen können, sondern sich andere Plattformen suchen müssen. Ich meine damit das Treffen deutscher und internationaler Topmanager, das Professor Klaus Schwab, der Erfinder des Weltwirtschaftsgipfels in Davos, unlängst organisiert hat. Teilnehmer waren unter anderem Siemens-Chef Joe Kaeser, BASF-Chef Kurt Beck sowie Alcoa- und Ex-Siemens-Chef Klaus Kleinfeld.

Ich kann mir vorstellen, dass Professor Schwab auch teilweise gebeten wurde, auf neutralem Boden, nämlich in der Schweiz, Möglichkeiten zur Deeskalation auszuloten und auch Russen dazu einzuladen, darunter Herman Gref, den Chef der größten russischen Bank, der Sberbank, die von den USA mit Sanktionen belegt wurde. Ich finde, das war eine sehr gute Idee. Und wenn Professor Schwab nicht gebeten worden sein sollte, ein solches Treffen zu organisieren, ist es noch anerkennenswerter.

Professor Schwab hat erkannt hat, dass die von den USA angezettelte Politik der Sanktionsverschärfung und der anhaltenden Provokation Russland falsch und schädlich für Europa ist. Wenn es so weit gekommen ist, dass ein Mann wie der Weltwirtschaftsgipfel-Organisator deutsche (und internationale) Topmanager zu sich nach Hause einladen und ihnen eine Plattform bieten muss, um zu sagen, da läuft etwas schief, dann müssen sich der BDI, die Wirtschaftsverbände und die Bundesregierung endlich überlegen, ob das so weiter gehen kann.

Genfer Ukraine-Initiative

Ich fordere insbesondere den BDI und die Wirtschaftsverbände auf, ihren Auftrag zu erfüllen. Dazu zählt mich, dass sie sich den Zehn-Punkte-Friedensplan zu eigen zu machen, den die Topmanager in ihrer sogenannten Genfer Ukraine-Initiative aufgestellt haben. Die grundsätzliche Linie steht in Punkt 9, in dem die Manager an die Politiker appellieren: „Koordinieren und schaffen Sie gezielte Verbindungen und Handelsvereinbarungen für die Ukraine sowohl mit der Europäischen Union als auch mit Russland und später möglichst mit der Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft…“

Der BDI, die Wirtschaftsverbände und auch die Bundesregierung müssen sich nicht sorgen, ihr Gesicht zu verlieren, wenn sie auf diese Linie einschwenken. Wenn es neue Einsichten und Erkenntnisse über Fehler in der Vergangenheit gibt, muss man die alte Entscheidung revidieren. Dann ist die – im Lichte der Entwicklung – neue Entscheidung die richtige Entscheidung.

100 Prozent Grupp – eine Kolumne von Wirtschaftswoche Online
Trigema-Gründer Wolfgang Grupp steht wie kein Anderer für den Typus des mittelständischen Unternehmers. Für wiwo.de kommentiert er das aktuelle wirtschaftspolitische Geschehen. Frei heraus - 100-Prozent Grupp eben. Alle Beiträge von Wolfgang Grupp im Überblick: www.wiwo.de/grupp.
Eine Übersicht über alle Wirtschaftswoche-Kolumnen finden Sie unter www.wiwo.de/kolumnen.

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8 Kommentare zu "100 Prozent Grupp: Die Wirtschaftsverbände haben versagt"

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  • @Herr Tom Schmidt
    “Der Abschuss einer Passagiermaschine stört auch nicht weiter?“

    Diese rhetorische Frage ist mehr als dumm, sie ist saudumm!
    Wer weigert sich eigentlich zurück gehaltene und eingezogene Beweise der Weltöffentlichkeit zu präsentieren?! Warum deklariert sogar die deutsche Merkel-Regierung ihr vorliegende Erkenntnisse und Beweise in Sachen MH-17 Abschuss als Geheimsache und verbietet die Weitergabe an die Bundesgeneralanwaltschaft und an vier klagende deutsche Opferfamilien gegen die Verantwortlichen des MH-17 Abschusses?!

