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Verena Bentele

Expertenrat – Verena Bentele Wie die Überschüsse der Krankenkassen genutzt werden sollen

Die Rücklagen der gesetzlichen Kassen sind 2018 auf 21 Milliarden Euro angewachsen. Dieses Finanzpolster sollte zum Wohl der Versicherten verwendet werden.
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Die Rücklagen der gesetzlichen Krankenkassen betrugen im vergangenen Jahr 21 Milliarden Euro. Quelle: dpa
Elektronische Gesundheitskarte

Die Rücklagen der gesetzlichen Krankenkassen betrugen im vergangenen Jahr 21 Milliarden Euro.

(Foto: dpa)

Die gesetzlichen Krankenkassen haben in den vergangenen Jahren hohe Rücklagen angesammelt. Ende 2018 lagen sie bei 21 Milliarden Euro. Als diese Zahlen im vergangenen Dezember bekannt wurden, entbrannte eine Diskussion über die Verwendung der Überschüsse, die bis heute andauert.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn schlug vor, das Geld zu nutzen, um die Zusatzbeiträge in der Krankenversicherung zu senken. Das ist bislang nicht passiert, was gut ist, denn es gibt viel konstruktivere Wege im Umgang mit den Rücklagen als damit Beiträge zu senken – oder sie zu horten, wie es aktuell die Krankenkassen tun.

Zunächst muss man sehen, woher die hohen Überschüsse der Kassen kommen: Sie sind auch eine Folge des unternehmerischen Handelns der einzelnen Krankenkassen und ihres Wettbewerbs untereinander. In dieser Konkurrenzsituation häufen vor allem diejenigen Kassen hohe Rücklagen an, die das komplexe Gesundheitssystem zu ihrem Vorteil zu nutzen verstehen.

Wettbewerb nutzt Versicherten wenig

Von dieser Konkurrenz hat die Gesamtheit der Versicherten aber wenig, es ist zweifelhaft, ob sie die gesundheitliche Versorgung insgesamt verbessert. Ein Beispiel: Nach wie vor genehmigen die Kassen Leistungen wie etwa Hilfsmittel sehr restriktiv.

Versicherte müssen oft einen regelrechten Kampf gegen die Kassen führen, um Sitzkissen für ihre Rollstühle oder orthopädische Schuhe bezahlt zu bekommen, also Dinge, die eine ganz selbstverständliche Leistung sein sollten.

Anbringen ließen sich in dieser Richtung noch viele Beispiele. Es ist klar: Ein Wettbewerb, der nicht primär zugunsten der Versicherten ausgetragen wird, bringt keinen Vorteil mit sich und ist daher wenig sinnhaft.

Miteinander konkurrierende gesetzliche Krankenkassen sollte es deshalb nicht weiter geben. Stattdessen sollte man die Zahl der Krankenkassen stark reduzieren. Im Grunde genommen brauchen wir nur eine einzige Kasse, um die Gesundheitsversorgung der Versicherten zu organisieren und diese bedarfsgerecht sowie qualitativ hochwertig zu gestalten.

Geld in die Prävention stecken

Allerdings ist dies in Teilen auch jetzt schon möglich, und damit komme ich auf den Ausgangspunkt zurück: Wie sollte man aktuell die Überschüsse der Krankenkassen verwenden? In jedem Fall ist das Geld für die Versicherten und für bessere Leistungen zu nutzen.

Wir müssen dringend für bessere und leichter zugängliche Heil- und Hilfsmittel wie Brillen oder Hörgeräte sorgen ebenso wie für die Sicherstellung der Gesundheitsversorgung in schlecht versorgten Regionen und für Barrierefreiheit im Gesundheitswesen. In diesen Bereichen ist noch viel zu tun und zu optimieren.

Darüber hinaus sollten wir die Ausgaben für Prävention und Rehabilitation deutlich erhöhen. Es muss ein zentrales gesundheitspolitisches Anliegen sein, Krankheiten zu vermeiden und ihre Folgen abzumildern, was bislang viel zu wenig getan wird.

So sehen die Kassen für Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen aktuell pro Versichertem und Jahr 1,50 Euro vor. Es wäre für die Kassen ein Leichtes, diesen Betrag auf ein vernünftiges Niveau zu heben und andere Leistungen zu verbessern – angesichts der 21 Milliarden Euro Rücklagen, die derzeit bei den Krankenkassen liegen.

Verena Bentele ist seit 2018 Präsidentin des Sozialverbands VdK, dem mit 1,9 Millionen Mitgliedern größten Sozialverband in Deutschland. Zuvor war sie Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderung.

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