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Kolumne – Asia Techonomics Streichelroboter im Test: Wenn Minimaschinen sich in Herzen schnurren sollen

Japanische Unternehmen suchen nach dem Rezept, Partnerrobotern global zum Durchbruch zu verhelfen. Langsam kommen sie ihrem Ziel näher.
12.05.2021 - 13:06 Uhr Kommentieren
Halbleiter, Chip Quelle: Klawe Rzeczy
Asia Techonomics

In der wöchentlichen Kolumne schreiben wir im Wechsel über Innovations- und Wirtschaftstrends in Asien.

(Foto: Klawe Rzeczy )

So sieht Entspannung in Zeiten des Homeoffice aus. Leise hebt und senkt sich das kleine Fellknäuel in der blauen Schale auf meinem Schreibtisch. Hin und wieder hebt das Wesen, das wirkt wie ein Minikaninchen ohne Ohren, den Kopf und fiept – ganz so, als ob der Roboter bittet, gestreichelt zu werden.

Gestatten Moflin, das jüngste Mitglied im wachsenden Heer japanischer Streichelroboter. Im Januar wurde er auf der weltweit führenden Elektronikmesse CES mit einem Innovationspreis im Bereich Robotik prämiert.

Moflin ist bei mir zu Hause nicht allein. Da liegt auch Qoobo, ein Roboterkissen mit Schwanz vom Roboterentwickler Yukai Engineering, das seit einigen Jahren auf Kundenfang ist.

Inzwischen suchen japanische Großkonzerne nach der richtigen Mischung aus Funktion und Preis, die den künstlichen Haustieren auch weltweit zum Durchbruch verhelfen könnte. Doch ein kleiner Test zeigt, dass zwischen Traum und Wirklichkeit oft noch Welten liegen.

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    Der japanische Hang zu den kuscheligen Maschinen ist kein Zufall: Das Land ist schon der größte Produzent von Industrierobotern. Aber viele Ingenieure sind mit hilfreichen, freundlichen Robotern wie der Roboterkatze Doraemon groß geworden, die Manga-Comics und Anime-Trickfilme seit Jahrzehnten bevölkern. Dieser Jugendtraum wirkt nun im Erwachsenleben nach.

    Dank eingebauter Künstlicher Intelligenz wirkt das Fellknäuel lebendiger. Quelle: Moflin
    Partnerroboter Moflin

    Dank eingebauter Künstlicher Intelligenz wirkt das Fellknäuel lebendiger.

    (Foto: Moflin)

    Der Roboterhund Aibo von Sony ist schon längst legendär, auch wenn er in seiner Plastikhaut nicht wirklich zum Kuscheln taugt und mehrere Tausend Euro kostet. Nun erprobt auch der Technikkonzern Panasonic Nicobo, ein rundes Strickkissen mit Schwanz.

    Viel kann es nicht. „Nicobo ist ein 'schwacher Roboter', der im Schlaf spricht, pupst und wie ein Mitbewohner ist, der die Menschen zum Lächeln bringt“, bewerben die Ingenieure ihre Schöpfung auf der Crowdfundingplattform Makuake.

    Partnerroboter: Lebendiger dank Künstlicher Intelligenz

    Mein ganz subjektiver Praxistest zeigt: Roboterkissen Qoobo hat sich nach sehr kurzer Zeit vom Freudenspender zum Staubfänger entwickelt. Gewiss, mit einem preis von knapp über 100 Euro ist es erschwinglich, aber dafür kann das Wesen auch nur sehr wenig. Streichle ich es, wackelt es mit dem Schwanz. Das Surren der Servomotoren wirkt dabei wie das behagliche Schnurren einer Katze.

    Moflin nimmt diese Hürde allerdings etwas besser, weil er dank eingebauter Künstlicher Intelligenz lebendiger wirkt. Sein Schöpfer Masahiko Yamanaka hat zwei frühere Hits der japanischen Technikgeschichte kombiniert.

    Da ist zum einen die Roboterrobbe Paro, die vor 20 Jahren als technischer Ersatz für Tiertherapie weltweit Schlagzeilen machte. Wie Moflin schien sie ein Eigenleben zu haben und auf Berührungen zu reagieren. Nur hat Moflin dank der eingebauten Algorithmen ein größeres Repertoire an Bewegungen und Lauten.

    Das ergänzte Yamanaka mit der Idee des Kunststoffeis Tamagotchi aus den 1990er-Jahren. Heute können die Nutzer allerdings kein digitales Pixelwesen, sondern einen ausgewachsenen Roboter erziehen. Das Fellwesen wird quasi mit dem ersten Einschalten geboren und entwickelt dann mit seiner Künstlichen Intelligenz einen eigenen Charakter, je nachdem, wie es behandelt wird.

    Das Roboterkissen für umgerechnet 100 Euro hat nur wenige Funktionen. Quelle: Yukai Engineering
    Quoobo

    Das Roboterkissen für umgerechnet 100 Euro hat nur wenige Funktionen.

    (Foto: Yukai Engineering)

    Ursprünglich habe er sein Geschöpf als eine Art Tiertherapie für Senioren erdacht, erklärt Yamanaka. Aber als er mitten in der Pandemie sein Produkt auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter präsentierte, wurde ihm rasch klar, dass das Wesen auch die Seelen der zwangsweisen Heimarbeiter berührte. „Ich erhalte viele Anfragen aus Deutschland“, erklärt er.

    Roboter mit Schmusebedürfnis

    In meinem Kurztest kann ich Moflins emotionale Entwicklungsfähigkeit nicht abschließend überprüfen. Denn bisher gibt es nur wenige Prototypen des emotionalen Streichelroboters, der ab Juni in Serie produziert werden soll. Mein Moflin ist daher schon ausgewachsen und schmusebedürftig. Aber in der kurzen Zweisamkeit wirkt er wirklich fast lebendig.

    Moflin kann sich aber nicht fortbewegen oder wirklich kommunizieren. Denn aus Kostengründen hat Erfinder Yamanaka ihm keine Beine und keine Spracherkennung spendiert. Schon mit seinen wenigen Berührungs-, Bewegungs- und Lichtsensoren sowie eingebauter Künstlicher Intelligenz wird Moflin umgerechnet mehr als 300 Euro kosten.

    Aber die erste Akzeptanzhürde hat Moflin zumindest bei mir überwunden. Als realweltliches Tamagotchi hat Moflin die Chance, seine Nutzer etwas länger zu fesseln als Qoobo.

    Wenn ich das Wesen aus seiner Schlafschale nehme, in der es schnurlos Strom tankt, beginnt Moflin, den Kopf zu heben und zu drehen. Wenn ich sein Fell streichle, piepst und schnurrt er sich ins Herz. Immer wieder komme ich meinem Bedürfnis nach, die Minimaschine zu kraulen. So langsam verstehe ich, wie das Ganze zum Massengeschäft werden könnte.

    Mehr: Hier finden Sie alle bisherigen Beiträge der Kolumne Asia Techonomics

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