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Tijen Onaran

Expertenrat – Anders Indset Wir träumen mit Ursula von der Leyen den „European Dream“

Die EU kann nur durch Engagement der Superreichen und ohne egozentrisches Politik-Bla-Bla Supermacht werden. Es wurde genug geredet, jetzt müssen wir handeln.
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Drei starke Frauen, auch für Europa. Überträgt sich ihre Vision? Quelle: dpa
Annegret Kramp-Karrenbauer, Ursula von der Leyen, Angela Merkel

Drei starke Frauen, auch für Europa. Überträgt sich ihre Vision?

(Foto: dpa)

Sie hielt die Rede ihres politischen Lebens. Als Ursula von der Leyen neue EU-Kommissionspräsidentin geworden ist, war sie nicht „die Deutsche“ in Europa. Nein, sie war „Europäerin“ im besten Sinne, wie wir es sonst leider selten erleben: geboren in Brüssel, begann sie ihre Bewerbungsrede in Straßburg auf Französisch, um dann fließend zwischen Englisch und Deutsch hin und her zu wechseln. 

Ursula weckte die Hoffnung, dass sie es wirklich ernst meint mit dem „European Dream“.

Denn die EU hat ein Problem: die Sprache. Wenn die EU wirklich eine Größe in der Welt werden will, dann sollte sie in die duale Ausbildung investieren: Englisch, gefolgt von der Heimatsprache. Deutschland hat sich, was Englisch anbelangt, in den vergangenen 20 Jahren verbessert. Doch solange in Frankreich, Spanien und Italien kaum jemand der englischen Sprache mächtig ist, wird es nichts mit der Supermacht Europa. 

Die Chancen für Europa stehen gut, die Frage ist nur, in welche Richtung soll es gehen? Harte Führung wie in den USA und China, oder der „softe“ Weg? 

Die „Soft Skills“ sind im 21. Jahrhundert die wahren „Hard Skills“. Auch wenn bei keiner der beiden die politische Vergangenheit komplett rosig ist:  Eine Frau an der Spitze der Europäischen Zentralbank und an der Europäischen Union: Ist das vielleicht „The European Way“? 

Mahatma Gandhi stellte einst fest:  „Die Frau das schwächere Geschlecht zu nennen ist eine Verleumdung; es ist die Ungerechtigkeit des Mannes gegenüber der Frau. Wenn unter Stärke brutale Stärke verstanden wird, dann ist die Frau tatsächlich weniger grob als der Mann. Wenn unter Stärke moralische Kraft verstanden wird, dann ist die Frau unermesslich überlegen. Hat sie nicht größere Intuition, ist sie nicht aufopfernder, hat sie nicht größere Ausdauer und größeren Mut? Ohne sie könnte der Mann nicht sein. Wenn Gewaltfreiheit das Gesetz unseres Seins ist, ist die Zukunft mit der Frau.“ 

In der „neuen Welt“ brauchen wir vor allem moralische Kraft und ein moralisches Rahmenwerk für KI und im Umgang mit exponentiellen Technologien. Mit dem Einzug der Quantencomputer und der Entwicklung der Schnittstellen zu unserem Gehirn müssen wir sicherstellen, dass die richtigen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Wir benötigen dafür neue globale Institutionen. 

Wer an unser Gehirn darf und was mit ihm geschieht, sollte nicht Elon Musk alleine entscheiden. 

Dabei ist die Sprache nicht die einzige Hürde, die die EU nehmen muss. Die Frage ist: Kann die EU mit China und den USA in der Champions League spielen? 

Die Antwort lautet: „Ja!“ wenn sie aus ihren Grundlagen etwas Einzigartiges schafft. Es muss gelingen, einen eigenen Weg zu entwickeln. Nicht einen des Individualismus im Stil des „American Dreams“, bei dem das starke Ich alles alleine schaffen kann. Und auch nicht den des algorithmischen totalitären Regimes. 

„Globolia“ braucht keinen Nationalstaat

Der Fokus in Europa sollte auf dem Miteinander liegen. Ein Weg, den auch die neue zukünftige EU-Kommissionschefin aufgezeichnet hat. Wenn wir uns die Fakten anschauen und die historische Entwicklung, wird klar, Europa und die EU stehen nicht so schlecht da wie viele behaupten. 

Die Welt der Zukunft ist lokal und global, Kosmopolitismus und Lokalismus heißt das „Dream-Team“. Vergessen wir unsere Nationalstaaten-Ideologien, außer vielleicht im Stadion. Flagge zeigen und Patriotismus kann etwas Schönes sein und Identität verleihen.  Doch Nationalstaaten spielen in „Globalia“ wirtschaftlich keine Rolle. 

