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Verena Bentele

Expertenrat – Verena Bentele Wie intelligente Maschinen die Pflege besser machen können

Auch wenn Menschen die Vorstellung seltsam finden: Roboter können in der Pflege viel Gutes bewirken. Doch auch hier ist darauf zu achten, wie sie eingesetzt werden.
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Hilfe in der Pflege. Quelle: dpa
Roboter-Robbe Paro

Hilfe in der Pflege.

(Foto: dpa)

Künstliche Intelligenz ist eine Generationenfrage. Deshalb greift die Frage, ob sie mehr nützt als schadet, zu kurz, denn sie wird der Komplexität des Themas nicht gerecht.

Auch ist ihre Beantwortung relativ. So haben zum Beispiel viele Pflegebedürftige heute ein mulmiges Gefühl bei der Vorstellung, von einem Roboter gepflegt zu werden. Doch in 30 Jahren werden sich die Akzeptanz und der Umgang ihnen sehr verändert haben. Menschenähnliche Maschinen werden dann ein selbstverständlicher Teil des Alltags in Krankenhäusern, Pflegeheimen und vielleicht auch zu Hause sein.

Wir wissen alle, dass die Pflege in einem sehr verbesserungswürdigen Zustand ist. Der Einsatz von Robotik und Künstlicher Intelligenz könnte die Situation vielfach verbessern.

So könnten mit Künstlicher Intelligenz ausgestattete Roboter den Alltag von Pflegern erleichtern, indem sie ihnen einfache Assistenztätigkeiten, Routinearbeiten oder Dokumentationspflichten abnehmen oder sie zumindest darin unterstützen. So bliebe den Pflegekräften wieder mehr Zeit für originär pflegerische Aufgaben.

Die (Rück-)Besinnung auf die Kernkompetenz der Pflegefachkräfte könnte den Pflegeberuf als solchen auch wieder attraktiver machen und mithelfen, dem Fachkräftemangel in diesem wichtigen Bereich entgegenzuwirken.

Bislang kommen in Pflegeheimen aber weniger Roboter zum Einsatz, die Fachkräften unterstützen, als vielmehr „Unterhaltungs-Roboter“ wie die Roboter-Robbe Paro. Paro soll die Bewohner in erster Linie unterhalten, aktivieren und emotional berühren.

Demenzkranke, die aufgrund ihrer Krankheit häufig in sich gekehrt sind, sollen dadurch beruhigt oder zum Sprechen animiert werden. Ein Vorteil von Pflegerobotern wie diesem ist ihre Steuerbarkeit: Demenzpatienten sind häufig unruhig, aber Paro lässt sich von nichts aus der Ruhe bringen. 

Darüber hinaus könnten Roboter in der Pflege als interkulturelles Verständigungsmedium dienen. Sie könnten übersetzen, wenn sich Pflegekraft und Pflegebedürftiger nicht verständigen können oder Angehörigen, denen das Gesundheitssystem eines Landes nicht vertraut ist, Fragen beantworten.

Verena Bentele ist seit 2018 Präsidentin des Sozialverbands VdK, dem mit 1,9 Millionen Mitgliedern größten Sozialverband in Deutschland. Zuvor war sie Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderung.

Neben dem Einsatz im Pflegeheim können intelligente Maschinen auch bei pflegebedürftigen Menschen zu Hause eingesetzt werden. Sie könnten dazu beitragen, dass Menschen im Alter und bei Pflegebedürftigkeit länger selbstständig und selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden wohnen und in der gewohnten Umgebung bleiben können.

Bei aller vielleicht angebrachten Euphorie angesichts von Künstlicher Intelligenz und Robotik in der Pflege darf man die Probleme und Gefahren nicht außer Acht lassen. Klar ist, dass Pflegeroboter menschliche Pflegekräfte niemals ersetzen können, vor allem nicht die direkte Interaktion zwischen ihnen. Technik kann die Arbeit zwar sinnvoll unterstützen, aber wirklich menschenwürdige Pflege gibt es nur von Mensch zu Mensch.

Technischer Fortschritt entbindet die Politik und die Gesellschaft keineswegs von ihrer Pflicht, sich um ihre alten und pflegebedürftigen Gesellschaftsmitglieder in würdevoller und angemessener Weise zu kümmern. Deshalb müssen sowohl für die Pflegebedürftigen selbst als auch für die Pflegekräfte die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Durch bessere Bezahlung, eine ausreichende Personalausstattung und bessere Fortbildungschancen kann der Pflegeberuf attraktiver gestaltet werden.

Dann würden sich auch mehr Menschen für einen Beruf in der Pflege entscheiden, was insbesondere vor dem Hintergrund des demografischen Wandels dringend nötig ist.

Den Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Pflege müssen wir kritisch und kontrovers diskutieren – dazu braucht es eine breite gesellschaftliche Debatte. Vor allem von politischer Seite müssen Betroffene und ihre Interessensvertreter einbezogen werden.

 

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