Chefetage Muslime, unsere Leitkultur und die ökonomische Realität

Die Islam-Debatte, die sich an der Rede des Bundespräsidenten entzündet hat und die CSU-Chef Seehofer munter anfacht, klammert eine Schlüsselfrage aus: unseren künftigen Wohlstand.
  • Bernd Ziesemer
11 Kommentare
Bernd Ziesemer ist Publizist und war viele Jahre Chefredakteur des Handelsblatts. Quelle: Pablo Castagnola

Bernd Ziesemer ist Publizist und war viele Jahre Chefredakteur des Handelsblatts.

(Foto: Pablo Castagnola)

Nun streiten wir also wieder. Bundespräsident Christian Wulff hat mit seiner Bemerkung, auch der Islam gehöre "inzwischen zu Deutschland", eine heftige Debatte ausgelöst. Als Liberaler fühlt man sich dabei allerdings weder im Wulff-Lager noch bei seinen konservativen Kritikern so ganz wohl. Es fehlen einige ganz wichtige Argumente in der Diskussion - vor allem die wirtschaftliche Realität unseres Landes.

In unserem Land leben inzwischen Hunderttausende von Muslimen, die deutsche Staatsbürger sind. Sie verfügen über die gleichen Rechte und Pflichte wie jeder andere auch. Niemand sollte von ihnen verlangen, sich einer "christlich-jüdischen Leitkultur" anzupassen. Sehr wohl aber können und müssen wir von ihnen verlangen, sich voll in unsere Gesellschaft und vor allem in unsere Rechtskultur zu integrieren - die auf den Grundsätzen der Toleranz, der Freiheit, der Demokratie und der Trennung von Staat und Kirche beruht.

Mögen die Historiker über die europäische Leitkultur der Vergangenheit debattieren (was war mit den Mauren in Spanien bis 1492?) - interessanter ist die Frage nach der Leitkultur unserer Zukunft. Womit wir mitten bei den ökonomischen Fakten sind: Unsere Einwanderungsrate ist mittlerweile negativ - es verlassen unter dem Strich mehr Menschen Deutschland, als sich neu bei uns niederlassen. Spätestens in zwanzig Jahren fehlen uns 4,5 Millionen gut ausgebildete Beschäftigte, wenn man dem jüngsten Deutschland-Report von Prognos glauben darf. Wir brauchen also mehr und nicht weniger Immigranten, wenn wir unseren wirtschaftlichen Wohlstand erhalten wollen.

Aber aus welchen Regionen der Welt sollen sie kommen? Aus dem christlich-jüdischen Kulturkreis wohl kaum: Überall in Europa sinken die Geburtsraten. Die Osteuropäer, auf die viele in den letzten Jahren gehofft hatten, werden unser langfristiges demografisches Problem nicht lösen. Auch China nicht, das sich aufgrund seiner Ein-Kind-Politik schon in wenigen Jahren selbst in eine schnell alternde Gesellschaft verwandeln wird. Und die berühmten Computer-Inder? Von dem indischen Industrieminister Anand Sharma war gerade im Handelsblatt der schöne Satz zu lesen, sein Land brauche "seine Fachkräfte selbst".

Bleiben nur Länder wie der Iran oder der Irak. Sie verfügen nicht nur über eine sehr junge Bevölkerung - sondern auch über relativ viele Akademiker. Und viele iranische Ingenieure würden gern bei uns leben. Wenn wir also künftig mehr Einwanderung wollen, müssen wir uns im islamischen Kulturkreis umschauen - ob es uns passt oder nicht. Natürlich haben wir dabei das Recht, uns sehr genau anzuschauen, wen wir hereinlassen und wen nicht. Nicht die Religionsangehörigkeit sollte dabei zählen, sondern allein die Fähigkeit und Bereitschaft zur gesellschaftlichen Integration.

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11 Kommentare zu "Chefetage: Muslime, unsere Leitkultur und die ökonomische Realität"

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  • Seltsamerweise denkt man nicht an die deutschstämmigen brasilianer. Auch andere Migrantenländer der Deutschen, werden nie berücksichtigt. Die integration wäre problemloser.

