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Aktien Fieberträume an den Finanzmärkten

Europäische Aktien haben die Verluste dieses Jahres aufgeholt, die Renditen von US-Staatsanleihen liegen über drei Prozent. Eine Mördergrippe verbreitet keine Angst. Negatives Wachstum scheint nicht nicht ewig anzudauern. Eine Art Flucht aus der Sicherheit ist auf dem Weg. Sie zeigt die medizinische Kraft geld- und finanzpolitischer Spritzen. Es werden sich aber schmerzhafte Nebenwirkungen einstellen.
  • Edward Hadas (BreakingViews)
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Man stelle sich vor, die Schweinegrippe wäre am 9. März ausgebrochen. Ein Notfall im Gesundheitswesen hätte die Aktienmärkte, die damals ihre Zehnjahres-Tiefs berührten, wohl in ein totales Desaster gestürzt. Kaum zwei Monate später scheint es die Anleger nicht zu kümmern.

Der Dow Jones Stoxx 600 European Index erreichte am Donnerstag ein Jahreshoch, am Mittwoch stieg die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf über drei Prozent. Investoren rücken zwar ihre risikofreien Anlagen nicht ganz heraus, verabreichen sich aber hohe Dosen von Rohstoff- und Schwellenländer-Anlagen. Es ist eine Art Flucht aus der Sicherheit.

Dunkle Wolken werden eher zu Anhängseln großer Silberstreifen am Horizont. Investoren übersehen schlechter als erwartet ausgefallene Zahlen zum US-Bruttoinlandsprodukt und konzentriefen sich statt dessen auf die Notwendigkeit zum Aufbau neuer Lagerbestände. Sie erfreuen sich an einer verlangsamten Abschwächung der Kreditvergabe in der Eurozone, ohne sich von der Verlangsamung selber abschrecken zu lassen. Sogar die wahrscheinliche Insolvenz von Chrysler hat eine positive Wendung gefunden: Die Unsicherheit ist vorbei. Auch unbestreitbar schlechte Nachrichten wie der hohe Anstieg der Arbeitslosigkeit in der Eurozone und die Bestätigung, dass die britischen Immobilienpreise noch immer fallen, werden einfach ignoriert.

Anleger scheinen eine Art stimmungsaufhellender Droge genommen zu haben. In gewissem Sinne ist das wirklich so. Regierungen und Zentralbanken haben große Mengen eines Aufputschmittels verabreicht, das Märkte und Investoren in ein Hochgefühl versetzt: Billiges Geld. Einiges von der durch Zinsen nahe dem Nullpunkt, eine praktisch unbegrenzte Finanzierung der Banken und enorme Haushaltsdefizite geschaffenen Liquidität wird so gut wie sicher ihren Weg an die Finanzmärkte finden.

Anleger und Politiker wetten darauf, dass der Optimusmus sich als selbsterfüllend erweist. Vertrauen macht Verbraucher und Unternehmen ausgaben- und investitionsfreudiger. Zudem sollte die Liquidität die Finanzklemme lösen und die Kreditversorgung für den Handel und den Aufbau von Lagerbeständen verbessern.

Die Behandlung wirkt so gut, dass die Vorstellung verlockend ist, die geldpolitischen Schleusen sollten für immer offen bleiben. Es gibt aber einen Grund, warum derartige Maßnahmen außergewöhnlich sind. Sie werden wahrscheinlich unerwünschte Nebenwirkungen haben, etwa eine zu hohe Inflation, wenn Geld zu lange zu billig bleibt, oder eine weitere Klemme, wenn Zinsen und Steuern zu schnell steigen.

Die Droge Geld ist noch im Versuchsstadium. Zudem kann sie wenig gegen zugrundeliegende Probleme wie die globale Unausgewogenheit von Produktion und Verbrauch tun. Eine lange und schmerzhafte Rezession würde dies tun. Und die Märkte könnten doch noch der Wirtschaft eher folgen als den Geld.

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