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Verena Bentele

Expertenrat – Verena Bentele Deutschland muss sich die Hilfe von pflegenden Angehörigen etwas kosten lassen

Millionen Menschen in Deutschland pflegen Familienmitglieder oder Freunde unentgeltlich. Daran muss sich dringend etwas ändern – zum Beispiel durch „Pflegepersonengeld“.
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Pflegende müssen oft berufliche Abstriche machen. Quelle: dpa
Pflege

Pflegende müssen oft berufliche Abstriche machen.

(Foto: dpa)

Kennen Sie den größten „Pflegedienst“ Deutschlands? Nun, es sind die mehr als zwei Millionen Menschen, die ihre pflegebedürftigen Angehörigen unentgeltlich und unter Einsatz von viel Zeit und Kraft zu Hause pflegen. Viele privat Pflegende sind Frauen – die meisten von ihnen kümmern sich neben Familie und Beruf um ihre Verwandten, und das oft ohne die Hilfe eines ambulanten Pflegedienstes zu nutzen.

Es ist wenig überraschend, dass Pflegende körperlich und psychisch stark belastet sind. Dazu kommt, dass sie oft berufliche Abstriche machen und finanzielle Einbußen bei Einkommen und damit ihren späteren Renten in Kauf nehmen, um zu pflegen.

Auszeiten für die Pflege kann man nach der aktuellen Rechtslage nur über ein zinsloses Darlehen finanzieren. Dass dies kaum jemand macht, verdeutlichen Zahlen, die die Bundesregierung 2015 veröffentlicht hat und nach denen bundesweit nicht einmal 300 Personen ein solches Darlehen aufgenommen haben. Die geltenden Regeln für Pflegende ändern also an deren schwieriger Lage kaum etwas.

Dieser Zustand muss dringend geändert werden, die hohe Belastung privat Pflegender ist nicht hinnehmbar. Wie Pflegende wirklich entlastet werden können, zeigt der Sozialverband VdK in seinen beiden sozialpolitischen Konzepten zur Pflegepersonenzeit und zum Pflegepersonengeld.

Pate gestanden haben dabei die „Elternzeit“ und das „Elterngeld“ für Mütter und Väter. Die Analogien zu den Leistungen für Eltern sind nicht zufällig. Denn so wie bei der Betreuung von Kindern, leisten auch Menschen, die sich um Pflegebedürftige kümmern, eine gesellschaftlich unverzichtbare Arbeit. Und diese muss erleichtert und gefördert werden.

Im Konzept des VdK ist die Pflegepersonenzeit eine teilweise oder vollständige Freistellung von der Arbeit, auf die Pflegende einen Rechtsanspruch haben. Pflegende sollen sie also, anders als nach der aktuellen Gesetzeslage, unabhängig von der Betriebsgröße nutzen können. Das erweitert den Kreis der Anspruchsberechtigten.

Dabei dürfen Pflegende sich pro Pflegebedürftigen, um den sie sich kümmern, drei Jahre und damit länger als bisher, freistellen lassen. Diese Freistellung können auch Menschen nutzen, die sich nicht nur um Angehörige, sondern auch um Freunde oder Nachbarn kümmern. Denn das entspricht heutigen gesellschaftlichen Strukturen und zwischenmenschlichen Beziehungen.

Eine der Bedingungen, die man erfüllen muss, um die Pflegepersonenzeit in Anspruch zu nehmen, ist, dass der Pflegebedürftige, um den man sich als Pflegender kümmert, einen Pflegegrad von mindestens zwei hat. Weitere Kriterien kommen dazu.

Lohnersatzleistung für Pflegende
Pflegende, die Anspruch auf die Pflegepersonenzeit haben, sollen eine Lohnersatzleistung erhalten, analog dem „Elterngeld“. Diese Leistung heißt im VdK-Konzept „Pflegepersonengeld“. Das Pflegepersonengeld soll aus Steuermitteln finanziert werden. Nach den Berechnungen des VdK sind dies Kosten in Höhe von 4,3 Milliarden Euro pro Jahr.

Deutschland ist ein reiches Land und kann, nein, muss sich die Unterstützung Pflegender auch etwas kosten lassen. Jeder Mensch hat das Recht auf gute Pflege, und Pflegende wiederum haben ein Recht auf gute Unterstützung. An ihr darf nicht gespart werden.

Verena Bentele ist seit 2018 Präsidentin des Sozialverbands VdK, dem mit 1,9 Millionen Mitgliedern größten Sozialverband in Deutschland. Zuvor war sie Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderung.

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