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EU-KolumneE-Fuels: Ausgerechnet die Autonation Deutschland zwingt Europa eine Phantomdebatte auf

Europa streitet über eine Technologie, die selbst im günstigsten Fall nur ein Nischendasein fristen wird. Währenddessen ziehen China und die USA im Kampf um die Mobilität von morgen davon.Moritz Koch 28.03.2023 - 11:40 Uhr Artikel anhören

E-Fuels sind ineffizient, mit ihnen betankte Autos benötigen pro Kilometer fast fünfmal so viel Energie wie ein Batterie-Auto, entsprechend teuer sind sie.

Foto: dpa

Sollten Wirtschaftshistoriker in vielen Jahren einmal der Frage nachgehen, wie der Südwesten Deutschlands zum Rostgürtel Europas werden konnte, dürften die Ereignisse der vergangenen Wochen eine besondere Würdigung erfahren. Stell dir vor, die Zukunft der europäischen Automobilindustrie steht auf dem Spiel – und die Autonation Deutschland zwingt Europa eine Phantomdebatte auf. 

E-Fuels: ja oder nein? Verbrenner-Aus 2035 oder Aus für das Verbrenner-Aus? Wäre es möglich, die Energie, die in Brüssel zuletzt in diese Diskussion floss, zur Herstellung klimaneutraler Kraftstoffe zu verwenden, wäre die Verkehrswende ein Kinderspiel. 

Nur kommen der Innovation die Gesetze der Physik in die Quere. Während Europa über eine Technologie streitet, die selbst nach Einschätzung der Autokonzerne nur ein Nischendasein fristen wird, ziehen die Wettbewerber im Kampf um die Mobilität von morgen an europäischen Herstellern und ihren Zulieferern vorbei.

China Batterie-Dominanz darf kein Grund sein, am Verbrenner festzuhalten

Günstige Autos made in China werden in den kommenden Jahren massenhaft auf den europäischen Markt drängen. Schon heute exportiert China mehr Autos als Deutschland, wie aktuelle Ausfuhrstatistiken zeigen. Warum? Weil China mit aller Macht in die Elektromobilität investiert. Die Amerikaner nehmen die Herausforderung an: Ihr Klimasubventionsprogramm, der Inflation Reduction Act (IRA), ist eine ökonomische Kampfansage an Peking.

Die wichtigste Komponente eines Elektroautos ist die Batterie. Nach Angaben der Europäischen Batterieallianz, eines Zusammenschlusses von EU, Mitgliedstaaten und Unternehmen, kostet in China eine Batterie 127 Dollar pro Kilowattstunde Leistung. Die USA werden dank der üppigen Förderung durch den IRA mit den Chinesen gleichziehen. Und in Europa? Dort steigt der Preis, wegen der teuren Energie. 2022 lagen die Kosten pro Kilowattstunde bei 169 Dollar, demnächst werden sie bei 178 Dollar liegen – 40 Prozent höher als in China und den USA.

Auch das Qualitätsimage der deutschen Autoindustrie kann diese Preisdifferenz nicht ausgleichen. Die Wettbewerbsfähigkeit erodiert auf dramatische Art und Weise, aber der deutsche Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) lässt sich lieber für seinen PR-Erfolg bei E-Fuels feiern. Kein Wunder, dass das Ansehen der Bundesrepublik in Brüssel schwindet. Die zerstrittene Ampelkoalition exportiert ihre Konflikte nach Europa. 

Der Autor: Jede Woche analysiert Moritz Koch, Leiter des Handelsblatt-Büros in Brüssel, im Wechsel mit anderen Brüsseler Korrespondenten in der EU-Kolumne Trends und Konflikte, Regulierungsvorhaben und Strategiekonzepte aus dem Innenleben der Europäischen Union. Denn wer sich für Wirtschaft interessiert, muss wissen, was in Brüssel läuft. Sie erreichen ihn unter: koch@handelsblatt.com

Foto: Handelsblatt

Aber ist die Batteriedominanz der Chinesen nicht vielleicht der entscheidende Grund, am Verbrenner festzuhalten? Eben nicht. E-Fuels sind ineffizient, mit ihnen betankte Autos benötigen pro Kilometer fast fünfmal so viel Energie wie ein Batterieauto, entsprechend teuer sind sie. Dass Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) schon eine steuerliche Förderung von E-Fuels ins Gespräch bringt, erinnert an die Verzweiflung von Postkutschenmanufakturen nach der Erfindung des Automobils.

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Die entscheidende Debatte für Europa kann nicht sein, alte Technologien zu bewahren. Es muss darum gehen, neue zu entwickeln. Die Kommission hat dafür Vorschläge gemacht: Strategisch wichtige Produkte wie Batterien sollen in Europa stärker gefördert werden, um den Wettbewerbsvorsprung der Chinesen und die Subventionsoffensive der Amerikaner auszugleichen. 

Von der Regierung eines Landes wie Deutschland, in dem nach staatlichen Angaben fast 800.000 Industriejobs direkt vom Auto abhängen, würde man erwarten, dass sie zumindest die richtigen Debatten führt.

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