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Blickpunkt Berlin Wie Piraten und Gemeingüter symbiotisch die Menschheit retten

Allmenden in Südamerika, Marktskepsis und das freie Internet bilden den Hintergrund für eine neue Bewegung, die auch in Deutschland erfolgreich werden könnte.
1 Kommentar

Eine interessante Bewegung nimmt in Deutschland Formen an: die für Gemeingüter. Die Heinrich-Böll-Stiftung treibt sie voran. Die Grünen, denen die Stiftung nahesteht, werden daraus nicht viel Honig saugen können, weil sie quer zu ihrer auf Regierungsverantwortung ausgerichteten Politik steht. Dagegen könnte sie der Piratenpartei nützen.

Das Anliegen der "creative commons" verbindet die Piraten mit der Bewegung. Sie wollen ein Internet, das kreative Gemeingüter allen zur Verfügung stellt: für viele Wähler attraktiv, aber völlig monothematisch. Die Animatoren der Gemeingüter-Bewegung bieten die Ausweitung: Sie versprechen eine Gemeinschaft, die "den Wirtschaftsprozess in das gesellschaftliche Zusammenleben" einbette: "Natürliche Gemeingüter sind notwendig für unser Überleben, soziale Gemeingüter sichern den Zusammenhalt, und kulturelle Gemeingüter sind Bedingung für unsere individuelle Entfaltung." Man wolle Kreativität auf "die Mehrung des gemeinschaftlichen Reichtums" richten. Breiter kann man den Anspruch nicht formulieren.

Schwammiger allerdings auch nicht, und wer nach Konkretem fragt, wird kaum fündig. Man hört von Wikipedia, Linux und Allmenden in Lateinamerika, von Software und Saatkartoffeln, die nicht patentgeschützt werden dürften, und von Parks in den Städten, die allen gehörten. Es wabert kräftig, und klar ist vor allem, dass es irgendwie gegen Privatisierung gehen soll, weil die den gesellschaftlichen Reichtum mindere.

Gemeingüter haben Ökonomen, Soziologen und Anthropologen schon lange beschäftigt. Der Nobelpreis für Elinor Ostrom hat der Insider-Debatte über "commons" Auftrieb gegeben. Unter dem Synonym der Allmende kann sich jeder etwas vorstellen. Schon früh haben Wirtschaftswissenschaftler darauf hingewiesen, dass Allmenden der Hang zur Übernutzung innewohnt. Ostrom hat Kriterien dafür definiert, wie das zu vermeiden sei. Vor allem müssen die Nutzungsbedingungen und der Zugang strikt geregelt sein. Gemeingüter stehen demnach gerade nicht jedem frei zur Verfügung. Das unterscheidet sie von öffentlichen Gütern, die im Ökonomenslang "nichtexklusiv" und "nichtrivalisierend" sind. Das gilt etwa für die Luft: Niemand kann vom Atmen ausgeschlossen werden, und niemand nimmt dadurch einem anderen etwas weg.

Die Gemeingüter-Bewegung zielt weiter. Sie lädt das trockene ökonomische Konzept emotional auf, stilisiert Gemeingüter zu einer Frage des Überlebens der Menschheit und zum Gegenspieler des Marktes. Für viele von der Marktwirtschaft Enttäuschte klingt das attraktiv, und die Verbindung zum freien Internet verschafft Modernität. Gemeinsam mit der Piratenpartei könnte diese Bewegung auf eine gewisse Resonanz stoßen - auch deshalb, weil die etablierten Parteien es völlig verlernt haben, ihre Anliegen in eine größere Erzählung zu fassen, die ansprechend und motivierend wirkt.

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1 Kommentar zu "Blickpunkt Berlin: Wie Piraten und Gemeingüter symbiotisch die Menschheit retten"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wenn jetzt schon das Handelsblatt kritische Töne zur Commonsbewegung abgibt, dann steht ja einem spannenden öffentlichen Diskurs nichts mehr im Weg. Aber bitte, lieber Thomas Hanke, vertiefen Sie sich ein bisschen in die Materie. Dieser 5-Minuten-Terrinen-Journalismus tötet einem langsam den Nerv!

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