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Verena Bentele

Expertenrat – Verena Bentele Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – Das muss in Deutschland endlich Realität werden

Einmal im Jahr empört sich Deutschland über die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen. Was ändert sich? Nichts! Es darf nicht so weitergehen.
3 Kommentare
Noch immer gibt es eine große Lohndivergenz zwischen Männern und Frauen. Quelle: AFP
Frau fordert gleiche Bezahlung der Geschlechter

Noch immer gibt es eine große Lohndivergenz zwischen Männern und Frauen.

(Foto: AFP)

Zwar ist der diesjährige Equal Pay Day vorbei, also der Tag im Jahr, an dem die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen thematisiert wird. Aber ich schreibe trotzdem über ihn.

Denn ich finde es zu empörend, dass zum Beispiel im Jahr 2018 der allgemeine Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern – also der unbereinigte Gender Pay Gap – im Vergleich zum Vorjahr mit 21 Prozent unverändert hoch geblieben ist. Das zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamts.

Ich möchte nicht, dass wir alle uns nur einmal im Jahr am 18. März über die ungleichen Löhne und Gehälter zwischen den Geschlechtern aufregen und sie ansonsten hinnehmen. Die Ablehnung von Ungleichheit darf nie zum bloßen Ritual werden.

Gleiche Bezahlung muss Realität werden

Nein, die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern für die gleiche Arbeit ist immer skandalös. Wir dürfen sie nicht akzeptieren, die anhaltende geschlechtsabhängige Lohn- und Gehaltszahlung muss ein Ende haben. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit - das muss in Deutschland endlich Realität werden.

Frauen leisten den Hauptanteil an der sogenannten Reproduktionsarbeit, also der gesellschaftlich notwendigen Pflege-, Erziehungs- und Betreuungsarbeit, die unbezahlt ist. Daher trifft die Lohnlücke gerade diese Frauen besonders hart.

Verena Bentele ist seit 2018 Präsidentin des Sozialverbands VdK, dem mit 1,9 Millionen Mitgliedern größten Sozialverband in Deutschland. Zuvor war sie Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderung.

Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass die Armut in Deutschland viel zu oft weiblich ist. Teilzeitbeschäftigung, geringe Bezahlung oder Arbeitslosigkeit prägen die Erwerbsbiografien vieler Frauen und sind Gründe für ihre Armut im Alter.

Denn klar ist: Niedrige Löhne führen zu niedrigen Renten. Um gegen die Altersarmut von Frauen vorzugehen, muss man an vielen Stellschrauben drehen.

Frauen nicht in prekäre Jobs „abschieben“

Wichtig ist vor allem, Frauen Chancen auf sichere und gut bezahlte Arbeitsstellen zu geben und sie nicht in prekäre Beschäftigungen wie Minijobs oder Teilzeitjobs „abzuschieben“. Dazu muss dringend die Vereinbarkeit von Beruf, Kindererziehung und Pflege verbessert werden.

Zum Beispiel durch den noch intensiveren Ausbau der Kinderbetreuung in Kitas, durch vernünftige Nachmittagsbetreuung in Schulen oder durch staatlich finanzierte Auszeiten für die Pflege anderer Menschen. Dies könnte durch das vom VdK vorgeschlagene Konzept der Pflegepersonenzeit und des Pflegepersonengelds möglich werden.

Wir fordern am 18. März, heute und an allen übrigen Tagen des Jahres auch: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, ohne Wenn und Aber. Eine Gesellschaft kann nur unter der Mitwirkung aller Frauen und Männer funktionieren und dafür lohnt es sich zu kämpfen.

 

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3 Kommentare zu "Expertenrat – Verena Bentele: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – Das muss in Deutschland endlich Realität werden"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Es gibt ein etwas einfältiges Argument der Arbeit(ver)geber, das lautet: Je mehr fähige Bewerber bei mir vor der Tür stehen, umso besser für mich. Gerade erleben wir wieder eine solche Werbeaktion, bei der junge Frauen für ein „Erwerbsleben“ gewonnen werden sollen. Das Leben einer Frau ist aber vielfältiger und gelingt meist abseits des Erwerbs sehr viel erfüllter, wenn sie ihrer Berufung wirklich folgen kann. Es gelingt in unserer gesteuerten Öffentlichkeit nur schwer, dieser Art Berufs-Leben ein Bild zu geben.

  • Dumme Unternehmer!

    Warum beschäftigen Unternehmer so viele teure Männer, wenn es doch Frauen gibt, welche die gleiche Arbeit für viel weniger Lohn erledigen? Da sieht man, wie dumm die Unternehmer sind! Bezahlen einfach zu viel, nur weil es Männer sind. (Achtung: Text enthält Ironie!)

  • Das ist vollkommen richtig. Aber die öffentliche Argumentation mit den 21% darf dafür nicht die Grundlage sein. Man muß nicht den Durchschnitt über alles nehmen (inklusive Vollzeit/Teilzeit), sondern exakt die gleichen Beschäftigungsverhältnisse vergleichen. Da sind das nämlich nur noch 7%. Die sind dann tatsächlich zu viel und nicht gerechtfertigt.