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Tijen Onaran

Expertenrat – Anders Indset Digitale Ressourcenschöpfung: Daten sind nicht das neue Öl

Ein letztes Mammutprojekt Merkels, und Deutschland wäre in Sachen Digitalisierung sofort wieder da. Lass uns wie Elon Musk denken – für eine kraftvolle Agenda.
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Der Autor empfiehlt den Bau eines riesigen Datencenters. Quelle: Reuters
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Der Autor empfiehlt den Bau eines riesigen Datencenters.

(Foto: Reuters)

Elon Musk kommt nach Brandenburg, und Peter Altmaier will Gaia-X installieren, eine europäische Cloud. Während Elon handelt, damit überrascht und generell schnell unterwegs ist, geht es in der Politik um … Politik. Währenddessen will die Deutsche Bahndas Google der Schienen“ werden. Von 2021 an sollen die Kunden einen Sprachassistenten befragen können, den wir bislang vor allem von den großen Technologiekonzernen kennen, wie Amazon mit „Alexa“, Google mit seinem „Assistant“ oder Apple mit „Siri“.

Das ist ein gewagt kreatives Ablenkungsmanöver, denn wenn es schon nicht wirklich mit der „Bahn der Schienen“ klappt, versucht die Bahn es doch tatsächlich mit „Google der Schienen“. Ein Vergleich, der nach meinem persönlichen Eindruck von DB, ÖBB und SBB komplett an der Realität vorbeigeht. GPS-Smart-Payments machen die Österreicher bereits „nebenbei“, und Mobilfunknetz wird es dort auch überall geben.

Anders in Deutschland, wo Kanzleramtschef Helge Braun gerade erst angekündigt hat, die Funklöcher auf dem Land zu schließen. Als ich Dienstagabend in Salzburg landete, der Fahrer mich nach Kitzbühel brachte und ich auf einmal keinen Empfang hatte – und ich mir dann dachte: Vielleicht ist es doch eine Täuschung, dass es in Österreich so viel besser ist. Vielleicht ist es mit den Bergen doch nicht so einfach (auch wenn das Problem ja eher in Deutschland entlang der A3 im Flachland ist) –, da sorgte der Fahrer schnell für Aufklärung: „Es wird gleich besser, wir sind gleich wieder in Österreich.“

Für die Nicht-Ortskundigen: Die Strecke von Salzburg nach Kitzbühel führt tatsächlich kurz durch Deutschland. Bei der Netzversorgung liegen wir in Deutschland hinter Ländern wie dem Libanon, Senegal oder Vietnam. Helge hat aber recht: Ein Problem ist das nicht, wir müssen es nur beheben wollen. Zwei Jahre soll es dauern ...

Damit ist klar: Es besteht dringend Nachholbedarf, um nicht die nächste Welle auch noch zu verschlafen. Berlin diskutiert zwar noch über die Risiken der Spionage aus China durch die Zusammenarbeit mit Huawei beim 5G-Netz, doch schlimmer wäre es, hier erneut den Zug zu verpassen. Und dies ist das wahre Problem der Bundesregierung in der Debatte über die „schwarze Null“: Es gibt keine wirkliche Agenda, wofür zusätzliche Milliarden ausgegeben werden sollen.

Immer wenn die Politik nicht mehr weiterweiß – übrigens einer der wenigen Vorwürfe, den man der Bundesregierung wirklich machen kann –, also immer wenn unklare und (technologisch) komplexe Zeiten herrschen, dann sollte man wenigstens in die Infrastruktur investieren!

In der alten Welt der aktuellen Paradigmen der Technologie waren und sind die USA Vorreiter. Das Silicon Valley und die – noch – führenden Unternehmen wie Google und Amazon treiben die Entwicklung voran, während Facebook trotz irre hoher Gewinne einen Fehler nach dem anderen macht und versucht, die Welt zu verstehen.

