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Christoph Bornschein

Expertenrat – Christoph Bornschein Wer nur nach oben schaut, sieht Deutschlands digitale Hidden Champions nicht

Deutschland ist digital viel mehr als seine Großkonzerne. Doch Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit brauchen ein Umfeld, in dem Champions von morgen wachsen können.
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Christoph Bornschein meint, dass Deutschland im Digitalisierungsdiskurs oft das richtige Maß verfehlt. Quelle: obs
Digitalisierung (Symbolbild)

Christoph Bornschein meint, dass Deutschland im Digitalisierungsdiskurs oft das richtige Maß verfehlt.

(Foto: obs)

Sektkorken, bitte: Die 50 innovativsten Konzerne der Welt wurden mal wieder gekürt und Deutschland ist gleich neun Mal dabei. Mit Adidas hat es ein deutsches Unternehmen sogar in die sonst von den erwartbaren US-Tech-Konzernen dominierten Top Ten geschafft. „Deutsche Unternehmen sind innovativer als gedacht“, titelt die FAZ zur aktuellen Ausgabe der jährlichen Boston-Consulting-Studie, und dazu sei allen platzierten Unternehmen herzlich gratuliert. Deutsche Konzerne haben Innovation verstanden, setzen digitale Transformation um, entwerfen Plattformen und Ökosysteme und experimentieren mit KI. Das ist schon toll.

Warum mich jedoch auch derart gute Nachrichten ermüden? Weil sie erneut bezeugen, dass Deutschland im Digitalisierungsdiskurs so oft das richtige Maß verfehlt. Denn zwischen der nun chartenden Innovationstätigkeit der großen Konzerne und der gerade erst durch eine Studie von Civey und TLGG Consulting (Disclaimer: Ich bin Mitgründer und Geschäftsführer der letzteren) festgestellten digitalen Trägheit im deutschen Alltag passiert so viel – Spannendes, Innovatives, international Relevantes. Deutschland ist digital so viel mehr als seine Großkonzerne. Doch das ist, wenn nicht gerade chinesische Investoren einsteigen, selten Thema.

Das Münchner IIoT-Startup Konux jedoch war schon deutlich vor dem Einstieg des Giganten Alibaba hochinnovativ und als Partner der Deutschen Bahn auch erfolgreich – nur eben nicht newsworthy genug. Das Stuttgarter Blech-Startup Laserhub steht nach dem Einstieg des Investors Project A an der Schwelle zum internationalen Erfolg. Aus Chemnitz liefern Staffbase umfassende und integrierte Lösungen für interne Unternehmenskommunikation – und das längst auch an internationale Kunden.

Unser Erfolg als Volkswirtschaft hat immer darauf aufgebaut, dass die kleinteilige Wirtschaft erfolgreich ist. „Jeder zweite Hidden Champion weltweit kommt aus Deutschland“ frohlockt zu Recht der BDI in seinem Gegenentwurf zu Altmaiers Industriestrategie 2030. Es ist spannend zu sehen, dass und wie sich das nun fortsetzt. Und es ist mitunter ernüchternd zu sehen, wie hartnäckig die Obvious Champions im Fokus bleiben.

Deutsche B2B-Startups entwickeln Lösungen, die die deutsche Wirtschaft umkrempeln und für die Digitalisierung anschlussfähig machen. Und da kommt sie in Gang, diese zweite B2B-Welle, auf die hofft, wer nach B2C auch das große B2B schon längst verloren gegeben hatte: Startups, die auf traditionellen Stärken und starker Basis aufbauen, statt sie nur zu bewahren, und dabei Lösungen entwickeln, die universell und weltweit angewandt werden können – am Ende und im Prinzip unterscheidet sich der Blechbedarf amerikanischer Unternehmen ja nicht grundlegend vom Blechbedarf in Baden-Württemberg.

Deshalb dürfen die Freude über deutsche Innovationskonzerne und das deutsche Verständnis innovativer Industrie nicht vergessen lassen, dass es Handlungsbedarf gibt. Dabei muss ein Peter Altmaier kein neues SAP bauen, sondern die richtigen Rahmenbedingungen für Wachstum schaffen, für Kapitalzugang und Markterschließung. Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit brauchen nicht den Airbus der Schiene. Sie brauchen ein Umfeld, in dem die Champions von morgen wachsen können.

Mehr: Deutschland muss seine Zukunft sichern, nicht die Vergangenheit. Die Kolumne vom 27. Februar.

Christoph Bornschein ist Mitgründer der Agentur Torben, Lucie und die gelbe Gefahr (TLGG), die sich auf Digitale Business spezialisiert hat und mehrere Dax-Konzerne berät.

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