  • "Es fehlen dann im Jahre XXXX gut ausgebildete Fachkräfte", heißt es. Aber eine gute Ausbildung für Jugendliche mit Migrationshintergrund bedingt einen uneingeschränkten integrationswillen und den Respekt vor unseren christlichen Werten. Und das ist doch noch nicht der Fall, in Deutschland. Fangen wir aber an. Peter von Zech in seinem buch Sonne und Schatten zeigt uns anschaulich und überzeugend, wie wir zunächst vorgehen sollten.

  • Liebe abgewirtschaftete "Eliten" in den Medien, der Politik und der Wirtschaft

    wir glauben eure Lügen nicht mehr, auch wenn ihr sie tausend Mal wiederholt! Wir glauben eure Lügen genauso wenig, wie einst die DDR-bürger nicht mehr an die Schönrednerei und die Lügen des SED-Regimes glaubten. ihr heutigen "Eliten" wollt nur euer System retten.

    ihr "Eliten" bejubelt immer noch den Kaiser, aber der steht längst nur noch nackt im politischen Abseits. Alle sehen es, nur ihr wollt es nicht sehen, weil ihr an euren Pöstchen klebt und euch daran klammert!

    Remember 1989

    den politischen "Eliten" sei gesagt:

    "Noch sitzt ihr da oben, ihr feigen Gestalten,
    vom Feinde bezahlt und dem Volke zum Spott.
    Doch einst wird wieder Gerechtigkeit walten,
    dann richtet das Volk und es gnade euch Gott."

    Carl Theodor Körner. Deutscher Dichter. Gefallen 1813 im Freiheitskrieg gegen Napoleon.

    Das deutsche Volk

  • @beobachter,

    Sie haben Recht und Unrecht. Natürlich muss Deutschland zusehen, seine qualifizierten Arbeiter zu behalten. Warum sollten wir auch jahrelang für eine gute Ausbildung Geld ausgeben, damit die Früchte dieser Ausbildung schließlich in Norwegen oder der Türkei geerntet werden. Andererseits sind wir es, die auch viele nicht-deutsche hier vergraulen. Es wandern z.b. mehr Türken ab als ein. Das Problem nur: Die Auswanderer sind zu einem großen Teil Akademiker, die hier einfach nicht erwünscht waren, wer stellt schon einen Türken als Personalchef oder Manager ein? Wer traut schon einem Muslim in einem Chemie-Labor?

  • Deutschland muss seine hochqualifizierten bürger halten, sie nicht weiter vergraulen und vertreiben. Know how ist hier genug vorhanden, es wird Zeit diese Wissen auch zu halten und nicht das Leben hier noch unerträglicher zu machen mit Jahrzehntelangem Reformstau seit der Regierung unter Helmut Kohl. Leider ist keine Partei fähig dies zu bewerkstelligen. Zuwanderung zulassen und die Einheimische bevölkerung weiter zu strangulieren empfinde ich als Unverschämtheit.

  • Wieder versucht uns jemand zu erklären, dass ein bestimmter Weg alternativlos sei. Vielleicht sind iraner und iraker eine bereicherung, aber dieser Hinweis ist eine Ablenkung vom eigentlichen Problem. Jedenfalls hat die bisherige islamische Migration Deutschland und andere europäische Länder nicht weiter gebracht, sondern war ein Verlustgeschäft. Wichtig ist nicht so sehr die Herkunft der Einwanderer, sondern ihre Qualifikation. Darauf wird leider bisher überhaupt nicht geachtet. Es ist rührend naiv, anzunehmen, dass man aus jedem Menschen einen Top-Performer machen kann, solange man nur genug Geld für bildung und integration ausgibt.

    Übrigens sollte man auch einmal bemühungen anstellen, um die deutschen Spitzenleute im Land zu halten. Die wandern nämlich in Scharen in die Schweiz und andere attraktivere Länder aus.

