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Christoph Bornschein

Expertenrat – Christoph Bornschein Nachhaltigkeit funktioniert nicht ohne Digitalisierung

Deutschland führt eine hitzige Diskussion um die E-Scooter. Aber wann will man sich um tatsächlich wichtige Projekte wie die Nachhaltigkeit kümmern?
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Ein Tourist aus Wuppertal (NRW) fährt auf einem E-Roller durch Berlin-Mitte. Quelle: dpa
E-Tretroller im Straßenverkehr

Ein Tourist aus Wuppertal (NRW) fährt auf einem E-Roller durch Berlin-Mitte.

(Foto: dpa)

Ich bin ein großer Fan der E-Scooter-Diskussion, die meine Heimatstadt Berlin derzeit bewegt. In der Aufregung um die insgesamt knapp 5000 Roller, mit denen sich die vier ersten Anbieter im Inneren der Stadt breitgemacht haben, steckt alles drin, was guter Digitalisierungsdiskurs braucht: Verkehrswende, Energiewende, neue Geschäftsmodelle, neue Arbeitswelt, jede Menge Schulterzucken.

Außer den elektrisiert über den Pariser Platz eiernden Touristen sind sich die meisten zwar einig darin, die aktuelle Situation nicht ganz ideal zu finden. Wie man ihr aber beikommt, wer hier zuständig ist, welche Instrumente anzuwenden sind, wo man anfängt – man weiß es nicht.

Wenn wir nun aber an 5000 Rollern verzweifeln, wie sehen dann eigentlich unsere Ideen für den Rest des Individualverkehrs so aus? Wie zum Beispiel die für die 47 Millionen in Deutschland gemeldeten Pkw? Wie soll das wichtige Projekt „Nachhaltigkeit“ denn nun wirklich gesamtgesellschaftlich umgesetzt werden? Sicher nicht mit der kohlegestützten Elektrifizierung des Flanierens.

Club of Rome, Fridays for Future, Rezo und Al Gore – „Nachhaltigkeit“ liegt dauerhaft auf Wiedervorlage. Man müsste sich mal kümmern, bekommt die Punkte nicht verbunden. Denn ja: Nachdenken über Nachhaltigkeit ist Nachdenken über Digitalisierung.

Im Grunde geht es ja um optimierte Ressourcennutzung und -verteilung. Im Bereich der Energieversorgung also um Smart- und Microgrids, lokale Erzeugung und Versorgung, um die Integration von E-Mobility in lokale Kreisläufe und um die Autobatterie als Infrastrukturelement. Es geht um „Mobility as a service“, weil Nutzungsmaximierung ein Zwischenschritt zu effizienterer Mobilität ist. Kurz: Wer Nachhaltigkeit sagt, muss digitale Kompetenz sagen.

Genau das ist der Haken: Wir haben ein Nachhaltigkeitsproblem, weil wir ein Digitalisierungsproblem haben. Und wir haben ein Digitalisierungsproblem, weil wir ein Schnittstellenproblem haben.

Eine Ausnahme zur Regelbestätigung: Nach langjähriger Zusammenarbeit stieg die Allianz Renault-Nissan-Mitsubishi Ende Juni auch als Investoren bei The Mobility House ein. Das Münchner Unternehmen arbeitet und experimentiert intensiv an der Schnittstelle von Mobilität, Energieversorgung und Digitalisierung.

Leider ist das aber kein verbreiteter Denkansatz. Denn wenn VW etwa verkündet, man würde „das Elektroauto erfolgreich machen“, geht die Vision nie wirklich weit über ein impliziertes „…weil wir es richtig geil bauen“ hinaus. Ob der Strom dafür aus Nordsee oder aus Lausitz kommt, ist herzlich wenig Thema.

Nachhaltigkeit und die Digitalisierung, die sie ermöglicht, müssten ganzheitlich gedacht werden. Stattdessen denken wir spezialisiert und insular: Scheuer kümmert sich um den Elektroverkehr, Altmaier um die Batterien, Bär schaut aus dem Flugtaxi zu.

Die modernisierungsbedürftige Gesellschaft leistet sich Strukturen, die echte Modernisierung konterkarieren. Da kann auch kein Digitalministerium helfen. Da braucht es ein übergreifendes, ambitioniertes Zielbild gesellschaftlicher Veränderung. Und wenn wir geklärt haben, wer jetzt wessen E-Roller wo auflädt und ob dabei ein Helm zu tragen ist, sollten wir es ja mal angehen.

Christoph Bornschein ist Mitgründer der Agentur Torben, Lucie und die gelbe Gefahr (TLGG), die sich auf Digitale Business spezialisiert hat und mehrere Dax-Konzerne berät.

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