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Verena Bentele

Expertenrat – Verena Bentele Österreich ist ein Vorbild für unser Rentensystem

Die Renten österreichischer Senioren liegen rund 54 Prozent höher als die deutscher Rentner. Wir sollten von unseren Nachbarn lernen.
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Im Gegensatz zu den Menschen in Österreich haben in Deutschland viele Angst vor Altersarmut. Quelle: dpa
Ältere Spaziergänger in einer Allee

Im Gegensatz zu den Menschen in Österreich haben in Deutschland viele Angst vor Altersarmut.

(Foto: dpa)

Die Bundesregierung hat gerade den Rentenpakt verabschiedet. Er enthält viele gute Vorhaben und ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Aber in seiner jetzigen Form genügt der Rentenpakt nicht, um die gesetzliche Altersvorsorge langfristig zu stabilisieren. Die Menschen in Deutschland haben ein Recht darauf, sich auf eine sichere Rente zu verlassen.

Diese Stabilisierung ist deshalb wichtig, weil bei Weitem nicht alle Arbeitnehmer die finanziellen Mittel aufbringen können, um privat für ihr Alter vorzusorgen. Sehr viele Beschäftigte sind also auf das gesetzliche Rentensystem angewiesen.

Daher reicht es nicht, das Rentenniveau nur bis zum Jahr 2025 bei 48 Prozent zu stabilisieren. Ziel muss es sein, das Rentenniveau über das Jahr 2025 hinaus dauerhaft auf 50 Prozent anzuheben, damit die Rentner auch in Zukunft an der Lohnentwicklung teilhaben.

Machbar ist das, wie unser Nachbarland Österreich zeigt. Zwar gibt es Unterschiede zwischen den beiden Systemen – Österreich hat zum Beispiel eine Mindestrente und man muss dort 15 Jahre in die Rentenkasse einzahlen, bis man Leistungen daraus beziehen darf statt fünf wie in Deutschland. Dennoch kann man sich einiges vom Rentensystem unseres Nachbarn abschauen.

Altersarmut geringer

Österreichs Rentner brauchen vor Altersarmut kaum Angst zu haben, denn die Durchschnittsrenten liegen dort bei rund 1380 Euro netto. Deutsche Senioren hingegen müssen mit viel weniger auskommen, nämlich mit durchschnittlich 857 Euro im Monat.

Das macht einen Unterschied von 54 Prozent in der Höhe der regulären Rente. Von 857 Euro kann man ein Leben in Hamburg oder München kaum bezahlen. Miete, Essen, Kleidung, kulturelle Teilhabe oder unvorhergesehene Ausgaben wie ein neuer Kühlschrank bringen viele Rentner in Deutschland in Not.
Auch Erwerbsminderungsrentner, also Arbeitnehmer, die ihren Beruf wegen einer Krankheit vorzeitig aufgeben müssen, sind in Österreich besser abgesichert. Demgegenüber sind fast 15 Prozent der deutschen Erwerbsgeminderten auf Grundsicherung angewiesen. Wie erklären sich diese Unterschiede?

Deutschland gab 2001 mit seiner damaligen Rentenreform das Ziel der Lebensstandardsicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung auf und senkte das Leistungsniveau der Rente langfristig ab. Lücken in den Renten der Arbeitnehmer sollten Produkte der privaten Altersvorsorge schließen.

Österreich hingegen hat sozialpolitisch nie das Ziel der Lebensstandardsicherung aufgegeben. Konsens ist, dass Rentner auch im Alter den Lebensstandard haben sollten, den sie als Arbeitende hatten. Zusätzliche, geförderte private Altersvorsorge ist in Österreich unbekannt.

Um den Lebensstandard auch im Alter zu sichern, liegen die Rentenversicherungsbeiträge in Österreich um rund 4,1 Prozent höher als bei uns, also bei 22,8 Prozent des Bruttogehalts. Die Arbeitgeber übernehmen davon rund zwei Prozent mehr als die Arbeitnehmer.

Erwerbstätigenversicherung: Alle zahlen ein

Ein weiterer Unterschied zum deutschen Rentensystem ist, dass alle Erwerbstätigen in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen, auch Selbstständige. Die Höhe der Pensionen von Beamten orientiert sich in Österreich an der der Renten.

In Deutschland brachte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil vor einiger Zeit die Idee eines Rentensystems in die Debatte, in das auch andere Berufsgruppen als Arbeitnehmer einzahlen. Eine solche Erwerbstätigenversicherung befürwortet auch der Sozialverband VdK. Danach sollten alle Erwerbstätigen verpflichtend in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen.

Die Vorteile einer Erwerbstätigenversicherung liegen auf der Hand: Sie ist eine Möglichkeit, die Rentenversicherung langfristig auf eine stabile und nachhaltige Finanzierungsbasis zu stellen und damit die Zukunftsfähigkeit des Systems zu garantieren. Eine Erwerbstätigenversicherung ist auch ein Gebot der sozialen Gerechtigkeit.

Denn es ist der Bevölkerung nicht vermittelbar, dass beispielsweise verbeamtete Lehrer eine deutlich bessere staatliche Absicherung im Alter erhalten als angestellte Lehrer. Hier besteht dringend Handlungsbedarf, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.
Und: Die Menschen wollen generationenübergreifend darauf vertrauen, dass sie nach jahrzehntelanger Arbeit eine ordentliche Rente erhalten und nicht in die Altersarmut abstürzen.

Verena Bentele ist seit 2018 Präsidentin des Sozialverbands VdK, dem mit 1,9 Millionen Mitgliedern größten Sozialverband in Deutschland. Zuvor war sie Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderung.

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