  • Fachkräfte!!!
    Das Problem sind doch nicht die gut qualifizierten Fachkräfte. Sie sind vermutlich selten mit Analphabetinnen verheiratet und ebenso selten fanatisch religiös. Sie nutzen die Chancen der neuen Heimat und kümmern sich um die Chancen ihrer Kinder.
    Die Problemgruppe der Nicht- und Unterqualifizierten Migranten ähnelt der entsprechenden deutschen Gruppe der "Abgehängten", hat aber eine Pseudo-Zuflucht in der Religion. Es war und ist ein Politikversagen ersten Ranges, dass wir die Ghetto-bildung tatenlos zugelassen haben und die Kinder in Schulen ohne Deutsche schicken. Eine Quotierung passt natürlich nicht in unser System, aber hier muss entschieden eingegriffen werden.
    Wenn wir das Prekariatsproblem und den dadurch entstandenen latenten Rassismus nicht in den Griff bekommen werden wir auch keine qualifizierten Fachkräfte aus iran und irak bekommen.

  • @ Aufgeklärter (1)
    „Und wann hören endlich Nonnen auf, Kopftücher zu tragen?“

    Sie tragen kein Kopftuch. Mit dem Eintritt in einen Orden, dies geschied freiwillig, die Frau ist erwachsen, unterwirft sich die Nonne den Vorschriften dieses Ordens. Die Nonne geht quasi einen Arbeitsvertrag mit dem Orden ein, der hat nun für ihren Lebensunterhalt und die Kleidung zu sorgen. infolge dessen legt auch der Orden fest, in welcher Kleidung die Angehörigen dieses Ordens in der Öffentlichkeit und im täglichen Arbeitsbereich des Klosters aufzutreten haben.

  • Ja ja, lassen Sie sich mal ihren Wohlstand in 20 Jahren von 150koepfigen Libanesen-Clans bezahlen, die schon in dritter Generation Transferleistungen beziehen. Das ist doch die Realitaet. Als Gegenbeispiel werden dann immer iraner angefuehrt, die in der Tat bildungsnah sind und sich muehelos integrieren. Als wuerden sich die Deutschen ueber die wenigen und wohlintegrierten iraner aufregen. Wer Verstand hat, packt die Koffer und wandert aus und laesst Leute wie den "Aufgeklaerten" und Ziesemer ihren Wohlstand von ihren Multikultifreunden bezahlen, hehe. Viele Gruesse aus der Schweiz, Senor Sonrisa

  • Ob es in 20 Jahren wirklich einen Fachkräftemangel geben wird oder nicht wird sich dann zeigen. Eine vitale und attraktive Gesellschaft, ein menschen- und bürgerfreundliches verantwortungsvoll geführtes Staatswesen, attraktive Arbeitsplätze und Einkommen werden ihre Anzieungskraft und Motivation zu Leistung und Mitgestaltung nicht verfehlen. Hier muß diskutiert und angesetzt werden, das Zuwanderungsproblem von das Sozialsystem belastenden Personen ist nur ein Teilaspekt! Die zu erwartenden niedrigen Renten von ca. 40% aller Pensionärinnen und Pensionäre stellt eine besondere Herausforderung dar: Diese Menschen müssen in Zukunft zwischen zwei und sechs Stunden pro Tag arbeiten, damit sie überhaupt über die Runden kommen werden - bis sie tot oder pflegebedürftig sind! Doch dieser Skandal wird verschwiegen und man hält sich an Einzelproblemen auf, die längst gelöst sein müßten! Die Unfähigkeit des Polit-Establishments ist so offensichtlich, wie nie zuvor, weil die Probleme so umfassend und bei der gegebenen politischen Zersplitterung (der "Wohlstandsplan für alle" ist abhanden gekommen) unser Land in die Hände drittklassiger Schönredner, Augenwischer, ideoleogen und Politclowns beiderlei Geschlechts gerutscht ist, welche sich nur im Verschlimmbessern gegenseitig übertreffen können, deren konkrete Leistungen aber zum Himmel stinken, wie Röslers letzte "Gesundheitsreform".

    Dieser Schreibtisch-Journalismus, wie hier von Herrn
    Ziesemer exemplarisch praktiziert, offenbart sich als angepaßt und überflüssig, weil er genau an den tatsächlichen Problemen, wie ich sie aufgezeigt habe, vorbei geht - keine eltäre Leistung - Schulnote 5: Das Thema "Die Zukunftsfähigkeit Deutschlands" wurde verfehlt!

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