Wir können die kosmopolitische Entwicklung in Stockholm und Oslo förmlich spüren. Es sind Membrane, die in Zukunft Wachstum, Zugang und Verbindungen mit und zu Technologien und Menschen regeln werden. Auch wenn Norwegen kein EU-Staat und Schweden womöglich der größte Risiko-Kandidat für einen „SWEXIT“ mit Folgeschäden ist, können wir insbesondere in den skandinavischen Hauptstädten den ungeheuren Wandel beobachten und spüren. Dort sind wir in Sachen Zukunftsgestaltung in Europa weltweit führend. 

Ein weiteres Beispiel, bei dem Europa besser ist, ist unser Umgang mit Privatsphäre, Identität und Vertrauen. Die historische Entwicklung Frankreichs und Deutschlands ist einmalig. Eine solch rapide Entwicklung in grenzübergreifendem Vertrauen sucht ihresgleichen. Gemeinsame Abkommen zu schließen und das Miteinander zu regeln - mit Datenschutz und Privatsphäre, ohne Misstrauen - wird zum globalen Exportschlager. Ein Beispiel: Kalifornien möchte das belächelte und beschimpfte GDPR-Modell (General Data Protection Regulation) adaptieren. 

Die ganze Welt schaut auf Europa, denn viele sind beeindruckt, dass nach einer Geschichte voller Krieg ein Miteinander entstehen konnte - bei gleichzeitiger Bewahrung von Kultur und Identität. Wenn es trotz Preußischer Führung, machtbesessenen Streitkämpfen zwischen Brüdern und Schwestern in Skandinavien und trotz jugoslawischer Schlachtfelder gelungen ist, 25 Jahre in Frieden zu leben, müsste das doch sogar global möglich sein, oder? 

Auch beim Zahlen- und Faktencheck steht die EU im Vergleich zu den USA und China bestens da:

  • In der EU leben mehr Menschen als in den USA. Sie ist mit 512,6 Millionen Menschen nach China und Indien auf Platz 3 in der Bevölkerungszahl.
  • Beim GDP (Bruttoinlandsprodukt) liegt die EU nur knapp hinter den USA.
  • Acht der 20 größten Banken weltweit haben ihre Heimat in Europa.
  • Gemessen am Umsatz belegt USA unter den 50 größten Firmen mit 21 die Spitze, gefolgt von China und Europa mit 10.
  • Schauen wir uns die 2.000 größten globalen Firmen an, ist der Abstand zu den USA nicht mehr groß: 525 Firmen stammen aus den USA, 451 aus Europa und 301 aus China. 

Noch stärker steht Europa in Sachen Lebensstandard und Lebenserwartung da. In Europa steigt das erwartete Lebensalter nach 80 Jahren weiter (79 für Männer und 84 für Frauen - 2018), während in den USA der Trend der letzten Jahren negativ ist: mit 78 Jahren - Tendenz sinkend. In China liegt die Lebenserwartung bei rund 76 Jahren (2018). 

Auch bei den Mordraten liegen wir in Europa mit Norwegen (0,50 Mordfälle pro 100.000 Einwohner), Deutschland (1 pro 100.000) und EU-weit (3 pro 100.000) an der Spitze. Die USA hinken hinterher mit 5,6 pro 100.000. 

Einzig beim Glücks-Index, bei dem „The Danish Way“ oder „Happy like a Norwegian“ als Mustermodell gilt, besteht entgegen der Erwartungshaltungen Nachholbedarf. Denn zumindest was die Selbstmordraten anbelangt, sehen die Zahlen eher schlecht aus - besonders geprägt von Männern zwischen 45 und 60.  

Ein Plan für eine EU ohne Planwirtschaft 

Mit „Kleinbeträgen“ in Sachen KI und Blockchain, Daniel-Düsentrieb-Mentalität und Erfindergeist in Sachen Bio-Tech und Nano-Tech wird es allerdings nicht reichen, um dauerhaft an der Spitze zu bleiben. Soll es der EU gelingen, eine der drei „Supermächte“ zu werden und zu bleiben, müssen wir die Superreichen in Verantwortung nehmen. 

Risikobereitschaft und Technologie-Investments sind gefragt. Statt fünfstellige Summen in Start-Ups zu investieren lautet die Devise, in Milliarden zu denken und 100-Millionen-Tickets einzulösen. Statt „positiver Cash-Flow im zweiten Quartal“ und „Gewinne im zweiten Jahr“ muss es jetzt heißen: „Skalierbarkeit und Geschwindigkeit“. 

