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Kolumne – Asia Techonomics Das Technologieland China hängt seine Senioren ab

In China geht fast nichts ohne Smartphone. Doch was vielen den Alltag erleichtert, ist für Ältere eine Bürde. Die Tech-Firmen sollen das jetzt ändern.
28.04.2021 - 11:19 Uhr Kommentieren
Halbleiter, Chip Quelle: Klawe Rzeczy
Asia Techonomics

In der wöchentlichen Kolumne schreiben wir im Wechsel über Innovations- und Wirtschaftstrends in Asien.

(Foto: Klawe Rzeczy )

Ende vergangenen Jahres geht ein Video in China viral, das selbst den größten Technikliebhabern einen Stich ins Herz versetzt. Es zeigt eine gebrechliche, kleine, alte Frau in einer Bankfiliale vor einem Geldautomaten. Ein jüngerer Mann hebt die zusammengekrümmte Seniorin so hoch, dass ihr Kopf auf Höhe einer in dem Gerät eingebauten Kamera ist.

Das Video sorgt für Empörung in Chinas sozialen Netzwerken. Denn bei der Frau handelt es sich um eine 94-Jährige, die von einem Angehörigen hochgehoben werden muss, damit die Gesichtserkennungsfunktion des Geldautomaten ihre Sozialversicherungskarte aktiviert. Eine entwürdigende Szene, die ein größeres Problem im technikaffinen China aufzeigt.

In China vollzieht sich seit Jahren ein rasanter technologischer Wandel. Die meisten Menschen gehen ihn mit, weil er ihnen Erleichterungen im Alltag bringt – und es zudem immer häufiger keine andere Wahl gibt. Bezahlt wird per App, Lebensmittel werden online bestellt, und der Termin beim Arzt wird im Internet reserviert.

Doch viele ältere Menschen sind von der Digitalisierung ausgeschlossen. Das Problem ist auch in Deutschland bekannt. Aber in China hat es weitaus gravierendere Folgen. Da ist die Seniorin, die von einem Busfahrer am Mitfahren gehindert wird, weil sie keinen Healthcode hat – ein Miniprogramm, das anzeigen soll, dass sie sich nicht in einem Corona-Risikogebiet aufgehalten hat. Auch dieses Video kursiert im Internet. Genauso ergeht es älteren Männern in anderen Teilen des Landes.

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    Eine ältere Frau in Yichang in der Provinz Hubei will ihre Krankenversicherung mit Bargeld bezahlen, doch das Unternehmen besteht auf Zahlung mit ihrem Smartphone. Ein Foto der verwirrt und hilflos an einem Tresen zurückgelassenen Frau wird auch von chinesischen Staatsmedien verbreitet.

    Die Digitalisierung ist für die rund 260 Millionen älteren Menschen in der Volksrepublik eine große Herausforderung. Quelle: Bloomberg
    Senioren beim Tai-Chi in Peking

    Die Digitalisierung ist für die rund 260 Millionen älteren Menschen in der Volksrepublik eine große Herausforderung.

    (Foto: Bloomberg)

    China hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Land entwickelt, in dem ohne ein Smartphone vieles nicht mehr geht – und die Coronakrise hat diese Entwicklung noch verstärkt. Wer Museen, Supermärkte, Shoppingmalls, Restaurants oder öffentliche Verkehrsmittel betreten will, muss den Healthcode vorzeigen. Sonst muss er oder sie draußen bleiben.

    Doch was für den Großteil der Bevölkerung längst zum Alltag gehört – Chinesen verbringen rund sechs Stunden am Tag an ihrem Smartphone –, ist insbesondere für die rund 260 Millionen älteren Menschen in der Volksrepublik eine große Herausforderung.

    Die Regierung in Peking verspricht viel, doch es passiert wenig

    Vor allem jenseits der großen Metropolen werden die Senioren abgehängt. Einer Umfrage der chinesischen Zentralbank zufolge nutzt nur etwas mehr als die Hälfte der über 60-jährigen Chinesen mit geringem Einkommen und geringem Bildungsstand in ländlichen Gegenden mobile Zahlungsmittel.

    Angesichts des immer größer werdenden Anteils von Alten in der Bevölkerung verspricht die chinesische Regierung seit Jahren, sich des Problems anzunehmen. Doch passiert ist bislang wenig. Unternehmen sollen zwar alternative Zahlungsmethoden zu den Apps Alipay oder Wechat anbieten. In der Praxis wird das bislang jedoch kaum umgesetzt. Einzelne Städte haben nun begonnen, die Älteren am Smartphone zu trainieren und ihnen etwa Onlineshopping beizubringen.

    Jüngst wies zudem Chinas Industrieministerium Unternehmen an, ihre Angebote seniorenfreundlicher zu gestalten. Denn die Tech-Unternehmen in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt fangen jetzt erst an, ihre Apps so zu designen, dass auch Menschen ohne Technikerfahrung sie bedienen können. Sie entwickeln auch langsam spezielle Dienste für Ältere.

    So startete der in China beliebte Fahrdienstleister Didi kürzlich eine vereinfachte Version für Senioren. Der Onlinehändler JD.com hat für Mai eine seniorenfreundliche App angekündigt, die es etwa ermöglichen soll, dass Verwandte den Zahlungsprozess beim Onlineshopping übernehmen.

    Denn der Ausschluss der Älteren von digitalen Diensten könnte in Zukunft noch viel weitreichendere Folgen haben. Da die Gesundheitsversorgung insbesondere auf dem Land so schlecht ist und Ärzte und Krankenpflegepersonal fehlen, sollen Arztbesuche zunehmend online erledigt werden. Das aber dürfte nur gelingen, wenn ein großer Teil der Betroffenen mit der Technologie umgehen kann.

    In der Kolumne Asia Techonomics schreiben Nicole Bastian, Dana Heide, Martin Kölling, Mathias Peer und Stephan Scheuer im Wechsel über Innovations- und Wirtschaftstrends in der dynamischsten Region der Welt.

    Mehr: Singapur lässt sich das Laborhühnchen schmecken – Europa verpasst den wichtigen Ernährungstrend

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