    “Dann haben seiner Meinung also alle europäischen Staaten es für gut und ok befunden, wenn man ohne eigene Hoheitszeichen mit Soldaten ins Nachbarland einfällt?“

    Es ist tatsächlich reine Zeitverschwendung den dümmlich Empörten, die ständig auf heuchlerischste Art und Weise das Völkerrecht wie eine Monstranz vor sich herhalten, wenn es ihnen in den Kram passt und andererseits das Völkerrecht ganz schnell wegzupacken, wenn es ihnen gerade ungelegen kommt, irgendeine Aufmerksamkeit zuteilwerden zulassen.
    1. Die USA würden, im Falle ähnliche Dinge würden sich an ihrer unmittelbaren Staatsgrenze vollziehen, noch wesentlich unverblümter und direkter intervenieren, das Völkerrecht würde dann ebenso keine Rolle spielen!
    2. Wir wissen mittlerweile ALLE wer dieses Desaster in der Ukraine von langer Hand vorbereitet und mindestens fiskalisch orchestriert hat und wer die wahren Schuldigen der bis jetzt seit dem 18.02.2014 stattgefundenen Großverbrechen sind!

    Also bitte, Sie mögen dazu bereit sein sich auf Ihre Kosten an dieser westlichen Farce zu beteiligen, die Deutschen sind es mehrheitlich nicht! Sie werden für soviel menschenverachtende Gräuel in Deutschland nur genügend Anhänger finden, wenn es nichts kostet bzw. profitabel ist.

  • Schluss mit Sanktionen und Embargos !

    Deutschland, d.h. die gegenwärtige Regierung so wie alle Regierungen davor seit Ende des 2. WK, rühmt sich einer freiheitlich demokratischen Grundordnung und deren Wahrung. Und des Strebens nach Freiheit und Demokratie - weltweit.
    Nun, zu einer solchen Freiheit gehören notwendigerweise auch Freizügigkeit, Meinungsäußerungsfreiheit und auch freier Handel. Hiermit sind aber Sanktionen und Embargos sowie deren Begleiterscheinungen, sei es gegen Russland, Iran oder andere Staaten, nicht vereinbar.

    Zumal Embargos und Sanktionen in jüngerer Vergangenheit nie den gewünschten Effekt hatten. Und auch nie haben können.
    Kuba, Nord Korea, Sowjetunion, Iran, Iraq und Syrien sind beste Beispiele dafür.

    Leidtragende sind immer die Teile der Bevölkerung, denen die Sanktionen letztlich durch Wegfall oder Umdenken des ungeliebten Regimes angeblich zugute kommen sollten und es aber in der Realität nie tun.

    Schaden nimmt aber auch die Wirtschaft, die Unternehmen des sanktionierenden Landes sowie dessen Bürger. Wichtige Wirtschaftsprojekte werden nicht durchgeführt, Arbeitsplätze werden gefährdet und bestimmte Waren sind nicht mehr erhältlich oder nur noch zu einem wesentlich höheren Preis und in reduzierter Auswahl.

    Im Grunde wird die Wirtschaft des sanktionierenden Landes von dessen Machtpolitikern quasi als Faustpfand mißbraucht.

    Letztlich nützen Sanktionen nur der machtgetriebenen Arroganz derer, die sie beschliessen. Frei nach dem Motto: Wir beschliessen Sanktionen, weil wir das können. Fullbright's "Arrogance of Power" läßt grüssen.

    Am Rande schwingen zwar immer auch Anspielungen mit, dass Sanktionen die Gegenseite an den Verhandlungstisch zwingen sollen.

    Wer intelligent im internationalen Kontext verhandeln kann, wird stets ohne Machtgehabe auskommen und am Ende sogar deutlich bessere Ergebnisse verhandeln können, als dies mit Sanktionen je möglich wäre.

    Letztlich sind Sanktionen nur Angriffskriege ohne militärische Mittel.

  • Fortsetzung

    Solange sich der Mittelstand nicht geschlossen für eine Änderung in der Souveränitätsfrage Deutschlands einsetzt und zusammen mit den Bürgern entschieden und konfrontativ in Sachen Souveränität die Machtfrage nach innen und nach außen stellt, solange bleiben alle deutschen Interessen der mittelständischen Wirtschaft nachrangig und die der Bürger höchstens drittrangig. Soviel Ehrlichkeit muss schon sein Herr Grupp oder man kann sich zukünftige Beschwerden auch gleich sparen!