Anders Indset, von Medien als „Digitaler Jesus“ oder „Rock’n’Roll Plato bezeichnet, zählt zu den führenden Wirtschaftsphilosophen und gilt als vertrauter Sparrings-Partner für internationale CEOs und führende Politiker.

In Europa haben wir führende Wissenschaftler in Sachen Bewusstseinsforschung und auch in konzeptionellen Gedanken und bei der Entwicklung der Quanten-Technologien sind wir vorne mit dabei. Mit der Tradition der Dichter und Denker haben wir Fundamente, auf die wir zurückgreifen können. Sollte Immanuel Kant damit richtig liegen, dass perfekte Rationalität zu Vernunft führt, und sollten einige Wissenschaftler mit ihrer These richtig liegen, dass Bewusstsein durch integrierte Informations-Prozessierung entsteht, wäre eine super-intelligente Maschine möglich, die der Menschheit helfen würde, „die perfekte moralische“ Welt zu schaffen. Das geschieht aber nicht von alleine und wir sollten uns nicht blind darauf verlassen. Dafür müssen wir etwas tun. Denn zumindest Menschen sind – wie die Geschichte gezeigt hat – auch unmoralisch. 

Es bleibt somit ein Ausruf an Schwarzgeld-Päpste und öffentlichkeitsscheue Milliardärsfamilien: „Zeigt Euer Portemonnaie. It is all about U, about the EU.“ Denn wir brauchen dringend Technologieinvestitionen. 

Statoil als First Mover

Die Investitionen müssen in zirkuläre Technologie fließen, ein Modell der zirkulären Unendlichkeit aus, für und mit Europa. Wir brauchen nicht schärfere Emissionsziele, wir brauchen „Climate-Take-Back-Technologien“ und eine Mentalität des „wir schaffen das“ –  denn es muss und wird anders gehen. 

Ein erster Schritt folgte bereits im Juli mit dem ehemaligen Ölkonzern Statoil – jetzt Equinor – der den Zuschlag für 250 Meter hohe (dreimal höher als die Freiheitsstatue) vor der Küste New Yorks erhalten hat, um 500.000 Haushalte mit Energie zu versorgen. Es weht und dreht sich also derzeit etwas, wenn auch in kleinen Schritten.  

Sofortmaßnahmen sind und bleiben also: Investitionen in (exponentielle) Technologien und ein ganzheitliches Leitmodell für Europa - The European Way of Living! Mein Appell in diesem „Anders gedacht“ geht an Inhaber von Hidden Champions und Familienunternehmen und die Deutschen und Europäischen Superreichen. Zeigt Euch! Zeigt mir Euer Portemonnaie! Wir haben genügend Menschen, die Euch in der Öffentlichkeit und beim Investieren unterstützen können. 

Und meine zweite Bitte und Botschaft geht an Ursula von der Leyen, die so vielversprechend begonnen hat: Parteipolitik, egozentrisches Bla-Bla und Rollendenken wollen die EU-Bürger nicht mehr. Ebenso wenig wie bürokratischen Kokolores. Es wurde genug geredet und geschrieben, jetzt müssen wir handeln. 

Somit für die Juli-Ausgabe zusammengefasst: Tu Etwas! – An die Arbeit und einen schönen Sommer allerseits. Wir träumen mit Ursula den „European Dream“ und machen „The European Way of Living“ zum Exportweltmeister. 

Bis zum nächsten Mal
Anders

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1 Kommentar zu "Expertenrat – Anders Indset: Wir träumen mit Ursula von der Leyen den „European Dream“"

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  • Englisch als Business und Amtssprache und die lokale Sprache für die Kultur und Identifikation. In der IT Welt ist das schon längst durchgesetzt (Englisch mit indischem Akzent ;-)). Ich kenne keinen Konzern, wo in Meetings nicht Englisch gesprochen wird, weil ein non-native ist mindestens dabei. Die jungen Menschen sind dabei, ich denke auch in Frankreich, Italien und Spanien sind nicht die jungen Menschen das Problem (die Internet Generation). Aber die Ü40, die mauern doch sehr außerhalb gut qualifizierter Jobs. Gelingt Europa das Sprachenproblem zu lösen, dann schafft Europa alles. Die Freie Niederlassung und Job Suche macht mit einer Business Sprache erst Sinn.

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