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Christoph Bornschein

Expertenrat – Christoph Bornschein Deutschland muss seine Zukunft sichern, nicht die Vergangenheit

Unternehmen übereinanderstapeln, damit sie am Weltmarkt größer aussehen? So sieht keine Industriepolitik aus, die die Märkte von morgen im Blick hat.
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Während andere Länder neue Märkte erschließen, versucht Deutschland, seine alten Industrien zu erhalten. Quelle: AFP
Besucher des Mobile World Congress in Barcelona

Während andere Länder neue Märkte erschließen, versucht Deutschland, seine alten Industrien zu erhalten.

(Foto: AFP)

Der Vorwurf an den Herausforderer hatte es in sich: „Profite aus China“ seien ihm wichtiger als die „Sicherheit Amerikas“. Kaum einen Tag nachdem das House Intelligence Committee im Herbst 2012 Huawei zu einem Sicherheitsrisiko für die USA erklärt hatte, war der chinesische Konzern zum Wahlkampfthema geworden. Amtsinhaber Barack Obama gegen Mitt Romney, dessen Investmentfirma Bain Capital die Verbindung nach China war.

2019 debattiert Deutschland, ob und inwieweit man das mutmaßliche Sicherheitsrisiko Huawei als günstigen 5G-Experten kritische Infrastruktur bauen lässt. Änderungen des Telekommunikationsgesetzes werden dabei ebenso erwogen wie neue Transparenzanforderungen an Software und Schnittstellen, die an Patentrechte rühren. All das unter gewaltigem Zeitdruck: Eine Entscheidung gegen Huawei bedeutet den Aufschub des 5G-Projekts – wir brauchen eine Lösung also eher gestern als heute.

Hier kommen viele Fragen und Konflikte zusammen – unser Verhältnis zu China und zu den USA, unsere Perspektive auf Sicherheit und die Relevanz digitaler Infrastruktur. Vor allem aber belegt die auf Jahre der Lethargie folgende Hektik, wie groß die deutschen Probleme mit vorausschauender und prozyklischer Industriepolitik sind.

Wir versuchen es ja. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat einen Entwurf einer nationalen Industriestrategie vorgelegt, erkennbar bemüht, staatliche Intervention und soziale Marktwirtschaft zusammenzubringen. Ziel ist es, bestehende Erfolgsbranchen gegen Angriffe von außen zu schützen und sie global wettbewerbsfähig zu machen.

Wie das konkret aussieht, zeigen die jüngst gescheiterten Bemühungen von Altmaier und seinem französischen Amtskollegen Bruno Le Maire, die Zugspartenfusion von Siemens und Alstom gegen europäisches Wettbewerbsrecht durchzusetzen. Ein ganz ähnliches Modell schwebt offenbar auch Olaf Scholz vor, der die Fusion von Deutsche Bank und Commerzbank im Auge hat – „too big to fail“ offenbar als Garantieversprechen verstehend.

Wir stapeln Unternehmen übereinander, damit sie am Weltmarkt größer aussehen? Die kleinen Strolche hätten gern ihre Ideen zurück.

Es ist sicher nicht falsch, bestehende Industrien zukunftsfest zu machen. Doch müsste sich ein Wirtschaftsminister nicht verstärkt mit der Frage beschäftigen, was die Industrien von morgen sind? Dass 5G kritische Infrastruktur ist, hätte man vor Jahren wissen können. Dass Zahlungsverkehr ein strategisches Thema ist, das Paypal und Alipay längst bearbeiten, könnte man jetzt wissen.

Doch von der Ladesäule bis zur Plattform für das IoT (Internet of Things) bekommt der Industrieweltmeister Deutschland die Wertschöpfungsmodelle und Märkte der Zukunft nicht in den Griff. Und versucht stattdessen, tagesaktuellen Herausforderungen mit übers Knie und Gesetz gebrochenen Maßnahmen beizukommen.

Mitte Februar stieg derweil der chinesische Konzern Alibaba beim Münchner IoT-Start-up Konux ein, das damit einen großen Schritt auf dem Weg zur führenden Plattform für crossfunktionale Sensoren geht. Ein für den chinesischen E-Commerce-Riesen ungewöhnliches Investment, heißt es, aber offenbar ein noch ungewöhnlicheres für die europäische Industrie und Industriepolitik.

Wir entwickeln Märkte von gestern, nicht Märkte von morgen. Doch eine Strategie kann kein Programm zur Bewältigung der Vergangenheit sein. Und das nächste Huawei wird nicht lange auf sich warten lassen.

Christoph Bornschein ist Mitgründer der Agentur Torben, Lucie und die gelbe Gefahr (TLGG), die sich auf Digitale Business spezialisiert hat und mehrere Dax-Konzerne berät.

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