Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Klaus Hansen

Expertenrat – Klaus Hansen In Deutschland sollten sich mehr CEOS in die politische Debatte einmischen

Nur wenige Chefs beziehen in der Öffentlichkeit zu wichtigen Themen Stellung. Dabei tragen sie eine besondere Verantwortung. Ein Plädoyer für ein größeres Engagement.
Kommentieren
Der Manager hat bereits mehrfach Stellung zu politischen Themen bezogen. Quelle: dpa
Siemens-Chef Joe Kaeser

Der Manager hat bereits mehrfach Stellung zu politischen Themen bezogen.

(Foto: dpa)

Frank Appel hat es bereits mehrfach getan. Der Vorstandschef der Deutschen Post mischt sich immer mal wieder in die politische Debatte ein. Ob Grundsteuer, bezahlbarer Wohnraum oder Donald Trumps Steuerreform: Der ehemalige McKinsey-Unternehmensberater bildet sich nicht nur zu all diesen Themen eine Meinung – sondern spricht diese auch in der Öffentlichkeit aus.

Damit ist der 58-Jährige weitgehend allein unter Deutschlands Topmanagern. Wenn man von Siemens-Chef Joe Kaeser absieht, der ebenfalls oftmals politisch Stellung in der Öffentlichkeit bezieht. Allerdings schießt Kaeser dabei öfter über das Ziel hinaus und formuliert bisweilen taktlos.

Nach der Tötung des saudischen Regimekritikers Jamal Khashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul teilte er allen Ernstes mit: „Wenn wir aufhören, mit Ländern zu kommunizieren, in denen Menschen vermisst werden, kann ich auch gleich zu Hause bleiben.“

Dann lieber schweigen? Tatsächlich behalten die meisten Unternehmenschefs hierzulande ihre Meinung zu politischen und gesellschaftlichen Themen lieber für sich. Erst recht, wenn diese Themen nicht ihr Geschäft betreffen. Besonders zurückhaltend sind angestellte Manager börsennotierter Konzerne. Hinter vorgehaltener Hand meint so mancher, dass man um seinen Job fürchten müsse, sollte man sich deutlich politisch äußern.

Firmeninhaber beziehen in der Öffentlichkeit dagegen etwas häufiger Stellung. Reinhold Würth etwa, als er in der Flüchtlingskrise sagte, „viele kleinkarierte Menschen“ wollten das Grundgesetz ändern, das Deutschland verpflichte, jene aufzunehmen, die in Sorge um ihr Leben seien. Ebenfalls politisch äußerten sich etwa Rossmann-Inhaber Dirk Roßmann und dm-CEO Götz Werner.

Doch das sind zu wenige Manager. Vor allem in Zeiten wie diesen, in denen scheinbar die ganze Welt verrücktspielt – und das nicht nur in den USA oder im britischen Parlament. Mit einer Mischung aus Erstaunen und Entsetzen ist zu beobachten, dass der hohe Wert unserer demokratischen Gemeinschaft nur noch wenigen Menschen bewusst ist.

Ganz offenbar liegt das daran, dass viele Bürger aufgrund des Wohlstands bequem geworden sind und viele Themen als gottgegeben hinnehmen, die in Wirklichkeit über Jahrhunderte hart erkämpft wurden und beileibe weder selbstverständlich noch für alle Zeiten sicher sind.

Dazu muss man nicht nach Übersee schauen, es reicht der Blick auf die politischen Veränderungen in Deutschland. Zu nennen sind hier zum einen die Terroranschläge von Rechtsextremisten, aber auch die Kommentare und Reden von Parlamentariern im Bundestag und in verschiedenen Landtagen, die ganz bewusst mit dem Feuer spielen.

Gerade Unternehmenslenker, ob Inhaber oder angestellter Vorstand, tragen eine besondere Verantwortung – und das nicht nur für ihre Mitarbeiter und deren Arbeitsplätze. Es reicht dazu ein Blick ins Grundgesetz. Das Verfassungsdokument stellt fest, dass Eigentum verpflichtet. In einer Zeit, in der radikale Ansichten wieder salonfähig werden, erstreckt sich diese Verantwortung für das Eigentum daher auch auf den Schutz dessen, was dieses Eigentum erst ermöglicht hat: unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung.

Es geht dabei nicht in erster Linie um (partei-)politische Statements oder wohlgemeinte Bekundungen der Entrüstung nach furchtbaren Anschlägen. Es geht jederzeit um klare Aussagen dazu, was sich gehört und was nicht. Egal, ob es um die Ächtung verbaler Entgleisungen im Parlament oder um widerliche Kommentare im anonymen Internet geht. Wer sich erst öffentlich artikuliert, wenn es knallt, kommt zu spät.

Es ist also zu wünschen, dass sich nicht nur einige exponierte CEOs gelegentlich äußern, sondern es ab sofort für jeden Unternehmenslenker zum guten Ton gehört, seine Machtposition dazu zu nutzen, sich lautstark Gehör zu verschaffen, wenn der soziale Aspekt unserer Marktwirtschaft ramponiert wird oder unsere Demokratie angegriffen wird, ob dinglich oder verbal. Wer so handelt, handelt viel mehr im Sinne des Gemeinwohls als eine Arbeitsplatzsicherung es je erreichen könnte.

Mehr: Viele Vorstandsvorsitzende in Deutschland verpassen den richtigen Zeitpunkt, um ihr Amt abzugeben, meint Klaus Hansen. Die Überprüfung durch einen neutralen Dritten wäre in vielen Fällen notwendig.

Klaus Hansen ist Partner der Personalberatung Odgers Berndtson und leitet die Practices „Board & Chair“ sowie „CEO“ in Deutschland. Für das Handelsblatt schreibt er über aktuelle Themen rund um Topmanager, Führung und Karriere.

Der Handelsblatt Expertencall
Startseite

Mehr zu: Expertenrat – Klaus Hansen - In Deutschland sollten sich mehr CEOS in die politische Debatte einmischen

0 Kommentare zu "Expertenrat – Klaus Hansen: In Deutschland sollten sich mehr CEOS in die politische Debatte einmischen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.