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Christoph Bornschein

Expertenrat – Christoph Bornschein Check24 kann eine hochautomatisierte, hochstandardisierte Bank werden

Das Vergleichsportal weiß, was bei Banken bislang nicht funktioniert hat. Mit diesem Wissen kann Check24 einen eigenen effizienten Markt aufbauen.
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Das Vergleichsportal geht mit dem Antrag auf eine Vollbanklizenz aufs nächste Level. Quelle: dpa
Vergleichsportal Check24

Das Vergleichsportal geht mit dem Antrag auf eine Vollbanklizenz aufs nächste Level.

(Foto: dpa)

Bunt sind schon die Wälder, gelb die Stoppelfelder, und der Herbst beginnt. Wir befinden uns am Ende eines Sommers, der im Zeichen von Check24 stand. Auch wenn wir durch die Dominanz des Vergleichsportals in Werbemedien und Googleergebnissen an seine Dauerpräsenz gewöhnt sind: Die Ausschläge der letzten Monate sind in Zahl und Qualität etwas besonderes.

Mit null Prozent Provision griff im Juli etwa das Versicherungsstartup Gonetto Check24 an. Im August startete die Fintech-Plattform Finleap ihren Check24-Herausforderer, co-kapitalisiert vom Global Voyager Fund des chinesischen Versicherungsriesen Ping An. Ebenfalls im August genehmigte die Bafin den Start des Check24-Kontomanagers und damit die Positionierung als Finanzdienstleister.

Der Markt für Kundenberatung ist, so könnte man meinen, in Bewegung. Wohin er sich bewegen kann, sieht man seit dem 5. September: Check24 geht mit dem Antrag auf eine Vollbanklizenz aufs nächste Level.

Kundenkontakt und Marge haben Vergleichsportale den Banken bereits genommen, nun zielen sie auf den ganzen Markt. Dabei ist Check24 den spezifischeren Vergleichsportalen in seinem Rücken einen wesentlichen Schritt voraus.

Wäre ich eine Bank, ich würde unbedingt nach Strohhalmen greifen: Auf die Ungewissheit der Check24-Performance verweisen, meine jahrelange Tradition, meinen Kundenbestand und das lange aufgebaute Vertrauen betonen. Ich würde wie Stefan Bachmann, Vorstand der JDC-Group, direkt vorrechnen, wie Banken nun zurückschlagen und ihrerseits als Versicherungsbroker Check24 angreifen sollten. Und würde damit das Problem gleichzeitig benennen und ignorieren.

Denn ja, es gibt Kunden, die nicht vergleichen, und ja, in einer Niedrigzinsphase und bedrängt von attraktiven Wettbewerbern kann man denen sicher noch eine weitere Gebühr, eine weitere Provision zumuten. Aber Vertrauen ist eine endliche Ressource.

Zusammenarbeit von Volksbanken und Sparkassen wirkt wie Notwehr

Sehen wir’s ein: Check24 hat das Zeug dazu, eine hochautomatisierte, hochstandardisierte Bank zu werden. Sie wissen ganz genau, was bei Banken bislang nicht funktioniert hat – und können mit diesem Wissen, ohne die Last einer Filialbanktradition und mit einer Markenbekanntheit auf dem Level von Volkswagen und Telekom einen eigenen effizienten Markt aufbauen. Und das durchaus auch in der Fläche, mit Beratern vor Ort an sinnvollen Standorten.

Da dreht sich die Digital/Analog-Logik ebenso um wie in anderen Branchen: erst der Angriff über die Plattformen, das Gefangenendilemma als B2B-Akquisetool, flankiert vom überlegenen digitalen Kundenerlebnis, dann präzise physische Präsenz dort, wo klar identifizierte, sauber über die Customer Lifetime sortierte Kunden ihre Baufinanzierung erklärt haben möchten. Das Muster ist bekannt: Check24 wird das Amazon der Dauerschuldverhältnisse.

So sollte es niemanden überraschen: Der Druck auf Strukturen und Geschäftsmodelle, die sich über Jahrzehnte vor allem als Lösung für eine Marktineffizienz und als Monetarisierung einer Marktintransparenz entwickelt haben, wächst auch im Finanzsektor.

Effiziente und transparente Märkte werden Gemeingut, Standardisierung und Konsolidierung werden Pflicht. Dass Volksbanken und Sparkassen im ländlichen Bereich zukünftig zusammenarbeiten wollen, wäre vor Jahren als smarter Schritt durchgegangen. Heute wirkt er wie Notwehr.

Kostenreduzierung, Kooperationen, Abbau im Verwaltungsapparat – es gibt für Banken und Sparkassen viele Lösungsansätze. Doch am drängendsten stellt sich die Frage, wie Geldinstitute Kundenvertrauen aufbauen, pflegen und nachhaltig monetarisieren können, wie sie ihre Kunden ernst nehmen und in ihnen mehr als eine Notration sehen. „Wir verkaufen jetzt auch Versicherungen“ wird es nicht werden. Kühler weht der Wind.

Mehr: Deutschland führt eine hitzige Diskussion um die E-Scooter. Aber wann will man sich um tatsächlich wichtige Projekte wie die Nachhaltigkeit kümmern?

Christoph Bornschein ist Mitgründer der Agentur Torben, Lucie und die gelbe Gefahr (TLGG), die sich auf Digitale Business spezialisiert hat und mehrere Dax-Konzerne berät.

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