Worum geht es heute? Um Daten, Rechenzentren und Intelligenz. Die USA liefern sich dabei ein Duell mit China, doch das Immer-wieder-Hinschauen und Klauen und Kopieren kann nicht der Weg für Europa sein.

Bye-bye BlaBlaLand

Amazon hat bereits sein Mietmodell für Daten gelauncht. Rate mal, woher Unternehmen ihre Daten in Zukunft beziehen werden. Über Kunden, Branchen und Industrien zu rätseln gehört ins 20. Jahrhundert, heute hingegen geht es um Wissen.

Es ist also an der Zeit, sich von 3.0, 4.0, 5.0., Buzzwords und Plattitüden zu lösen und stattdessen kantische Vernunft einzusetzen und ein Verständnis für die neue Realität zu entwickeln.

In Europa sprechen wir über „Datenhoheit“ und „meine Daten“, dabei geht es gar nicht darum. Es ist kein endlicher Rohstoff. Es interessiert die großen Konzerne auch nicht, was du machst. Es geht generell um Daten.

Es gibt genug Menschen, die dir ähneln. Wenn du deine Daten nicht teilen magst, dann tue es nicht. Wenn aber Amazon „alle“ Daten als Mietmodell zur Verfügung stellen will und folglich die Antworten auf alle Fragen hat, dann wirst du dich zumindest dort anbinden und bedienen können für deine Zwecke. Alibaba macht an einem Tag (Singles’ Day) 500 Milliarden Kundentransaktionen. Auch sie haben genug Daten. Wer glaubt noch ernsthaft daran, es gehe heute um „mich“ und „meine Daten“?

Das Internet und die neue Realität sind nicht, was du willst. Es gibt kein Interesse an einer Personifizierung oder persönlichen Zuordnung der Daten, es geht um Verständnis und die Zuordnung von Intelligenz, damit deine Probleme und Wünsche besser gelöst werden können. Dafür werden die Unternehmen in Zukunft keine zusätzlichen Daten brauchen. Denn Google und Alibaba haben bereits jetzt schon genug Daten über ähnliche Menschen. So, dass sie dich besser einschätzen können als du dich selbst.

Die großen Datenbesitzer werden sich öffnen, Amazon hat bereits vergangene Woche damit begonnen. Der narzisstische Glaube an die eigenen Daten gehört der Vergangenheit an. Heute geht es um intelligente Problemlösungen für deine Probleme, basierend auf Wissen.

Ein endlicher Rohstoff wird es aber nie sein. Es gibt keinen „einen“ Besitzer. In der Welt der Zukunft wird es um die Unendlichkeit gehen – und damit um die unendliche Wiederverwendbarkeit und Optimierung und Nutzung der Daten. Daten und Wissen sind alles, aber so wertvoll wie „Öl“ sind sie deshalb nicht.

Der wahre Nutzen ist, aus beidem intelligente Rückschlüsse zu ziehen. Ich bin überzeugt: Halbgare Einschätzungen über Kunden von selbst ernannten „Experten“ und „Päpsten“ in den Unternehmen werden der Vergangenheit angehören. Denn heute müssen wir wissen und nicht nur einschätzen. Dies ermöglichen immense Datenpools durch Deep Learning und intelligente neue Technologien. Anders als das Öl werden Daten in Zukunft allen zugänglich gemacht.

Regierungsprojekt: Größtes Datencenter der Welt!

Meine Handlungsempfehlung an Deutschland ist deshalb: Baue das größte Datencenter der Welt, oder kündige sofort die 100-Megawatt-Anlage an. Es gibt dafür zwei mögliche Standorte (eine freie Fläche wird sich finden lassen):

  1. Hessen / Frankfurt am Main: Frankfurt ist bereits ein globaler Internetknoten und in Sachen Datencenter global spitze. Denn Deutschland steht dort dank des Investments von strategischen Unternehmen wie e-Shelter und Equinix gut da. 400 Millionen Euro werden von e-Shelter für das neue Center in Hattersheim investiert, die Firma Equinix expandiert in Berlin und baut ihre Hauptstrukturen in Frankfurt weiter aus. Frankfurt ist global Weltspitze, neben e-Shelter und Equinix finden wir Interxion, Telehouse, Global Switch, Itenos usw. Es ist ein zukünftiger Mining-Ort und Sammelpunkt durch Internetknoten und bereits getätigte Investitionen.

