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City Talk Dialektik der Krise

Als Erz-Dialektiker hätte der deutsche Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel wahrscheinlich seinen Spaß an der Finanzkrise. Denn wohin man auch blickt, haben die Verwerfungen an den Kapitalmärkten eine verwirrende Vielfalt an Gegensätzen hinterlassen.

Als Erz-Dialektiker hätte der deutsche Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel wahrscheinlich seinen Spaß an der Finanzkrise. Denn wohin man auch blickt, haben die Verwerfungen an den Kapitalmärkten eine verwirrende Vielfalt an Gegensätzen hinterlassen. Am besten hat die Dialektik der Krise wohl der britische Zentralbank-Gouverneur Mervyn King auf den Punkt gebracht: „Das große Paradox der aktuellen Politik besteht darin, dass beinahe jede Maßnahme die kurzfristig wünschenswert ist, das exakte Gegenteil von dem darstellt, was langfristig sinnvoll wäre.“

King hat recht. Es ist schon etwas absurd, eine Kreditblase ausgerechnet mit einer beispiellosen Aufweichung der Kreditbedingungen zu bekämpfen. Trotzdem blieb den Notenbanken gar nichts anderes übrig, als die Zinsen im Rekordtempo nach unten zu schrauben und die Geldmenge auszuweiten, um das Finanzsystem vor dem Kollaps zu bewahren. Ähnlich zwiespältig sieht die Lage bei den Banken aus. Es ist völlig klar, dass die Institute in Zukunft mit einem größeren Eigenkapitalpuffer operieren müssen, nur bitte nicht jetzt, denn sonst müssten die Geldhäuser den Kredithahn noch weiter zudrehen, als sie es ohnehin schon tun. Noch mehr Dialektik gefällig? Die hochverschuldeten Verbraucher in Großbritannien und den Vereinigten Staaten sollten eigentlich dringend mehr sparen. Wenn sie damit aber ausgerechnet jetzt begännen, würde die Nachfrage noch weiter absacken, und die Rezession würde die Welt noch länger in ihrem Griff behalten.

Irgendwann muss die hegelianische Dialektik aber in eine Synthese münden, die Gegensätze müssen sich auflösen und die wirtschaftlichen Ungleichgewichte ausbalanciert werden. Dieser Prozess wird schmerzhaft für die Weltwirtschaft, und er wird Zeit brauchen. Deshalb werden die ersten zarten ökonomischen Frühlingsboten, die sich derzeit zeigen, nur sehr langsam knospen. Der Glaube an eine rasante Erholung, sobald der Tiefpunkt der Krise erst einmal überwunden ist, verlangt sehr viel Optimismus – oder sehr viel Verzweiflung, wie das Beispiel des britischen Finanzministers Alistair Darling zeigt. Er hat in seinen jüngsten Staatshaushalt eine Art Trampolineffekt für das kommende Jahr eingebaut, damit sich die Staatsfinanzen wenigstens halbwegs rechnen.

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