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Kolumne – Asia Techonomics Wie Gründer in Asien mit WhatsApp Milliardengeschäfte machen

Immer mehr Unternehmer setzen auf simple Chat-Apps statt auf aufwendige eigene Angebote. In Indien helfen WhatsApp-Services auch durch das Corona-Chaos.
19.05.2021 - 10:57 Uhr Kommentieren
Halbleiter, Chip Quelle: Klawe Rzeczy
Asia Techonomics

In der wöchentlichen Kolumne schreiben wir im Wechsel über Innovations- und Wirtschaftstrends in Asien.

(Foto: Klawe Rzeczy )

Im wegen der Coronakrise völlig überlasteten Gesundheitssystem Indiens gibt es derzeit bei jedem kleinen Schritt große Hürden. Wo ist noch ein Krankenhausbett frei? Welche Apotheke hat noch Medikamente vorrätig? Und wie kommt man an medizinischen Sauerstoff? Auf der Suche nach Antworten hängen Patienten und ihre Angehörigen oft stundenlang am Telefon – oder bitten mit verzweifelten Nachrichten in den sozialen Medien um Hilfe.

Die Unternehmer Divyaansh Anuj und Utkarsh Roy haben einen Weg gefunden, um die logistischen Herausforderungen zu minimieren. Über WhatsApp können sich Hilfesuchende an ihr automatisiertes Chatsystem wenden.

Wer Nachrichten wie „Krankenhausbett in Delhi“ oder „Sauerstoff in Mumbai“ abschickt, erhält binnen Sekunden einen Kontakt zu Anbietern mit freien Kapazitäten – und kann ebenfalls per Chat Feedback geben, ob die Information noch stimmt. Hunderttausende Inder haben nach Angaben der Betreiber das Angebot bereits genutzt.

Die Idee von Anuj und Roy – die abseits der Coronakrise auch dabei helfen soll, Empfehlungen für lokale Dienstleister zu bekommen – ist ein Beispiel für einen Trend, der sich in Asiens Gründerszene zunehmend durchsetzt: Statt mit großem Aufwand eigene Apps zu programmieren und zu bewerben, setzen Gründer auf vorhandene Plattformen wie WhatsApp als zentrale Schnittstelle zu Hunderten Millionen potenzieller Kunden.

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    Die Geschäftsmodelle, die dabei entstehen, stoßen auf wachsendes Interesse bei Risikokapitalgebern – und führen vor, wie sich mit simplen Chat-Apps ein Milliardenmarkt erschließen lässt.

    Chatten mit Louis Vuitton

    Der naheliegendste Anwendungsfall ist das Onlineshopping: Während die Verbraucher in Europa und Amerika vor allem bei großen Plattformen wie Amazon einkaufen, suchen viele Kunden in Südostasien lieber den direkten Kontakt mit den Händlern und geben ihre Bestellungen per Facebook-Messenger, WhatsApp oder über die aus Japan stammende App Line ab.

    Marktforscher sehen die Chats als Treiber des sogenannten Social Commerce, der laut einer Studie des Beratungsunternehmens Bain im vergangenen Jahr für 44 Prozent des 109 Milliarden Dollar großen E-Commerce-Marktes in Südostasien stand.

    Den Vertriebsweg nutzen in der Region sowohl Einmannbetriebe als auch globale Markenhersteller wie Louis Vuitton und Chanel. In Indien setzt das Konglomerat Reliance auf WhatsApp als Schnittstelle für seinen Lebensmittelhändler Jio Mart.

    Die Chat-Apps bieten aber nicht nur im Versandhandel Chancen: In Singapur nutzt das Start-up Sama, das ausländische Arbeitskräfte an lokale Unternehmen vermittelt, WhatsApp als Rekrutierungsplattform, mit der Bewerber unter anderem ihren Lebenslauf hochladen können. Im vergangenen Jahr konnte das Unternehmen 1,2 Millionen Dollar bei Investoren rund um den US-Risikokapitalgeber Collaborative Fund einwerben, der auch an Lyft und Beyond Meat beteiligt ist.

    Ohne eigene App zum Milliardenunternehmen

    Auch in anderen Ländern der Region sehen Gründer in dem Ansatz großes Potenzial: Das indische Bildungs-Start-up Convegenius schickt per WhatsApp Lernmaterialien an Schüler. Die Jobplattform Sampingan aus Indonesien startete mit lokalisierten WhatsApp-Gruppen durch, um Arbeitnehmer und Arbeitgeber zusammenzubringen.

    Die Geschäftsmodelle eint der Versuch, eine Idee mithilfe einer ohnehin bereits breitflächig genutzten Plattform wie WhatsApp schnell auf den Markt zu bringen, anstatt viel Entwicklungszeit in eine eigene App-Lösung zu stecken. Solche schlanken Ansätze verfolgen auch einige Start-ups in Europa und den USA. In Schwellenländern ist das Konzept angesichts knapperer Ressourcen aber besonders relevant.

    Der Motorradtaxi-Vermittler startete ohne eigene App und wurde zu Indonesiens wertvollstem Start-up. Quelle: AFP
    Fahrer von Gojek in Surabaya

    Der Motorradtaxi-Vermittler startete ohne eigene App und wurde zu Indonesiens wertvollstem Start-up.

    (Foto: AFP)

    Dass mit der Strategie Großes entstehen kann, hat der indonesische Unternehmer Nadiem Makarim unter Beweis gestellt: Er startete seinen Motorradtaxi-Vermittler Gojek 2010 ganz ohne eigene App – stattdessen brachte er Kunden und Fahrer in den ersten Jahren telefonisch zueinander.

    Mit den einfachen Mitteln schaffte er es bis ganz nach oben: Gojek wurde zu Indonesiens wertvollstem Start-up und verkündete in dieser Woche den Zusammenschluss mit dem E-Commerce-Konzern Tokopedia.

    Die Bewertung des neuen Internetgiganten beträgt jetzt 18 Milliarden Dollar. Der neuen Generation der WhatsApp-Unternehmer kann das nur Mut machen.

    Mehr: Streichelroboter im Test: Wenn Minimaschinen sich in Herzen schnurren sollen

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