    Setzen Sie sich als erstes persönlich für einen bei der UNO hinterlegten Friedensvertrag Deutschlands, der die volle Souveränität der Bundesrepublik Deutschlands herstellt, mit allen vier Hauptalliierten des Zweiten Weltkrieges ein. Solange das nicht erfolgt ist, bleibt alles andere Augenwischerei!

  • Herr Grupp ich gehe mit Ihren Argumenten d'accord, allerdings sollten wir uns, wenn wir schon dabei sind, umfassend ehrlich machen und nicht nur einige genehme Ausschnitte hervor heben.
    Es gibt ganz klar eine Reihenfolge der Einflussnahme auf die deutsche Politik und in dieser Reihenfolge steht der deutsche Mittelstand tatsächlich vor den allgemeinen Interessen der Bürger und hinter den Interessen der großen Kapitalgesellschaften und hinter den an der Spitze stehenden Internationalisten. Wobei die großen Kapitalgesellschaften und die Internationalisten fast deckungsgleiche Interessen vertreten bzw. aus gewissen Steakholder-Gründen sich nie zu weit auseinander dividieren lassen. Das liegt daran das Deutschland kein souveräner Staat ist, sondern von ausländischen Interessen, in erster Linie von US und abgeschwächt von israelisch-jüdischen Interessen in allen wichtigen Fragen dominiert wird.
    Alle Verbandsvertreter wissen das und würden sich, wenn ihnen ihr persönliches und beruflich-geschäftliches Schicksal lieb und teuer ist, niemals dagegen stellen. Ich schätze Sie so ein, dass auch Sie das Wissen über das deutsche System haben und ich frage mich warum Sie jetzt über die “Flexibilität“ Ihrer Verbandsfunktionäre klagen?!

    Der deutsche Mittelstand muss sich erst mal selbst ehrlich machen und sich für eine Reform dieses unseligen Systems einsetzen, es ist einfach nur zu billig sich nur möglichst komfortabel und egoistisch auf Kosten der Bürger und Arbeitnehmer in diesem System einzurichten. Ihre Klage über diese Zustände, wenn es Sie unangenehm betrifft, kommt daher etwas schal und heuchlerisch rüber und wird deshalb nur von einem kleinen Teil der Bürger ernst genommen.

    Fortsetzung

  • Nicht nur das Verträge zu eigenen Gunsten bis zum erbrechen ausgelegt werden, es wir auch gelogen, betrogen, gefoltert, ausspioniert, gemordet. Und darum sind Zurechtweisung und Disziplinierung eine mögliches Mittel der Wahl. Soweit zum Thema der Amerikaner, die Frage ist nun wie gehen wir mit den Russen um?

  • Der Abschuss einer Passagiermaschine stört auch nicht weiter?

    Solange nicht endgültig bewiesen ist wer diese Maschine abgeschossen hat, sprich die Putschisten oder die Separatisten, sollte dies auch nicht stören. Zumal, wie immer diese Runde auch ausgehen mag, die Russen waren es nicht.

  • Die Wirtschaft hat mehr von einer Zurechtweisung und Disziplinierung des russischen Geschäftspartners als wenn man ihm immer freie Hand ließe. Es kann nicht angehen, dass Verträge immer wieder gebrochen und die Unternehmen völlig unnötigen Risiken ausgesetzt werden. Man könnte gemeinsam vieles aufbauen, wenn man drüben nicht ständig irgendwelche kurmen Dinger abziehen würde. Jetzt sollten die mal langsam merken, dass sie sich damit selbst demontieren.

  • Im zentralen Punkt des Artikels bleibt der Autor einfach bei der Behauptung. Ein Diktat der USA?

    Dann haben seiner Meinung also alle europäischen Staaten es für gut und ok befunden, wenn man ohne eigene Hoheitszeichen mit Soldaten ins Nachbarland einfällt? Der Abschuss einer Passagiermaschine stört auch nicht weiter? In so einem Fall soll man den Agressor also zusichern weiterhin Geschäfte mit ihm zu machen, damit langfristig eine positive Entwicklung erreicht wird?

    Wenn das die Strategie bei Trigema ist, dann hat sich das mit dem Unternehmenserfolg auch bald gelöst...

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