  2. Brandenburg: Werde zu Elon Musks Nachbar. Das Momentum ist da. Die Ankündigung des größten Rechencenters der Welt neben Teslas brandenburgischer „Gigafactory“ wäre auch ein Zeichen für Europa: Deutschland ist wieder da! Ein medialer Erfolg und ein „einfaches“ Projekt, um Deutschland auf der Karte zu platzieren.

Dies ist eine zahlbare und sichere Agenda für eine Partei und Politiker, die wirklich an Lösungen interessiert sind.

Möchte Deutschland wirklich dabei sein?

Wir wollen kein neues Öl. Wir müssen schauen, dass die Rohstoffe und die Energie günstig und nachhaltig sind. Das neue Center müsste sich somit selbst versorgen und wäre so ein Teil der perfekten Kreislaufwirtschaft in der Quantenwirtschaft. Damit könnte man auch die Debatte der Energiewende lösen. Einfach durch Handeln zeigen, wie es geht. Zur Atomkraft gibt es wenige Alternativen bei der CO2-Reduktion. Deshalb sind auch die „drei Is“, Ingenieurwesen, Innovationen und Investitionen, gefragt.

Lass uns träumen vom größten Datencenter der Welt – mit Platz für Mining. Deutschland stellt die Bühne, und die Welt kann bei uns tanzen. 

Für den Mittelstand und deutsche Unternehmen gilt in Zukunft: Was hast du, was intelligent ist? Das ist dein Asset – deine Intelligenz. Hole dir also von den großen globalen Anbietern die Daten, zahle einen Teil (Split), und setze deine intelligente Lösung auf dieser Basis auf. Danach löst du für die Menschen die Probleme und stellst deine Rechnung.

Und für die Bundesregierung wäre mein Auftrag: Baut den Quantencomputer und sammelt dafür alle klugen Köpfe aus Europa. Das wäre ein letztes Mammutprojekt von Angela Merkel. Als Physikerin ist die Zeit gekommen, ein letztes Abschlussprojekt wie dieses anzuschieben. Während IBM und Google noch diskutieren, ob der stärkste Computer 2,5 Tage oder 10.000 Jahre für die Berechnung der sinnlosen Zufallszahlen aus dem Durchbruch in Quantum Supremacy braucht, können wir nachrüsten.

Fakt ist: Die Quantencomputer kommen! Die Wall Street wird es in der Form von heute nicht mehr geben, und wir wissen, was Geschwindigkeit zum Beispiel bei Transaktionen für den Finanzstandort Frankfurt bedeutet. Es wird in Zukunft verdammt viel schneller gerechnet. Nicht von Menschen, sondern durch neue Technologie. Deutschland muss dabei Vorreiter sein!

Das weltgrößte Rechenzentrum (Deutschland-R) und der Europäische Quantencomputer (Europa-Q): Das wäre eine kraftvolle Agenda, die das Politikprojekt Gaia-X supplementieren könnte, damit Deutschland vorangehen kann – ein letztes Mammutprojekt für die Bundeskanzlerin? 

Für mich „Simple Math“ – politisches ABC und Wirtschaft der Zukunft für Anfänger. Auf geht’s!

Mehr: Der Tsunami der digitalen Revolution ist nicht vorüber, er steht noch bevor. Die biologische Intelligenz ist vom Aussterben bedroht, warnt Experte Anders Indset.

Anders Indset, von Medien als „Digitaler Jesus“ oder „Rock’n’Roll Plato bezeichnet, zählt zu den führenden Wirtschaftsphilosophen und gilt als vertrauter Sparrings-Partner für internationale CEOs und führende Politiker.

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